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26.1.1916 Erstes Blatt
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©erfüll Iffiagwt^ Elche dMiUUje »taiwutauwuimauiis

.^br Ausschuß für fahrbare Kriegsbücheveien steht unter deni Vorsitze Seiner Exzellenz des Herrn Tr Conze Ebrenmitalied rst Herr Geheim rat Professor Dr. FocklÄoftm Die weiters Mi? glreder des Ausschusses sind: Erz. Michaelis Wirk! Geb Rat

^ Ra§neck^A^°^ ?? ^ Wilhelms-Dauk in krimi jlt. Jinoema, Archivar des sozialen Armins Ru'iskii' f»f- h-«--

Pfarrer Wallis, Berlin. Geschäftsführer ist Pfarrer Hoppe F-std- Schatzmckstcr^Dr EM^artter des Armeoobcrkommando?Ost.

rs.7 L mmmau

»US Stadt «nd Land

< ^ * Gießen, 26. Januar 1916.

Vaterländischer Studentendienst in Gießen.

Die am 24. Januar abgehaltene SLudentenver-

r! t » 0 .r l 5 Cr i , . n r® Crl6äItniS F bCt *>tl Taq gilt Tag ourcy milttartsche Einberufungen sich verringernden Stu-

^F^zahl recht gut besucht. Den Hauptgegenstand der üL'^dnui^ bildete ern Vortrag von Geheimrat Haupt über dre Errichtung emes G r e ß e n e r v a t e r i ä n d is che n s ntC r\ b, i-" ft eS - Der Vortragende schilderte zu , l X b«deuti-nnen Anteil, den Lie deutschen Hoch schulen von Beginn des Weltkrieges ab an dem Verteidi' gungskampse unseres Vaterlandes genommen haben. Nicht ^ 'd^Seg- 50°«0 Sd-dierende und Hochschullehrer ^ben Waffen m der Hand ins Feld gezogen sind, auch des akademischen Unterrichtes haben 5^..d^ulen die krregerische Rüstung unseres Volkes unmittelbar gestärkt, indem von den medizinischen '«')' natur,vusenschaftlich-technisck>°n Instituten immer wte der so mancher ersehnte Nachschub von Aerzten, Veterinären, Samtatsmannschaften und Pionieren ins Feld gesandt

der Fülle der fü/vater- Front in Betracht kommenden ^ilf^aibcrt und Fürsorge ern ziemlich sch-arf umrissener

Sh?«*«L Ä, 55Ä mif0 ? n herausgehoben/der gerade den stubentlschen Kreisen neben ihrem ^tudienbetrieb die Aus­eros s net ^"lgretch-e Tätigkeit im Dienste des Gemeinwohls

~ S 1 * crfter Linie wies der Vortragende auf die Teilnahme an der Jugendpflege hin, die durch den Kneg vor besonders ernste Aufgaben gestellt ist. Nachdem

