Ausgabe 
19.1.1916 Zweites Blatt
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treffen. Die verbündeten Regierungen haben sich mit diesem StarrdpvrEe der NeichSleibmg einverstanden erklärt. Ich bin ermächtigt zu erklären, daß dem Reichstage eine ent. .sprechende Vorlage alsbald gemacht wird. fDeifall.)

^Die Zensur gehört zn den notwendigen Nebeln, zu einer Be­schränkung, wie wir sie auch auf anderen Gebieten haben. Sie ist gewissermaßen die Brotkarte der öffentlichen Mei­nung. (Heiterkeit.) Wir werden erfreut sein, wenn wir die Zensur aufheben können.

Abg. Waldstein (Fr. Vp.):

Wenn die Zensur die Brotkarte der öffentlichen Meinung ist. so bitten wir um recht große Zusahkarten. (Heiterkeit.) Nehmen Hie deshalb unseren Antrag an. Bei einem so langen Kriege ist der Grundsatz der legislatorischen Abstinenz undurchführbar.

Abg. Basscrmann (Natl.)

beantragt, den Antrag Ablaß-Vassermann und den Teil der Reso­lution des Ausschusses, welcher das Verbot einer Zeitung von Ler Zustimmung des Reichskanzlers abhängig machen will, ge­meinsam an den Hanptausschuß zurnckzuvcrweisen.

Ein Schlußantrag wird angenommen.

Abg. Liebknecht (Wild):

Der Schlußantrag bezweckt in erster Linie, mich am Reden zu hindern. (Sehr richtig!) Sie üben so eine Zensur über die Mitglieder des Hauses, die skandalöser als die militärische ist. (Glocke des Präsidenten. Ordnungsruf.) Sie sollten gegenüber dem französischen, englischen, italienischen und sogar russischen Parlament erröten. (Schallende Heiterkeit.)

Nach weiteren persönlichen Bemerkungen erklärte der Abg. Liebknecht: Mir wurde vorhinLandesverräter" zugerufen. Ich ziehe es vor, als Landesverräter bezeichnet zu werden, als von Ihnen gelobt zu werden, wie es Mitgliedern der sozialdemokra­tischen Fraktion geschehen ist. (Heiterkeit.)

Die Entschließung d e S Hauptausschusses wird angenommen. Nur der Absatz, der bestimmt, daß das Verbot einer Zeitung nur mit Zustimmung des Reichskanzlers erfolgen darf, wird an den Ausschuß verwiesen, ebenso der fort­schrittlich-nationalliberale Antrag.

Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Präsident Dr. Kaempf: ^

Dir haben in dieser Tagung finanzielle und wirtschaftliche Maßnahmen beschlossen, wir haben aber auch aufs neue der Welt gezeigt, mit welcher Entschlossenheit daS deutsche Volk gewillt ist, die Opfer ans sich zu nehmen, die der Gedanke an das Vaterland, an seine Zukunft und seine Größe ihm auserlegt. Siegreich stehen unsere und unserer Verbündeten ruhmreiche Truppen an allen Fronten zu Wasser und zu Lande, von der Ostsee und der Nordsee bis $irc Adria und bis zn den schwarzen Bergen, wo die erste kleine Friedenstaube ausgeslogen ist, bis zu Mesopotamien und dem Suezkanal, siegreich und unerschüttert begegnen wir den Schwierigkeiten, die der englische Handelskrieg uns aufzuerlegen vergeblich sich bemüht.

In ohnmächtiger Erbitterung läßt die britische Regierung angesichts des Fehlschlagens aller ihrer Hoffnungen und Pläne sich dazu hinreißen, an wehrlosen deutschen Hcldensöhnen feigen Meuchelmord zu billigen und ungezähnt zu lassen. Ange­sichts alles desien geht Deutschland stolz erhobenen Hauptes sei­nem Ziele entgegen, mehr als je von dem Vertrauen beseelt, daß in diesem Kriege, durch den unsere Feinde uns zn vernichten drohten, deutsches Geistes- und deutsches Knltuslcben sich den Platz erkmnpsen werden, der ihnen in der Welt gebührt, und daß wir, wenn unsere Grenzen gesichert sind, endlich einmal dazu kommen, den Werken des Friedens zu leben, um die Wunden zu heilen, die dieser uns freventlich aufgezwungene Krieg uns und der ganzen Welt geschlagen hat. Meine Herren, mit diesem Wunsch schließe ich die Debatten in unserer dies­maligen Tagung an dem Tage, an dem wir bor 45 Jahren das De utsche Reich gegründet haben, an dem Tage des Gedenkens jenes großen weltgeschichtlichen Ereignisses. (Beifall.)

