Nr. 21
Der tffcQfltcr Rnzekge, erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal mÖcbentltcf) Siehener^amilündliitter; Zweimal wochentl.Uteis- vlatt für Öen Kveis Glehen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitsrallen Fernjprech - Anschliisse: für die Schriitleitnng l I2 Verlag,Gcschäitsstcl!c51 Adresse ß"ir DraINnach- richten: Anzeiger Kirßcn. Annahme von Anzeigen kür dte Tagesnnmrner bis zum Abend vorher.
Blatt ( 66 . Jahrgang
Mittwoch. 26 . Januar Mb
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Reue türkische biege in Messpsiamien.
Die beginnende amerikanisch-englische Auseinandersetzung.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 25.Januar. (Amtlich.)
W e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
In Flandern nahm unsere Artillerie die feindlichen Stellungen unter kräftiges Feuer. Patrouillen, die an einzelnen Stellen in die stark zerschossenen Gräben des Gegners eindrangen, stellten große Verluste bei ihm fest, machten einige Gefangene und erbeuteten vier Mmenwcrfer. Der Templer-Turm und die Kathedrale v o n N i e u p o r t, die dem Feinde gute Beobachtungsstellen boten, wurden umgelegt.
Oestlich von Neuville griffen unsere Truppen im Anschluß an erfolgreiche Minensprengungen Teile der vordersten französischen Gräben an, erbeuteten drei Maschinengewehre und machten über hundert Gefangene. Mehrfach angesetzte feindliche Gegenangriffe gegen die genommenen Stellungen kamen über klägliche Anfänge nicht hinaus; nur einzelne beherzte Leute verließen ihren Graben. Sie wurden nickergeschossen.
Deutsche Flugzeug-Geschwader griffen die militärischen Anlagen von Nancy und den dortigen Flughafen. sowie die Fabriken von Baccarat an. — Ein französischer Doppeldecker fiel bei St. Benoit (nordwestlich von Thiaucourt) mit seinen Insassen unversehrt in unsere Hand.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
RufsischeVorstöße wurden an verschiedenen Stelle« leicht abgewiesen.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Während in Mesopotamien neue Versuche der Engländer. Kut el Amara zu entsetzen und womöglich gegen Bagdad vorzudringen, nach dem neuesten türkischen Kriegsbericht unter furchtbaren Verlusten gescheitert sind, hat der neue Militärstaat England zu neuen Schlägen ausgeholt. Nicht auf den Schlachtfeldern. John Bull legt seine schwerste Rüstung an: das Unterhaus hat gestern in dritter Lesung das Militärdienstpflichtgesetz angenommen, und zugleich beginnt man, die neu geplante Blockade gegen Deutschland zu organisieren. Das sind Maßnahmen, die vorläufig noch auf Buchstaben ruben, und es werden noch manche Federn in die Tinte getaucht werden, und der Tigris wird noch manchen gegen den Strom schwimmenden Engländer sortreißen, bis die neuen Pläne verwirklicht werden können. Amerika hat, nach einer neuesten Meldung, bereits eine Protestnote in London überreichen lassen, und das Reuter-Bureau versetzt die Leser nur in Heiterkeit, wenn es berichtigt, es handele sich nicht um einen Protest, sondern nur um eine „Vorstellung", denn Amerika werde erklären, daß es eine Beeinträchtigung seines Handels, die ihm durch die neue Blockade drohe, nicht dulden könne. Alle Anzeichen. deuten aber daraus hin, daß Englands Willkür in den Reihen der neutralen Staaten zunehmender Erbitterung und bedrohlichem Widerstand begegnen wird. Es ist immerhin schon ein Erfolg, wenn die englischen Lügen nicht mehr siegreich die Welt beherrschen, für das übrige werden die Waffen der Zentralmächte sorgen. In Holland kaufen englische Kaufleute die Lebensmittel auf, um Deutschland auszuhungern; wir vermuten, daß die Regierung im Haag diesem unverschämten Treiben, das ja die Teuerung in den Niederlanden steigert, nicht lange mit verschränkten Armen zusehen wird. In Schweden hat der dortige Ministerpräsident vor versammeltem Reichstag schön eine zielbewnßte Sprache geführt, und wenn eines Tages aus den Sckstachsieldern die englischen Niederlagen vollendet werden, so wird über das stolze Jnselland auch die Vergeltung der mißhandelten neutralen Staaten vommen.
