Ausgabe 
20.1.1916 Erstes Blatt
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jdes hiesigen Ge fangen-enkvgiers gedeckt.

Der Kommun alverbmid wurde weiter stark in Anspruch genommen der der Durchführung der einzelnen Verordnun­gen über die Beschlagnahme und^ Wlieferung von Kupfer, Messing und Reinnüvel, bei der Regelung und Beaufsichti­gung des Verkehrs mit Gerste, Hafer, Saatgut und Saat- getrerde sowre nnt Petroleum. Gin Eingehen auf Einzel­heiten hierbei würde an dieser Stelle zu lucit führen. Es darf aber wohl gesagt werden, daß die Arbeit des Kommu­nal der bau ds bei der Durchführung der einzelnen gesetzlichen Bestrinmungen auf diesen, zum Teil schwieviaeu Wegen der Nerchskriegsfürforge oft mühevoll war.

Dannt hat sich die Tätigkeit des Kommunalderbands im Dienste des Vaterlandes und besonders der Bevölkerung des Kreises noch nicht erschöpft. Er brachte u. a. in den Kreis: *

16000 Pfund! Bütter im Werte Von 32 000 Mk.

210000 Eier im Werte von 37 000

10000 Pfund Erbsen und Bohnen im Werte vdn 4 800 65 000 Pfunde Reis im Werte von 28 000

60 000 Pfund Nudeln im Werte von 36 000

13 000 Pfund Graupen im Werte von 4 800

40 000 Pfund Seife im Werte von 30 400

Diese Waren wurden zum Teil nur der minderbe­mittelten Bevölkerung überlassen. Wenn zu jeder Zeit B. Butter und Eier in der Stadt Gießen zu musen waren, o darf der Komrnururlverband das Verdienst an der recht-

S ' igen Warenbestellung für sich in Anspruch nehmen, eben- mran, daß die Eier- un!d Butterzufuhren auf die Bildung Marktpreises dieser Lebensmittel in verbilligernder Meise ein ge wir kt haben.

Auch im Kreise Gießen sind selbstverständlich!, wie sonst überall in Europa, die Lebellsmitteipreise im Kviege etwas ge­stiegen. Die englische 5)andelsblockabc ist aber ein zweischnei­diges Schwert. Gebrauchte sie England noch einmal als Waffe, wenn es seine großen Verluste an wertvollen Han­delsschiffen und die Verteuerung der Preise für Lebensmittel im eigenen Laude vovausgesehen haben würde? Wird Eng­land bald einsehen, daß es, wenn wir nur sparsam pi i r t s cha f t e n, mit der Aushungerung Deutschlands »nichts ist? Wir reichen aus. Hierzu wird aber jedenfalls auch »unser Kommunalverbaud das Seine beitragen. Ein Bild feiner Tätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiete wird am besten Durch die zahlenmäßige Feststellung 'gewonnen, daß« der «Gesamtbetrag der von der Mehlverteilungsstelle des sKommunalverbandes um gesetzten Waren, unter Aus­schluß von Gerste, Hafer und Saatgetreide, die stattliche sSumme von 4 300 000 Mark erreicht hat.

Kommunalverband Gießen.

* Amtliche Personal Nachrichten. In den Ruhe­stand wurde versetzt am 12. Januar die Lehrerin an der Volks­schule zu Mainz Elise Beck auf ihr Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit vorn 1. Februar 1916 au. Der G ros; Herzog hat am 19. Januar den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Amtsgertchlsrat Errrst Crarn er, zurzeit im Feld, zum Land- gerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen ernannt.