Der Präsident erbittet und erhält die Erlaubnis, Tag und Stunde der nächsten Sitzung, sowie ihre Tagesordnung fest­stellen zu dürfen.

Staatssekretär Dr. Delbrück verliest die allerhöchste Verord­nung, durch die der Reichstag bis zum 15. März ver­tagt wird.

Präsident Dr. Kaempf:

Meine Herren, wir trennen uns unter dem alten Ruf: Seine Majestät, der deutsche Kaiser, Volk und Vaterland leben hoch! (Das Haus stimmt ein.)

Schluß 5Ms Uhr.

Am dem Reiche.

Eine neue Fraktion im Reichstag.

Berlin, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Im Reich s- ck a g e hat sich unter dem NamenD e n t s ch e F r a k t i o n" »eine neue Fraktion gebildet, deren nachfolgende 28 Mit­glieder beigetreten sind: Alpers, Dr. Arendt, Bauer (Pfarrkirchen), Behrens', Bruhn, von Brün eck, Dr. Burck- hardt, Colhorn, Dörksen, Freiherr v. Camp-Massuuneu, von sHalein, Hegenscheidt, Herzog, Laux, Loescher, von Meding> ,Mertin, Mumm, Graf von Posadowski-Wehner, Rupp (Mar­burg), Freiherr von Schele, Schulz (Brvmberg), Stuben­dorff, Freiherr von Wangenbeim, Warmuth, Werner (Gie­ren), Werner (Hersfeld), Witt. Die Fraktion wählte zum Vorsitzenden Freiherrn von C amp-Mussaunen, zu dessen Stellvertreter den Llb geordneten Schulz (Bromberg), züm 2. Vorsitzenden den Abgeordneten Werner (Gießen), zu dessen Stellvertreter den Abgeordneten Lic. Mumm, zum 3. Vorsitzenden den Abg. Freiherrn von Schele, zu dessen Stellvertreter den Abg. Lcmx, zur Vertretung der Deutschen Fraktion im ältesten Ausschuß wurden die Abg. Freiherr von Camp-Massaunen, Werner (Gießen), Frei­herr von Schele gewühlt.

In den Betrachtungen, die dem Reichstag bei seinem Ferienantritt gewidmet werden,.wird der lebhafte Beifall unterstrichen, ivelcher der im Namen der verbündeten Re­gierungen von Ministerialdirektor Dr. Lewald abgege­benen Erklärung zuteil wurde, nach der in absehbarer Zeit gesetzlich festgelegt werden soll, daß die Gewerkschaften nicht als politische Vereine anzusehen sind. DieGer­mania" hebt hervor, daß es ganz in ihrem Sinne sei, wenn der Reichsschatzsekretär erklärte, daß er mix provisorische Stenermaßnahmen vorbereite.

Die Mitteleuropäische Wirtschaftskonferenz.

Dresden, 18. Jan. (WTB: Nichtamtlich.) Im Laufe der gestrigen Verhandlungen der Mitteleuropäischen Wirtschnftsko n ferenz legte Dr. Fr e y mar k-Bres- lau der Versammlung eine Reihe von Leitsätzen zur Frage der Vereinheitlichung von Bestiinlnnngen über den Eisen­bahnverkehr vor. Er wies zn ihrer Begründung daraus hin, daß das Streben nach einer wirtschaftsp>olitischen An­näherung zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich- Ungarn auch eine wertgehende Zusammenarbeit auf diesem Gebiete, das für viele wirtschaftlichen Beziehungen von entscheidender Bedeutung sei, für geboten erscheine. Für die Werkehrstreibenden stünden im Vordergrund: eine Verein­heitlichung des formellen Tarifwesens (z. B. eine möglichst allgenreine Aufstellung direkter Tarife), eine möglichst weit­gehende Durchführung des Grundsatzes und einer gileich- nräßigen Behand-lung der Transporte des erneu Staates mit den anderen, insbesondere durch eine weitere Ausgestaltung der Parität, die durch die verkehrspolitische Meistbegünsti­gung zu ergänzen sei.