Der Minister Lloyd George, der sich seit einigen Monaten außerordentlich militärisch gebärdet, hat wieder eine der beliebten englischen Prophetenrollen gespielt. Deutschland werde bald Englands ganzes Gewicht zu spüren bekommen. Er kündigte nrcht nur die „bestausgerüstete Arnvee der Welt"' an, sondern auch ein ,Irenes industrielles England". Automatische Maschrnen würden das Wirtschaftsleben verbessern und ein Heer von Industriearbeitern warte darauf, um die Verwüstungen des Krreges wieder gutzumachen. Das klingt wie ein phantastischer Zukunftsroman: um die englische Selbstsicherheit
aber ist es rn Wahrheit schlecht bestellt. Ernsthafte Politiker haben eine sehr bedrohliche Verarmung in Großbritannien befürchtet, und der englische Schatzsekretär vergießt heimliche Tränen über das für die Waffenschmiede und die bettelnden Bundesgenossen abfließende Kapitalvermögen. Noch in den letzten Tagen stellte der „Economist" auffallende trübsinnige Betrachtungen über die Lage (ttt. Er vertraut der Zusammensetzung des Kabinetts nicht
und erklärt u. a., Lloyd George werde nach seinen Fehlschlägen in Südwales und am Clyde, sowie angesichts der Haltung des Kongresses der Gewerkvereine, der Bergarbeiter und der Eisenbahnarbeiter eher als eine Ursache der Schwäche denn als eine Ursache der Starke für eine Regierung erscheinen, die versuchen müsse, die Arbeiter auf ihrer Seite zu haben. Sir Edward Grey und Asguith beriefen sich noch immer, wenn über die Kriegsziele befragt, auf Erklärungen von November 1914 und Februar 1915. Inzwischen aber habe das kindlicheVertrauenaufgehört, und der Wortlaut alter Reden gelte nicht mehr als maßgebliches Gesetz, der Kniff mit dem Vertrauen sei zu oft angewandt worden. Der „Economist" schreibt wörtlich:
Glorreiche Enttäuschungen werden nicht mehr dem bösen Zufall oder der Trunkenheit der Arbeiter oder auch der Bosheit einer nicht genügend zensurierten Presse zugeschrieben. Schöne Phrasen über den „letzten Mann und den letzten Pfennig" oder fein gesponnene Formeln zur Verhüllung von Uneinigkeit im Kabinett ziehen nicht mehr. Die Politik, die auf die Zerschmetterung und Zerstückelung Deutschlands und Oesterreichs, hinanslief und als das letzte Wort des liberalen Imperialismus erschien, hat das natürliche Ergebnis gehabt, daß die Völker, mit denen wir im Kriege liegen, einiger geworden sind und es sich auch vom militärischen wie diplomatischen Standpunkt aus schwieriger gestaltet, die von uns verfolgten wesentlichen Zwecke zu erreichen, namentlich die Freiheit Belgiens, die Sick)erheit Frankreichs und eine vernünftige Lösung der türkischen und der Balkanfragen... Hat doch auch das leitende Blatt von Lancashire, der Manchester Guardian, vor einigen Tagen, bei einer Erläuterung der „ewigen Kompvomiffe" in dem Kartell-Kabinett erttärt: „In dieser Hinsicht sündigt das Kartell-Kabinett am meisten; es ist an sich schon ein Kompromiß, während eine richtige Leitung der Reichsgeschäfte eine verantwortliche und mithin vernünftige, wenn möglich auch starke Opposition erfordert." Das Schicksal Montenegros ist die Folge unserer diplomatischen Fehler am Balkan; es schließt sich an die Ereignisse an, die mit dchn Beitritt der Türken, dcrnn Bulgariens auf die Seite Deutschlands und Oesterreichs begannen.
Vielleicht wird auch dem amtlichen England, das jetzt so vielerlei bedeutungsvolle Wagnisse unternehmen will, bald einmal „vor seiner Gottähnlichkeit bange". Zunächst wird man gespannt: darauf sein, ob die Ruhebank in Saloniki noch lange das aus ihr sitzende Gewicht vertragen wird.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 25. Januar 1916.
RussischerKriegsschauplatz.
Gestern standen wieder verschiedene Teile unserer Nord- ostfront unter russischem Geschützfeuer. An vielen Stellen war die Aufklärungstätigkeit des Feindes sehr lebhaft.
Italienisch erKriegsschau platz.
An der Tiroler Front beschoß die feindliche Ar
tillerie die Ortschaften Creto (Judicarien) und Caldo- nazzo (Suganer-Tal).
Am Görzcr Brückenkopf sind bei Oslavija wieder Kämpfe im Gange. Gestern abend war die Tätigkeit der italienischen Artillerie an der küstenländischen Front sichtlich lebhafter.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Entwaffnung des montenegrinischen Heeres geht nach wie vor g l a t t v o n st a t t e n. Ueberall, wo unsere Bataillone hinkommen, liefern die montenegrinischen Bataillone unter dem Kommando ihrer Offiziere ohne Zögern ihre Waffen ab. Zahlreiche Abteilungen aus Gegenden, die noch nicht von uns besetzt sind, haben bei unseren Vorposten ihre Bereitwilligkeit zur Wäffenstreckung angemeldet.
In Skutari erbeuteten wir zwölf Geschütze, fünfhundert Gewehre und zwei Maschinengewehre.
Alle aus feindlichem Lager stammenden Nachrichten über neue Kämpfe in Montenegro sind frei erfunden. Daß der König sein Land und sein Heer verlassen hat, bestätigt sich. In wessen Händen derzeit die tatsächliche Regierungsgewalt liegt, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit feststellen, ist aber für das militärische Ergebnis des montenegrinischen Feldzugs völlig bedeutungslos.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
Eine amerikanische Protestnote gegen England.
Washington, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Von dent Vertreter des WTB. Die Bereinigten Staaten haben der englischen Regierung durch den amerikanischen Botschafter in London eine .Note überreichen lassen, in der Amerika Einspruch erhebt gegen jede Art der Anivendung des Gesetzes, betreffend den Handel mit dem Feinde, nwdurch der amerikanische Handel betroffen werden könnte.
Washington, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus; Die Note der amerikanischen Regierung an Großbritannien, betreffend das Gesetz über den Handel mit dem Feinde, ist durchaus kein Protest, sondern nur eine Vorstellung gegen die Amvendnng des Gesetzes, das, wie die Regierung der Vereinigten Staaten glaubt, das amerikanische Geschäftsleben stören könnt?. Es wird in dieser Vorstellung gesagt werden, daß die Regierung das Gesetz für ungerecht hält und Ersatz für jeden Schaden verlangen wird, den der amerikanische Handel dadurch erleidet. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die Beziehungen des amerikanischen und deutschen Kapitals zu den amerikanisck>en Industrien derartig sürd, daß es unmöglich wäre, Deutschland mit Erfolg einen Schlag zu der-