** Blindenvereine und ihre Notwendigkeit. Ein Kriegsblinder schreibt uns: Allen von Geburt und auch später Erblindeten ist durch die Blindenanstalten die Möglichkeit zur Erlernung eines Handwerks oder zur handwerklichen Betä­tigung geboten. Nach vollendeter Schul- oder Lehrzeit sehnen sich die Blinden, wie jeder andere Handwerksmann, nach einer Existenz, der sie ihre volle Kraft wie jeder andere widmen können. Freilich ist dieses nicht allen möglich, und manche geben das in den Anstalten erlernte Handwerk zum Teil oder völlig auf, um mit Musik oder Almosensammeln ihr Dasein zu fristen. Um den so ihrem Schicksal überlassenen Blinden die Vervollkommnung ihres früher erlernten Berufes zu ermöglichen, sind in vielen Gauen des Deutschen Reiches die Blinden unter Mithilfe von dafür Interessierten sehenden Mitgliedern zu Vereinen zusam- mengetreten, deren Bestreben dahin geht, eine Werkstatt zu schaf­fen, in der alle Handwerke betrieben werden und den fern der Werkstatt wohnenden durch Zusendung von Rohmaterialien die Ausführung ihres Berufes ermöglicht wird. Ein solcher Verein besteht auch in unserem Hessenland, und zwar in Darmstadt und Umgebung. In Oberhessen ist noch eine solche Vereinigung erwünscht. Alle Minden, die ihm beitreten wollen, mögen sich an den Kriegsblinden Konrad Biedenkopf V-, Weickarts­hain, wenden.

* Stadttheater. Aus dem Stadttheater-Bureau wird «ns geschrieben: Nochmals fei nachdrücklich auf das morgige Gesamtbenefiz der darstellenden Mitglieder unserer Bühne hin­gewiesen, das in SudermannsE h r e" ein Werk mit dankbaren Rollen bringt. Das Werk ist seit einer Reihe von Jahren hier licht mehr gegeben worden.

** Der Verein der Gastwirte von Gießen und Umgegend macht bekannt, daß, nachdem die Brauereien den Preis für das Bier wiederum erhöht haben, die Wirte genöttgt sind, die Ausschankpreise ebenfalls zu erhöhen.

** Beftandserhebung von Trogen. Eine neu er­schienene Bekanntmachung ordnet die Bestandserhebirng von Dro­gen und Erzeugnissen aus Drogen an. Hiernach ist der am 20. Januar vorhandene Bestand einer großen Anzahl im einzelnen aufgeführter Trogen bis zum 30. Januar 1916 an die Medizinal-Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums in Berlin zu melden. Von allen von der Bekanntmachung betroffe­nen Trogen und Erzeugnissen aus Drogen sind besttmmte Min­destmengen meldeftei gelassen, so daß die Bekanntmachung insbesondere für Privatpersonen oder kleinere Betriebe kaum in Betracht kommen dürfte. Feder. Melde pflichtige wird ausserdem angehalten, ein Lagerbuch zu führen, aus dem jede Aenderung der gemeldeten Vorratsmengen und ihre Verwendung zu ersehen ist. Der Wortlaut der Bekanntmachung, die eine Aufzählung der melde pflichtigen Drogen und der meldefreien Mindestmengen ent­hält, ist in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers veröffent­licht und am hiesigen Rathaus angeschlagen.

Landkreis Gießen.

e. Climbach, 20. Jan. Dem Unterzahlmeister Wilhelm Leyerer wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille und das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.

Starkenburg und Rheinhessen.

e. Darm st a dt, 20. Jan. Der Mittelrheinische Fa- brikanten-Verein nahm in seiner Hauptversamm­lung am 19. ds. Mts. in Darmstadt die nachstehenden Erklä­rungen an. 1. Der Mittelrheinische Fabrikantcn-Verein stellt nach Verlauf eines weiteren Kric^sjahres fest, daß die in seiner Erklä­rung vom 7. Januar 1915 ausgesprochene Erwartung, daß die deutsche Volkswirtschaft auch eine längere Dauer des Krieges gut überstehen werde, sich vollkommen erfüllt hat. Mit voller Zuversicht kann daher in das neue Kriegsjahr emgetreten und der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß eine Niederem gung Deutschlands ünd seiner Verbündeten auf wirtschaftlichem Gebiete ausgeschlossen erscheint. 2. Der Verein begrüßt mit Freuden die Bestrebungen, die auf eine engere Verbindung Deutschlands mit seinen Verblin­delen, insbesondere Oesterreich-Ungarn, auf politischem, militäri­schem und wirtschaftlichem Gebiete gerichtet sind. Er verspricht sich von einer solchen Annäherung eine erweiterte Mackügeltuna nach dem Kriege und eine gegenseitige Belebung ihrer Volkswirtschaften. Der Verein würde es begrüßen, wenn die beteiligten Negierungen der Lösung der Frage recht bald näher treten wlirden, und erwar­tet von der deutschen Reichsregierung hierbei eine ausgiebige Heranziehung von Verttetern der beteiligten Erwerbsstände. 3. Der Verein schließt sich der Erklärung des Kriegsausschusses der deut-