^ nt l r blC f Q ^ nen gerufen worden, während die Mutter durch Berufsarbeit außer Hause in Anspouch genommen sind, ist eine steigende Verwilderung und Ver­rohung der Heranwachsenden Jugend zutage getreten, die geradezu ern nationaler Notstand zu werden brobt. Umso dringender ist das Bedürfnis nach freiwilligen Helfern, der rungen Lertte, für die hier sowohl im Kaufmänni­schen Vereinshause, als von dem Wartburgverein Unterhal- tungsabende eingerichtet worden sind, kameradschaftlich an- rhnen den erziehlichen Einfluß des Elternhauses ü?®!! 611 e , r ^ e ^ n - gleich eindringlicher Weise suchte der Vortragende für die Teilnahme der Studierenden an ^ P r rnrtrtärischen Vorbereitung der Iu - ^^b^osfenen Einrichtungen zu werben. Sollen die für die Stvrkunb unserer Wchvkrast durch jene Einrichtungen rrstrebten Zrele errercht werden, so muß die militärische Jugendorgamsotron erne wirklich volkstümliche sein, und die oberen sozialen Schichten, besonders aber die Studie­renden, dürfen sich von ihr nicht länger ausschließen. End­lich wurde auf den vom Roten Kreuze geleiteten Ver- vtrßten- und Gefangenen-Nachweis hingewiesen, bei dem sich für studentische Hilfsarbeiter ein außerordent­lich dankbares Feld der Betätigung eröffne. Dem guten Fortgang solcher vaterländischen Hilfsarbeit würden am besten öfter wiederkehrende zwanglose Zusammenkünfte der Studentenschaft dienen. Auch für die künftige Friedens- freii: könnte eine foldyt vaterländische Arbeitsgemeinschaft Bedeutung gewinnen, indem so der bisherigen Zerklüftung der Studentenschaft durch Parteien und Richtungen. entt aegengewirkt, und für die Entfaltung eines auf vater­ländischer Grundlage beruhenden starken akademischen Ge- nrerngeistes und Zusanrmenhaltens der Boden bereitet würde.

_ ...Diese Anregungen wurden von der Zuhörerschaft beifällig ausgenommen und von verschiedenen Seiten so­gleich die Mitwirkung an den besprochenen Arbeittauf- gaben rn Aussicht gestellt. Nachdem der Rektor Professor noch über die Aufgaben des Akademischen Hrlssbundes und über die Kriegs tätig keit der Lndovic.amr Mitteilungen gemacht hatte, wurde beschlossen, künfttg des öfterenvaterländische Abende" der Gießener Studentenschaft zu veranstalten, für die neben der Berichterstattting über den vaterläiidischen Studentendienst «und sonstigen Borttägen auch musikalische und sonsttge künstlerische Darbietuiigen in Aussicht genommen sind. Der erste dieser vaterländischen Abende soll bereits am 2 Fe­bruar auf dem hierfür zur Verfügung gestellten Hause der Burschenschaft Germania (Wetzbarer Weg) stattsindeii.

*

** Stadt-Mädchenschule. Mit gleichem Eifer wie die anderen Schulen hat sich auch die hiesige Stadt-Mädchen­schule in den Dienst der vaterländischen Sache gestellt Hunderte von fleißiaen Kinderhäiiden haben sich geregt um zu Weihnachten Liebespaketchen zu rüsten, um Strümpfe und Socken, Puls- und Kniewävmer, Kops- und Ellenbogen-

jchützer ".sw. für u.a\tvt ^erdgrauerr zu stritten. Hunoerre von Kmderborsen haben sich geöffnet, um ein Scherflein beizusteuern zur Nationalstistung, zur Blindenhilfe, zum Roten Kreuz usw. usw. Und auch bei der Goldsammluug wollten die Kinder der Stadt-Mädchenschule nicht zurück- steyen. Oceben früher bereits um gewechselten namhaften Be­tragen wurden in der allerletzten Zeit gegen 2000 Mk. Gold erngebracht; weitere Beträge stehen in Aussicht. Und die teuchtenden Augen, mit denen alles geschieht, bieten Ge­wahr dafür, daß der Eifer der jugendlichen Helferinnen und Spenderinnen nicht erlahmen wird, solange das Vater­land Opfer fordert.

<-v ^tvdttheater. Nochmals sei darauf hinaewielen dnß ^^nchrrds LustspielM ünchhausen" mit Herrn Hofschauspieler Fritz Gerhard von Weimar als Gast in der dw erne Aufführung am Donnerstag stattfinden kann. Äi l^nd m Hauptrollen beschäftigt die Herren Goll,

Stemhofer Dwvrkowskl, Theiling und Eugens sowie die Zainen Rubenv, Zondcrvan und Feldermann.