Berlin, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.)' Wie die Blät­ter melden, hat Abgeordneter Liebknecht dem Reichs­tagsbureau mitgeteilt, daß er aus der Liste der sozialdemo­kratischen Fraktionsmitglieder gestrichen und in der Liste der keiner Fraktion angehvrenden Reichslagsabgeordneten eingetragen zu werden wünsche.

Ans Hessen.

rb. Darmstadt, 18. Jan. Die nationalliberale Fraktion der Zweiten Kammer ist für Samstag, den 22. Januar, zur Abhaltung einer Fraktionssitzung ein­berufen worden. Es handelt sich in erster Linie darum, für den am 1. Februar d. I. wegen seiner »Ernennung zum Oberstaatsanwalt aus der Kammer ausscheidenden Abg. Wünzer einen Ersatzmann der Fraktion für den Finanz^ lausschuß zu bestimmen. Abg. Wünzer hatte bisher im Finanzcrrisschuß den nationalliberalen Abgeordneten Best vertreten, der sich bekanntlich seit Beginn des Krieges als Offizier bei den Fahnen an der Front befindet. Weiter wird sich die Fraktion in dieser Sitzung noch mit dem Ende dieser Woche zu erwartenden Staatsvoranschlag für 1916 und mit den darüber uUd über die eventuelle Deckung des Fehlbetrags im Finanzausschuß gemachten vertraulichen Mitteilungen näher beschästigen.

Aus Stadt und Land.

Gießen. 19. Januar 1916.

StandeSamLöstatiftik für 1915.

Die Gesamtzahl der im zweiten Kriegsjahr in der Stadt Gießen geborenen Kinder beträgt 973 (gegen 1105 Geburten in 1914). Es entfallen davon auf Knaben 510 (561), auf Mädchen 463 (544). Die ehelichen Geburten stellen sich ans 733; davon entfallen auf Knaben 385, auf Mädchen 348 (859 gleich 435 Knaben und 424 Mädchen). Dagegen entfallen auf uneheliche Geburten 240, nämlich 125 Knaben und 115 Mädchen (246 gleich 126 Knaben und 120 Mädchen). Bon den zur Welt gekommenen Kindern entfallen allein auf die e i n h e i m i s ch e Be v ö lk e r u n g 413 Ge­burten, nämlich 219 Knaben und 194 Mädchen (601 gleich 308 Knaben und 293 Mädchen). Bon ortsfremden Müttern wurden geboren 560 Kinder und zwar 291 Kna­ben und 269 Mädchen (504 gleich 253 Knaben und 251 Mäd«- chen. Von der Gesamtzahl der geborenen Kinder waren un­ehelich 240 (246); von diesen entfallen aus die Gieße­ner Bevölkerung 45 (66) auf ortsfremde Müt­ter 195 (180).

An Todesfällen sind in 1915 zu verzeichnen: 766, nämlich 410 männliche, 356 weibliche Personen (837 gleich 507 mänsiliche und 330 weibliche Personen). Außerdem haben wir zu beklagen: 157 in 1915 in das Sterberegister ein­getragene, in Gießen wohnhaft .gewesene Kriegsteil­nehmer, gegen 31 in 1914, so daß bisher der beur­kundete Gesamtverlust Gießener Opfer für den Welt­krieg 188 Männer beträgt. Außerdem sind in 1915 113 Kriegsgefangene in Gießen verstorben (in 1914: 20).

An Todesfällen entfielen auf die einheimische Be­völkerung (ohne Kriegsteilnehmer) 377, nämlich 193 männlichen und 184 weiblichen Geschlechts (459 gleich 275 männlichen und 184 weiblichen Geschlechts). In Kliniken und Anstalten verstorben 217 Personen, die nicht zur Gießener Bevölkerung zählen (378,. Im 1. Lebensjahr verstürben im ganzen 97 Kinder (106), darunter aus Gie­ße n 60 (75), ortsfremde Kinder 37 (31). Totgeburten kamen im ganzen 41 (66), darunter 28 eheliche und 13 Uneheliche, vor. Davon entfallen aus die Gießener Bevölkerung 18 (27), auf ortsfremde Mütter 23 (39).