^u.)en ixu.u 14. iolo, betreuen») cüe FestiwUu.il g

der deutschen Auslandssorderungcic, in vollem Ümfange ian. Die W- ficht der Reichsregrerung, den Eingang der Forderungerl durch WleLerlierstclluug der früheren Rechtsbehclse zir sichern, muß im Hinblick auf die UmstÄrdlichkeit, Kostspieligkeit und Uirsicherheit des ausländischen Gerichtsverfahvens als ganz unzulänglich be- zelckmet werden. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten, und Neuwahl des Vor st arides hielt Pvost^sor Dr. Wo eh! er von der Deckmischen Hochschule Darmstadt leinen hochinteressanten Vor- ttag über:Die Explosivstoff-Chemie im Kriege",

Kreis Wetzlar.

ra. Dutenhofen, 20. Jan. Friedrich Weller, ttntcr- offizler von der Unteroifizieischule Wetzlar, zuletzt Garde-Reserve- Regiment Nr. 5, starb infolge schwerer Verwundung a,n 9. Januar ln einem Feldlazarett.

^ Hessen-Nassau.

~u ^n n f f u r t a. M. , 20. Jan. Dem Postsekretär Brecht J u '. Wurzburg, der aus dem Unnvege über Frankfurt gefälschte Lostanwelsuugen mit erheblichen Beträgen an sich unter einer Deck­adresse nach Nürnberg schicken ließ, sind bis jetzt Fälschungen von etwa 1 2000 Alk. nachgewiesen ivorden. Drei Post­beamtinnen,die er durch lügenhafte Angaben an sich zu fesseln ivußle, wurden ihrer Stellungen enthoben.

Die Ursache des Sranües von bergen.

B«r l i,i, IS. Jan. (933. T. 93. Nicht-, mtllch.) Di- .93. Z. a. Ai." meldet ans Borgen: Nach den amtlichen Brandberichten ver­ursachte die U n a ch t s a m keit zweier Arbeiter den Brand. Die Arbeiter kamen in einem Brückenfpcicher mit dem Licht einem -Harzballon zu nahe, der sofort in Flammen geriet. Dadurch ent­stand eine so große Hitze, daß die Leute außerstande waren, den Brand zu löschen.

vermischtes.

* Zeitungspapier a u s Stroh. Die große Ent Wicklung des Zeitungswesens in den Bereinigten Staaten von Amerika bildet eine dringende und fortgesetzte Geiahr für die Wald bestände des Landes, da eine Zeitung mit 20 Seiten bei einer Auf läge von 100 000 Exemvlaren täglich etwa 2'/, Hektar Wald ver­braucht; bei größeren Zeitungen kann der jährliche Waldverbranch aus etwa 4000 Hektar beziffert werden. Zur Schonung der Wald bestände ist man nun bestrebt, das Zeitungspapier ans anderen Stoffen herzustellen. So hat, ivie der bei Otto Spanier in Leipzig erscheinendePrometheus" berichtet, die staatliche Papiermühle voii Wansnu im Staate Wisconsin solches Papier aus Stroh hergestellt, .das seit einiger Zeit von einer größeren Zeitung täglich verwendet wird. In den Bereinigten Staaten bringt jede Ernte etwa 150 Millionen Tonnen Maisstroh. Da man ans chemischem Wege die für das Vieh brauchbaren Stoffe des Strohes nicht nnsziehen kann, könnte der größte Teil zur Herstellung voii Zeitungspapier verwendet werden. Außerdem stehen jährlich 2 Millionen Tonnen Reisstroh und 10 Millionen Tonnen Baumwollstengel zur Ver­fügung. Daß sich Reisstroh vorzüglich zur Papierhsrftellung eignet beweisen China und Japan. Baumwollstengel liefern allerdings ein weniger gutes Papier, aber deren Zellulose könnte ja init den Reisfasern vermischt und auf diese Weise könnte ein großer Teil des Zeitungspüpieres ans Stroh hergestellt werden, während das bessere Papier immer noch den Büchern und Zeitschriften Vor­behalten bleiben könnte. Die Frage der Erhaltung der Wald bestände ist eine so ivichtige, daß ihre Schonung durch anderweitig Herstellung des Zeituugspapieres in hohem Grade als wünschen- wert zu bezeichnen ist.