^ ^ a n b J J ~ u b m \ Q %* ® t) m n q f i u nt können

^"Meldungen neuer Schüler für das Schuljahr 1916/17 vom 2. bis 4 . Februar, entgegen genommen werden. Näheres ist im Anzeiaen- teile zu ergehen. ^

** Postdienst am Kaisersgeburtstag. Am i rx^ anua r f mbet eine einmalige Brief-, Paket- und Geld­bestellung statt. Die Postschalter sind von 8 bis 9 Uhr vorm, und von 11 Uhr vorm, bis 1% Uhr nachm, geöffnet.

jm- 4*- a J t n st Ludwig findet morgen Donnerstag zur Feier dev Geburtstages Sr. Maiestät des Deutschen Kaisers ern Fest-Konzert statt.

Landkreis Gießen.

. o e i h g e >t e r n , 26. J"tt. Der tsteilge Kriegervereitt zawle un abgelallünen Vereinsjahr 109 aktive und 4 paffioc SDht* qlieoer. 58 Vereiusiniiglieder sieben im Felde. Gefallen sind ecbs, vernngt werden zwei imb ge'angen ist ein Kainerad. Das Giserne 51reuz wurde an sechs Atitglied.r, die L-ess. Taoserkeits- medaule an uini verliehen, beide Auszeichnungen erhielten zwei. ±ex herein verausgab^ an Unterstützungen 624 Mark und z.var 'nrs ^^e Kr'euz lOv Piark, an Fainiliennnterstützilugen und Liebes­gaben 524 vtark. Aus unserer Geineinde stehen 150 Mann im ^elbe. Von den Leuten im akiiven Diensie ivnrden vier mit Gifernen Grenzen, einer mit der Tapierkeitsmedaille ansgezeichnek. 8>n ganzen sind 19 gefallen, zivei an Typhus gestorben, zwei sind vermmt und drei besindeir sich in Gesangenichalt.

S t o ck h a u s e n , 2V. Jan. Der Krieg hat in unserem L^nen forschen das ziveite Opfer gefordert. Karl Kn ob, Sohn des Gast, und Landwirts Heinrich Knast rst am 13. Januar d. I., zwrichen vtiga und Dnnabnrg durch Knieschns; verivrmdel, arn Starr­krampf Im Feldlazarett gestorben.

Kreis Büdingen.

r i d d a, 26. Jan. Am letzteil Sonntag fand imGam-

bnnus erst vaterländrseher Abend statt, der sich eines recht guten Gesuches erfreute. Auch viele Verkviurrdete des hiesigen Lazarettes waren erschienen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen ver- chrcdene Dichtungen ernsten und heiteren Inhaltes, die von den Herren Finanzrat Kaufmann, Prof. Becker nnd Land­et t e l aus Alsfeld meisterhaft vorgetragen wurden. Reicher Bei- all wurde von den Anwesenden den Vortragenden gezollt

Stockhernr, 26. Jan. Jur Aiühlgrab.ir wurde 'gestern die Lerche eines auf dem Hofgut Leusradt bedieusteteu Stall­schweizers aufgesrmdeu. Der junge Mann ist jedeirfalls auf dein Heimwege in den Bach gestürzt und ertrrmken.

Kreis Alsfeld.

L. Brrrg-Geirründeir, 26. Jan. In verflossener Nacht brach hier m einer Nliihle F e n e r aus. rvelches in der Schlag- nruhle und im angrenzenden Sägewerk reichliche Nahrrmg fanb und schnell um sich griff. Dank deur raschen Einareüen der Ferier- wehr konnte das Feuer arä seinen Herd beschränkt werden. Ge­rettet ivllrden die Möbel, Hans- und Kücherrgeräte, Kleider, sämt­liches Vieh und die Mehlvorräle. Verbrannt sind viele Säcke mit Mahlfrucht. Tie Ursache des Brandes ist rmbekanrrt.

Kreis Lauterbach.

tt. Frischborn, 2H. Jan. Jur 70. Lebensjahre starb hier nach lairgerer Kränklichkeit mrser früherer lairgsühriger Ort-diener Johann Georg H a b e r irr e h l. Er rvar einer der rvenigen noch lebenden Krieger aris dem Jahre 1870.