Wenn man die Sterbefälle und Gebürten bei der orts- angesessenen Bevölkerung Gießens im abgelausenen Jahr berücksichtigt, stellt sich der Geburten-Heb er schuß auf nur 36 Köpfe. Berücksichtigt man die auf dem Felde der Ehre gebliebenen Personen, so haben wir in unserer Stadt einen Ausfall von 121 Personen, welche im Kriegsjahr mehr verstorben sind, gegenüber den Geburten. Der Ueberschuß an Geburten in unserer Stadt stellt sich im letzten Jahrzehnt wie folgt:

1906 1907 1909 1909 1910 1911 1912 1913 1914 1915

306 256 330 339 323 299 214 319 142 36 oder in 1915 mit Kriegsgefallenen einen Ausfall von 121 Köpfen, wozu noch der durchschnittliche jährliche Zuwachs in den letzten 10 Jahren mit 240 Köpfen kommt, so daß ein tatsächlicher Ausfall in der natürlichen Vermehrung unserer Bevölkerung von rund 360 Personen in 1915 zu ver­zeichnen ist.

Die Zahl der Eheschließung e n in unserer Stadt beträgt 122 (gegen 226 im Vorjahre). Unter den jungen Ehepaaren befinden sich 70 Kriegs getraute (gegen 57 Paare im ersten Kriegsjahr».

Dem Alter nach schlossen den Ehebund:

Jahr 16-20 21-24 25-29 30-34 35-39 40-49 50-59 60-69

Männer 2 36 49 18 5 7 4 1

Frauen 22 50 30 10 5 4 1

Im Vergleich zu den früheren Jahren haben sich die Eheschließenden wesentlich verjüngt, was wohl seinen Grund in den Kriegstrauung err hat. Ein Vergleich der Bevölke­rungsbewegung mit der Reichsstatistik, welche bisher nur für das Jahr 1913 vorliegt, läßt sich wegen der durch die Verhältnisse des Kriegs beeinflußten Zahlen für 1915 nicht ziehen, es wird dies erst möglich feilt, wenn die Ergebnisse der Personenstandsbewegung für 1914/15 für das Reich vorliegen.

*

**DieLandesstelle für die Förderung des Goldmünzenaustausches und verwandter vaterlän­discher Zwecke gibt am Schlüsse der hessischen Sammelwoche allen freundlichen .Helfern und Helferinnen im Hessenlande bekannt, daß, soweit sich übersehen läßt, an allenOrten, wo die persönliche Werbetätigkeit durchgesührt wurde, das Ergebnis herzerfreuend ist und zwar nicht nur dem Betrage, sondern auch der Anzahl der einzelnen Abliefe­rungen nach. Es hat sich gezeigt, daß die persönliche Arbeit immer noch zu großem Erfolg verhilft, der auch außerhalb Hessens zur Nachfolge aneisern wird. Solange die Reichs­bankanstalten Ziffern nicht bekannt geben, halten wir uns nicht für befugt, das Endergebnis zusammenzustellen und zn veröffentlichen. Es genüge, auf die Bekanntgabe des Erfolges in einigen Orten hrnzuweis-en, die selbst die Ziffern veröffentlicht haben. Pfungstadt ist bis jetzt mit 4885 Mk. vertreten, Griesheim mit 5000 Mk., Ar- heil gen nrit 1100 Mk., Reichend ach mit 5000 Mk., Gimbsheim mit mehreren taufend Mark, Groß-Um­stadt mit 1200 Mk., Bad-Nauheim und Umgegend mit 18000 Mk., Abenheim bei Worms mit 1760 Mk. Was allein die Schulen, die sich vordem schon csis erfolg­reiche Sammler belvährteu, in Darmstadt und der näheren Umgebung in dieser Woche gesammelt haben, kommt auf einige zehntausend Mark! Damit sollte jedoch die Tätigkeitnichtabgeschlossen fein. Vielmehr diene der Erfolg gerade dazu, zur aufklärenden urü> werbenden^

Wetterardert anzuregen und, wre das die Ortsgruppe Darmstadt vor hat, eine eifrige und aussichtsreiche Nachlese zn halten, wo wegen der Kürze der Zeit Lücken blieben. Schüler und Schülerinnen, welche diesmal mit dem aus­zugebenden Gedenkblatt noch nicht bedacht werden können, sollen es ^ich in der Folge noch verdienen dürfen. Allen freundlichen Helfern und Helferinnen sei herzlich gedankt, und die Bitte ausgesprochen, auch bei einem noch so großen bisherigen Erfolge nicht zu rasten, bis alle erreichbaren Gold­münzen der Reichsbank zugeführt sind. Dort allein werden sie für die Allgemeinheit Nutzen stiften.