* Rußlands reichster Mann. In Lausanne ist der Russe S. M. Gvlitzin gestorben. Der Dahmg-egaiigene, dar für Rußlands reichsten Mann galt, hinterläßt ein Vermögen von über 200 Millionen Rubel in französischen und englischen Bankobliga ticmen und in soliden Eisenbahnpapreren. Außerdem war er Eigen tümer des großen Besitzes Kusminska in unmittelbarer Nähe von Moskau, wo auch seine bedeutende Gemäldesammlung Platz gefimden hat, die auf einen Wert von beiläufig 8 Millionen Rubel geschätzt tvird. Ueberdies besaß Gvlitzin noch eine ganze Anzahl anderer Güter in verschiedenen Teilen Rußlands. Gvlitzin war viermal verheiratet und geriet bei seinen verschiedenen Schüdungen wiederholt in Schwierigkeiten mit dem! heiligen Synod, welches den Versuch machte, seine letzte Ehe für ungültig zu erklären. Doch trat damals der Zar dazwischen und das Synod mußte sich den Wünschen des Millionärs fügen. In erster Ehe heiratete Gvlitzin sein Stubenmädchen, zuletzt war er mit einer Prinzessin Kugutschew verheiratet, die ihn überlebt. Im ganzen hatte er mit seinen vier Frauen drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter, die sämtlich aus der ersten Ehe stammen. Es war sein Wunsch, seinen Sohn zu enterben, da der junge Herr im Laufe der letzteir zwei Jahre? etwa 8 Millionen Schulden gemacht hatte, allein der Kaiser Nikolaus widersetzte sich« diesem Wunsche. Im Privatleben war Golitzin ein Mann, der ans Leben sehr bescheidene Forderungen stellte: er lebte sparsam und wirrde sogar oft des Geizes beschul­digt, obwohl er im Laufe der letzten 15 Jahre über 100 Millionen Rubel zu Wohltäligkeitszwecken gespendet hat. Daß er bis zu seinem Tode den Ruf des reichsten Mannes von ganz Rußland behaupten konnte, obgleich! sein Vermögen 200 Millionen Rubel, wie bemerkt, nicht wesentlich überstieg, ist ein Beweis dafür, daß Rußland große Vermögen in dem Stile z. B. der Vereinigten Staaten nickst kennt In Amerika hat schon Cornelius Vanderbilt seinerzeit etwa 1600 Millionen Mark hinterlassen, und die Ver­mögen der neueren amerikanischen Multimillionäre sollen ja noch viel bedeutender sein.

* Die längste Luftseilbahn der Welt. Eine Luft seilbahnverbindung. die in einer Länge von 120 Km die Ebene des Bundjab mit dem sonst für Bahnbauten unzugänglichen Bergland von Kaschmir verbinden soll, ist nach einer Mitteilung der Geo- gravhischen Zeitschrift gegenwärtig im Bau. Die bisher längste Luttseilbahn war nur 3b km lang und befand sich in Argentinien. Kaschmir ist mit der Außenwelt bis jetzt nur durch eine Fahrstraße verbunden, die von Rawalgindi nach Srinagar führt und unter den größten Schlvierigteiten und mit vielen Menschenopfern erbaut wurde. Die Unterhaltungskosten für diese Straße betrugen im Jahre kür den Kilometer 1300 Mk. Die Herstellungskosten für die neue Drahtseilbahn werden 6 300 000 Mk. betragen. Der Betrieb soll mittels Elektrizität erfolgen, die durch Wasserkraft in einer Station bei Rampore erzeugt wird. Die Stützen, über welche die Trag- und Zugseile geführt werden und von denen einzelne 30 m hoch sind, bestehen aus eisernen Pfeilern oder Gittermasten; sie sollen in einer durchschnittlichen Entfernung von 730 m von ein­ander aufgestellt werden. Man hofft, Güter künftig in 15 Stunden, anstatt wie bisher in 15 Tagen, von Rawalgindi nach Srinagar befördern zu können.