Kreis Schotten.

qu. Ober-Lais, 26. Jan. Die Wanderbücherei des Krerses Sck-otten befindet sich zurzeit in unserer Gemeinde. Die Bücherausgabc erfolgt durch Lehrer M o h r. Daß gute Bücher von der Bevölkerung stets gern gelesen werden, beweist die fleißige Benutzung der Büchierei durch jung und alt.

qu. Aus deur südlichen Vogelsberg, 26. Jan Das reickflrck)e Rcgenwetter der letzten Wochen hat die Bäck>e unserer Täler derart bewässett daß in vielen Tälern große und tief« Seen entstanden sind. Viele meist gangbare Fußwege kömren iu- solgedessen nicht mehr benutzt werden.

Kreis Wetzlar.

F. C. Wetzlar, 24. Jan. Für Kriegszwecke wurden rn den Rechnungchalwen 1914 und 1915 insgesamt 966 008 Mark 22 Pfennig hier verausgabt. Rückerstattet wurden davon ins­gesamt 946 147 Mk. 24 Pfg. Der Beginn der Nagelung des Eisernen Brunnens wird in feierlicher Weise am 27. Januar mittag 12 Uhr, auf dem Domplatze erfolgen.

Hessen-Nassau.

[] Aus dem Kreise Marburg, 26. Jan. Jnr Burg- walde, in der Nähe des Wollenbergs, bemerkte der Förster Dreyling ans Warzenbach einen fremden Mann, der gerade im Begriff war, sich llmzuziehen. Er nahm den Verdächtigen, nachdem er fest­gestellt hatte, daß es sich um einen aus dem 6)esangenenlager in Gießen entwichenen Engländer handelte, fest. Der Flüchtling trug in einem Satt Zivilkleider nnd Eßwaren bei sich.

--- A ß m a n n s h a u s e n , 26. Jan. Das allen Rhein­wanderern bekannte Muttergottes-Heiligen Häuschen an der Lorcher Straße wurde in der Sonntagnacht von roher Hand zerstört. Die Riuttergottesslatue ist geraubt. Die Täter konnten noch nicht ernrittelt werden.

Frankfurt a. M., 26. Jan. 9ln der hiesigen Universität plant man die Errichtung eines Lehrstuhls für P ä d a g o g i k. lieber ore Besetzung der Profeffur schweben noch Verhandlungen.

7 ". Nntttritt Adolf Wagners. Nach ^jähriger Tätig­keit tntt Prosessor f)l d o l f Wagner mit Ablauf dieses Semesters von jeiiiein Lehramt an der Berliner Universität zurück. Er häl ain 26. Jan, lerne Abschiedsvorlesnng. (Frkf. Ztg.)

Gerichts-aal.

Berlin, 2b. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die .B. I a. M. ineldct aus Gnescn: Das Schwurgericht hat der Grundbeytzer Macijewski ans Ulrichstal bei Aiogilno zmr Tode nnd sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er am 23. Mär/ 1914 seme eigene Ehesrai, ermordet und die Leiche im Keller au! einen Holzhaiifen gelegt hat, den er dann arrzündete.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 26. Jan. S ch w e i n e in a r k t. Auf- getrieben ivaren 311 Schiveine. Es kosteten: Vollfleischige Schiveinc von 80 bis 100 Kiiogramm Lebcndgeivicht 108,0000,0, Mk. Schlachtgeiv. 00,00 D!k.; Vollfleischige Schiveine unter 80 Ka. Lebendgewicht 93,00-00,01 Mk., Schlachtgeiv. 00,00 Mk.; Voll- fleischige Schweine von 100 bis 120 Kg. Lebeiidgeivicht 118,00 ms

00.60 Mk., Schlachtgeiv. 00,00 Mk.; Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kg. Lebcndgeivicht 129,00-0o,00 Mk. Geschäft flott, ivird fast geräumt.