Jede Woche sei eine Samm elwoche!

Ihren Dank spricht die Landesstelle aber auch der Presse aus, die in reichem Maße und, wie sich jetzt zeigt, mit vollem Erfolge unverdrossen ihre Unterstützung lieh.

Kreis Schotten.

L. L a u b a ch, 18. Jan. Gestern nachmittag fand eine Pionierübung der Jungmaunschast der Kompagnie Laubach an der benachbarten Friedrichshütte unter Leitung von Wachtmeister Poth aus Laubach statt. Es wurde eine Kolonnenbrücke au einer ungefähr t0 Dieter breiten Stelle über die Horloff gebaut. Der Bau der Brücke begann um 2 Uhr und endigte um 3 Uhr 15 Min. Um 3 Uhr 45 Min. war die Brücke wieder abgebrochen und alles Material, das zum Bauen der Brücke gedient hatte, wieder an Ort und Stelle zurückgebracht. Um den Jungmannen die Tragfähig­keit der Brücke zu zeigen, wurde in Truppenkolonne angetreten und über die Brücke marschiert. Wachtmeister Poch hielt einen Vortrag über Bau und Zusammensetzung von Brücken.

Kreis Friedberg.

Vilbe'l, 19. Jan. Die Ehefrau des Weißbtnders Ludwig B a i e r wurde als Leiche aus der Nidda geborgen. Vermutlich suchte sie in einem Anfall von Geistesgestörtheit den Tod.

Starkenburg und Nheinhessen.

Darmstadt, 19. Jan. Heute früh wurden in dem'Braun- kohlenbergwerk bei Messel durch niedergehende Kohlenmassen zwei Arbeiter verschüttet. Obwohl sofort Hilfe zur Stelle war, konnten die Verunglückten doch nur als Leichen geborgen werden. Einer der Arbeiter wohnt in Dieburg, der andere in Reichels­heim i. Odenw.

Landwirtschaft.

Znm Anbau von Frühkartoffeln.

Italien, Süd-Frankreich, Malta, Gibraltar und die Nieder­lande versorgten in friedlichen Zeiten unser Vaterland mit Früh­kartoffeln, da der Anbau von Frühkartoffeln in Deutschland nur einen ganz geringen Bruchteil der Gesamtanbaufläche von Kar­toffeln einnahm.. Seit Ausbruch des Krieges ist die Zufuhr aus diesen Ländern znm größten Teil gestört, zum Teil haben die neutralen Staaten aber ihre geernteten Kartoffeln im eigenen Lande verbraucht. Voraussichtlich wird auch in diesem Frühjahr und Sommer die Zufuhr au Frühkartoffeln aus diesen Ländern ausbleiben. Es wird daher notwendig sein, wiederum inr größeren Umfange Frühkartoffeln anzubauen, um möglichst frühzeitig in diesem Sommer neue Kartoffelmengen zur Verfügung zu haben. Selbstverständlich ist es aber dringend wünschenswert, daß nur dort Frühkartoffeln angebaut werden, wo die Boden- und klimatischen Verhältnisse dem Anbau der Frühkartoffeln günstig sind. Bei dem Anbau von Frühkartoffeln sind vor allem nach­stehende Gesichtspunkte zu beachten:

Der Anbau von Frühkartoffeln empfiehlt sich nur auf bes­seren, in hoher Kultur und in alter Kraft stehenden warmen Böden und geschützten Lagen. Auf mageren, naßgründigen Böden ist der Anbau von Frühkartoffeln nicht empfehlenswert. Für aus­giebige Bodendünguna und Bodenlockerung ist Sorge zu tragen. Wurde das Land nicht bereits im Herbst mit Stallmist gedüngt so ist im Frühjahr nur ein gut verrotteter Stallmist zu ver­wenden. Neben der Stallmistdüngung empfiehlt sich eine Düngung von 100 Kligr. 40proz. Kalffalz nnd 100 Klgr. Ammoniak- Supervhosphat 199 oder 50 Klgr. Thomasmehl und 50 Klgr. Kalistickstoff für den Hektar.

Für die Auswahl der anzubauenden Fri'lhkartoffeln kommt hauptsächlich die Frühreife und die Ertragfähigkeit der verschie­denen Sgrten in Betracht. Zu den bekarmtesten weißen, gelb­lichen und blauen Frühkartoffeln gehören: Juli-Kcsitofsick,

Zwickauer Frühe, Kaiserkrone, Kirsches Schneeglöckchen, Frühe weiße 6-Wochen-Kartoffeln, Frühe Zucker und Richters ovale Blaue. Etwas spätere Sorten sind u. a.: Ella, Zimbals Erna, Topas, Lueia, Böhms Frühe. Daneben sind von den roten Kar­toffelsorten als Fttihkartoffeln geschätzt: Die Rosenkartoffel und die rote Fürstenwalder. Die Ertragfähigkeit der Frühkartoffeln pflegt in der Regel um so geringer zu sein, je früher die .Kar­toffeln reifen. Je nach den Jahren, nach Boden-, Düngungs- und klimatischen Verhältnissen ist die Höhe der Erträge naturgemäß aber bei den einzelnen Sorten außerod-entlich verschiedeit.

Bei dem Anbau von Frühkartoffeln ist im allgemeinen darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Frühkartoffeln nur zur Deckung des Bedarfes im Sommer in Bettacht kommen. Znm Herbst- und Winterbedarf sind nach wie vor unsere hocherttagsfähigen mittel­späten und späteren Sotten anzubauen, welche auf der Flächen­einheit bedeutend höhere Erträge liefern.

Ein Haupterfordernis des rationellen Frühkattoffelanbaues sind gute ausgereifte Pflanzkartoffeln. Am besten eignen sich zur Aussaat mittelgroße Knollen, die schon im Herbst aus­gelesen und wenn möglich in trockenen, kühlen Räumen in flachen Haufen, welche öfters auf kranke und faule Knollen hin untersucht werden, aufbewahrt sind.

Zur Erzielung einer frühen Ernte ttägt das Vorkeimen der Saatknollen viel bei, weil die vorgekeimten Knollen bei weitem nicht so lange zäm Aufgehen gebrauchen wie nicht vorge^imte. Die Ernte kann um mindestens 1014 Tage früher eintretcn. Der Raum, in dem die Knollen vorkeimien sollen, muß hell, trocken und froftsiei sein. Können die Saatknollen auf Holz- Horden oder in entsprechende Holzkästen gebracht worden, so ist darauf zu achten, daß der dickere Teil der Knollen, der immer die meisten Augen aufweist, fttts nach oben kommt. Bei ttchttger Behandlung in hellen, etwas angewärntten luftigen Räumen! treiben die Kartoffeln in ungefähr 6 Wochen kurze, kräftige Keime und sind dann zum Pflanzen im Freien bei günstigem Wetter geeignet. In dunklen, feuchten Räumen dürfen die Knollen nicht vorgekeimt werden, da die Keime dann zu dünn, zu laug und zu wässerig werden. Mit dem Borkeimen beginnt man am besten in den ersten Tagen des Februar.

Das Auslegen der Pflanzkartoffeln erfolgt am besten mit der Hand, da nur dann die Knollen die richtige Tiefe, Kppf nach oben, gut hingesetzt und ohne Verletzung des Dümes fest- gedrückt werden können.

Die Pflanzweite für Frühkartoffeln ist zweckmäßig bei ganz frühen Sorten 40x30 bis 40x40 Zenttmtr., bei mittelfrühen auf 40x50 Zentimeter zu bemessen.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Das I. Ersatz-Bataillon Infanterie-Regiments Nr. 116 be­absichtigt am Donnerstag, den 20. Januar ds. J-s., östlich von Armevod in der Richtung auf Burkhardsfelden Ge­fechtsschießen mit scharfer Mmrrtion abzuhalten. Das gefährdete Gelände östlich Annerod mit der dahinterliegenden Waüffläche zwischen Annerod, Sternbach, Lllbach, Burkhardsfelden, Oppenrod und Ganseburg darf von vormittags 9 bis mittags 12 Uhr nicht betreten werden. Der Verbindungsiveg Annerod Steinbach durch den Fernewald ist für jeden Verkehr gesperrt.

Ten Anweisungen der ausgestellten Posten ist Ul folgen.

Gießen, den 17. Januar 1916.

Großherzogliches Kreisamt Gießen ; Hemmerde-.