ic. Frankfurt a. M., 26. Jan. Frucht- und Futter-

in ' t t e l in a rtt. At,s dem Fruchlmarkt mehr Kauflust. Angebot knapp, die Nachfrage groß. Besonders sind die Futtermittel sehr gefragt, aber knapp. Biertreber 5>,50-60 Mk., Leinkuchen 77 bi- 78 Mk., Krastschrot 60-63 Mk. per 100 Kg.

fc._ Frankfurt a. M., 26. Jan.' K a r t o s s e l m a r k t.

Kartoffeln der Großhandelspreis in großer Ladung ab Versand­station 6,10 Mk. per 100 Kilogramnr.

Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 27. Jan. 1916: Wechselnd bewölkt, stellenweise leichte ^iiedcrschläge, etioas wärmer.

Letzte Nachrichten.

Amtlicher Teil.

Nr. W. M. 78/1. 16. K. R. A. |

Bekanntmachung,

betreffend Arbeitszeit in Lumpcn-Reißercien.

Auf Grund d-es § 9 Buchstabe b des Gesetzes über den Be- kagerungszuslllnd vom 4. Jimi 1851 (in Bayern auf Grund Ar­tikel 4 Ziffer 2 des Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. No­vember 1912) wird folgendes zur allgemeinen Kenntnis gebracht:

8 1. Tie Vevarbeitmio von wollenen, halbwollenen und baumwollenen Lumpen und wollenen, halbwollenen nnd baum­wollenen Gegenständen und Abfällen der Dextitwurenh-erstellung guf Reißmaschinen (Reißwölfen) ist, soweit nicht im Folgenden Ausnahmen bestimmt sind, verboten.

8 2. T«ie im 8 1 verbotene Verarbeitung barf insoweit er- Mgen, als das Reißen zur Herstellung von KUnstwollc bezw. Künstbaumwolle für militärische Zwecke, d. h. auf Anordnung öder mit Erlaubnis der K^iegs-Rohstoff-Abteilung des Köntzgl. Preußischen KviegsMinisteriums, des Königl. Preußischen Bellei- r>ungs-Beschaffungsam1es, der Königl. Preußisck-en Feldz^eug- meisterei, der Aktiengesellschaft zur Berwettung von Stostab­fällen oder der Kriegs-Wollbodarf-Aktiengesellschaft erfolgt. Der Nachweis des Heeresaufttags gilt nur als gefühtt, wenn der be­treffende Betrieb einen gültigen Ausweis einer der vorgeirannten ^stellen in Händen hat.

8. 3. Für andere Zwecke (Herstellung von Zivilausträgen) dür- stn die Reißmaschinen zur Vwarbeitung der im 8 1 angegebenen Lumpen, Gegenstände und Abfälle nur am Montag und Dienstag jeder Woche nnd zwar an jedem oieser Tage höchstens 10 Stunden m Bemeb gehalten werden»

Durazzo bedroht.

Kopenhagen, 26. Jan. Nach Pariser Meldungen hatte man dort Dura z z o nnd San 6-iovanni di Medua für schiver bedroht. Essad Pascha und seine Truppen seien in ver­zweifelter Lage. Hilfe könne nur von Italien kommen.

Zum Tode von Theotokis.

Berlin, 26. Jan. TieVossische Zeitnng" schreibt: In einer der ernstesten Krisen, die das Königreich Griechenland seit seinem Bestehen dnrchznmachen hat, hat ,hin der Tod einen seiner besten Vernier genommen. Emst Gast des Kaisers im Achilleion, einer der begütertsten Männer seines Vaterlandes, von Ansehen der Typus des nristokraliscyen Diplomaten, hat es Theotokis, dem einfachen Bnrgcrmciiler des Korsti der 70er Jahre an keiner menschlichen Ehrung gefehlt. Von Korfu in die Kammer entsandt, vertrat er seine Heimatstadt dlirch 40 Jahre bis zu seinem Tode. Minister unter Trlknpls, folgte er diesem in der Führung der groß-triku- pisti'cheu Partei. Später gründete er eme eigene Partei, die im Wechsel mit den Rhallislen lange Jahre hindurch in der Re­gierung oder in der Opposition ivar. Zum ersten Dtale übernahm Theotokis, nachdem er bereits die Marine und das Ausivärlige vertreten hatte, die Präsidentschaft 1899. In den Jahren 1905 bis 1909 war er zugleich sein eigener Kriegsminister. Als König Kon­stantin nach dem Ailentat von Saloniki den Thron bestieg, noti­fizierte Theotokis diese Tatsache den Höfen von Berlin, Paris, Rom und Bukarest. Trotz hohen Alters trat Theotokis noch im ver­gangenen Jahre dein Sammln,igskabinett Zaimis bei und über- nahm in dem noch amtierenden Kabinett Skuludis Kultus nnd Unterricht. Sein Sohn ist der Gesandte Griechenlands in Berlin

Italien und die Besetzung Skntaris.

Lugano, 20. Jan. Die Zeitungen bringen in Fettdruck dv Einnahme von S k n t a r i. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß dic italienischen Blätter noch niemals einen der offiziellen österre:ch>.schen Berichte von der österreichisch-italienischen Fron/ abgedrnttt haben.

Beschränkung der ausländischen Berkänse an Schweizer Börsen.

Z i'l r i ch, 26. Jan.^ Um einer lleberlastnng der Märkte vor- znbengen, bereilen die Schiveizer Börsen ein Abkommei, vor, wo­nach Auslandsverkäufe von Aktien werten zurück- gewiesen werden sollen, wenn sich die Wechselkurse einem gewissen Tiefstand genähert haben. Für Deutschland ist ein Wechiel- mmdestknrs von 90 festgesetzt. Eine Beschränkung der Verkälife von Obligationen ist nicht beabsichtigt.

Die Revolution in China.

i. Köln, 26. Jan. DerKöln. Ztg." znfvlge m^kbtt öle Nowoie Wremia" ans Peking, baß die Leiter ber unlängst ent­deckten Verschwörung gegen das Leben Yuanschi- kais in bem Sekrttär nnd dem Oberkammerbiener des Präsi­denten gefunden sind, die über 20 Jahre bei Yuanschikai in Dienst stauben. Auch ein Verwandter Prumschikais ist an ber Verschwö­rung beteiligt. Die Behörden gingen mit größter Sttenge gegen die Verschwörer vor. Eine große Anzahl von Hinrichtungen ist zu erwarten. In Kanton warfen Revolutionäre gegen die elektrische Station Bomben, um dann in ber allgemeinen Ver­wirrung die Macht an sich zu reißen. Der Anschlag mißlang. Die ausländischen Missionen verlassen Siltschan am oberen Pangtse. Es erfolgten mehrere Zusammen st öße zwischen den R e g i e r u n g s t r n p p e n nnd den Revolutionären, die mit einem Eifolge der letzteren endeten. Die telegraphische Ver­bindung zwischen Peking und der Provinz Szetschnan ist von den Revolutionären unterbrochen worden. Wie Gerüchte besagen, ist es den revolutionären Truppen in Szetschnan gelungen, sich mit den Revolutionären in Juan zu vereinigen. Die Provinzbehörden verlangen andauernd von der Pekinger Regierung Verstärkungen.

8 4. Das Arbeiten mit Reißmaschinen, welche bis znm In­krafttreten dieser Bekanntmachung nicht im Betrieb waren, ist außer für militärische Zwecke (siehe 8 2) verboten.

Frankfurt (Main), den 18. Januar 1916.

Stellv. Generalkommando des 18. Armeekorps.

Nr. W. M. 72/1. 16. K. R. A.

Bekanntmachung,

betteffend

mit Kraft angetriebene Maschinen für Konfektionsarbeit.

Auf Grmrd des 8 L Buchstabe b des Gesetzes über den Be­lagerungszustand vom 4. Juni 1851 (in Bayern auf Grund Art. 4 Ziff. 2 des Gesetzes über den Kriegszustand vvni 5. Novenrber 1912) wird folgendes zur allgemeinen Kenntnis gebracht:

1. Das Zuschneiden von Web- und Wirkivaren mittels mecha­nisch angetriebener Zu s chnttde ma sch inen wird hiernstt verboten.

2. Ju allen Bttrieben, in denen mit Kraft angettiebene Näh-, Knopfloch- und andere derarttae Maschinen für die Konfektwnie- rimg von Web- und Wirkwaren verwendet iverden, darf init diesen Maschinen nur noch während 30 Stunden in jeder Woche gear­beitet werden.

3. Das Vergeben von Konfektionsarbeit zum Zwecke der Her­stellung von Erzeugniflen aus Web- und Wirkwaren zu niedrigeren Lohnsätzen als den int Monat Dezember 1915 ortsüblichen ist verboten.

Wenn die an Maschinen, wie unter Ziffer 2 beschrieben, be- schläftigten Arbeiter bisher im Tage- oder Wochenlohn bezahlt wurden, so darf nach dem in Krafttreten dieser Bekanntmachung der zu zahlende Lohn für eine Wock'ie für jeden Arbeiter nicht niedriger sein, als der bisher ortsübliche.

Soweit im Stücklohn hergestellte Gegenstände infolge der Ver­hole 1 und 2 auf andere Weise konfektioniert weichen müssen als

bisher, ist der Arbeitnehnrer für den entstandenen Mehraufwand von Zeit von dem Arbeitgeber am Lohn zu entsch'ädigen.

In Streitfällen soll ein Gutachlten von der örtlich zuständigen Handwerkskammer eingeholt werden.

Ein besonderer Unternehmergeivnm darf aus einer derartigen Lohnerhöhung beim Verkauf der hergestellten Waren nicht l>ec- geleitet werden, d. h. der Verkaufspreis darf höchstens um den wirklichen Betrag des Mehrlohnes erhöht werden.

4. Werkstätten im eigenen Bettiebe der Militär- und Marine- Verwaltung sind von diesen Maßnahmen nicht betroffen.

5. Unmittelbare Heeres- oder Märinelieferanten, bei denen durch die Verbote 1 und 2 die Erfüllung der Lieferzeit in Frage gestellt wird, haben sich an die auftragerteilende Stelle mit dem Ecsucksen um Verlängerung der Lieferfrist zu wenden. Die an- vrdnende Behörde^ wird auf besonderes Ansnch,en der auftrager­teilenden Stellen in den Fällen, in denen eine Verlängerung der Lieferfrist im Hveresinteresse nicht bewilligt werden kann, eine Befreiung von den Verboten 1 und 2 für die Erledigung bereits laufender Aufträge gewähren.

Auch die beschaffenden Stellen des Heeres und der Marine dürfen neue Aufttäge nur noch unter Berüch'ichtigung der Anord« nuugen dieser Bekanntmackmng erteilen.

6. Jrgcird welchen Gesuchen um Besteiung aus anderen Grün­den als den in Ziffer 5 genannten, kann nicht stattgegechen werden.

7. Tie Bekanntmachung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft.

8. Abdrucke vorstehender Bekanntmachuug (beinr Webstvffniekde- amt der Kviegs-Rohstoff-Abteilung des Königlich Preußischen Kttegsministeriums, Berlin SW 48, Verlängerte Hedeinannstraße 11. erhältlich) sind in den Räumen der in Betracht kommenden Betriebe wrd Firmen anzuschlagen.

Frankfurt (Main), den 18. Januar 1916.

Stellv. Generalkommando des 18. Armeekorps