* Der Prozeß wegen eines Bindestriches. Eine köstliche Prozeßidytle wird sich dieser Tage in der Schweiz ab- spielen. Ein Tierarzt sucht nämlich bei den zuständigen Gerichten seine Ehre wieder instandzusetzen, nachdem sie durch einen Bauer beschädigt worden, was auf folgende Weise geschah. Der Bauer kaufte ein Pferd und ließ es vor Abschluß des Handels, ivie das in solchen Fällen üblich ist, durch einen Tierarzt ans seinen Gesund­heitszustand untersuchen. Der Kauf wurde, gestützt auf die zu­stimmende Aussage des Veterinärs, abgeschlossen; aber dad Pferd erwies sich nicht als so kräftig, ivie es der Käufer hätte erwarten dürfen. Seinem Zorn machte der Bauer in einem Brief an den Tierarzt Luft, den er auch anderen Bauern des Dorfes zeigte, und in dem er schrieb, ihm scheine es, der Tierarzt sei mehr Rindvieh als Pferdearzt. Daraufhin verklagte der Veterinär den Bauer wegen Beleidigung. Der Bauer jedoch, der selbst etliche bürger­liche Ehrenämter bekleidet, rechtfertigt sich mit der Behauptung, er habe nur vergessen, den Bindestrich anzubringen, indem er hatte sagen wollen, der Veterinär scheine ihm mehr Rindvieh- als ein Pferdearzt zu sein. Der Veterinär gibt sich aber damit nicht zu­frieden, und so werden sich die Gerichte in dieser wafsenkltrrenden Zeit mit einem Prozesse um eine- vergessenen Bindestriches willen zu beschäftigen haben.

" . .ü?

Israelitische Rcligiorisgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).

Samstag, den 22. Januar 1916: Vorabend: 5.00 Uhr.

Morgens: 0.00 Uhr.

Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers.

Nachmittags: 3.30 Uhr.

Sabbatausgang: 5.55 Uhr.

6 :

Israelitische Religionsgesellschaft.

Gottesdienst.

Sabbatfeier am 22. Januar 19 Freitag abend 4.40 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers.

Samstag nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbatansgang 5*55 Uhr.

Wochengottesdienst morgens 7.00, abends 4.30 Uhr.

Monat!. Uevrrsicht der Todesfälle in der Stadt Sietzen.

Monat Dezember 1015.

Einwohnerzahl: angenommen zu 32 9)0 (intl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 28,5 °/ 0 ,.

Nach Abzug von 34 Ortsfremden: 10,5 °/ 0 o-

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 21. Januar 1916: Trüb und regneujch, keine Temperaturänderung.

ES starben an

Zus.

Er­

wachsene

Kinder

LebenS- vom 2 bi» iabr >&. ftabr

Angeborener Lebensschiväche 3 ( 2 )

3(2)

_

Altersschwäche

7 (2)

7 (2)

__

Folgen der Geburt

1 (0

1 (1)

__

Diphtherie

4(4)

4 (4\

Rose

1

1

Wundkrankheiten

1

1

Tuberkulose

4 (3)

3(2)

1 (1)

Lungenentzündung Kranklieiten der AtmungS-

8(3)

8(3)

organe

2

1

1

Krauktzeiten des Herzeus

7(8)

7(3)

Gchirujchlag anderen Krankheiten des

2 (1)

2(1)

Nervensystems

anderen Krankheiten der Ver-

9(8)

1

dauungsorgane

3(2)

3(2)

_

Blinddarmentzündung

1 (!)

1 0)

;

Krankheiten der Harnorgane

2(1)

2(1)

Krebs

2(1)

2(1)

_

Verunglückung

1

!

anderen Todesursachen

5(2)

3 (1)

2(1)

Summa: 63 (34) 42 (18) 6 (3) 6(6)

A n nt.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Letzte Nachrichten.

Ein englisches U-Boot gestrandet.

i. ln, 20. Jan. DieKölnische Volkszeitung" meldet aus Amsterdam, daß bei der Insel Schiermannikoog ein eng­lisches Unterseeboot gestrandet ist. 11 Mann wurden von einem holländischen Rettungsboot, die übrigen von einem englischen Torpedoboot gerettet.

*

Die Zurückziehung der griechischen' Truppen aus Mazedonien.

i. Köln, 20. Jan. Nach derKölnischen Zeitung" meldet der Pariser Temps aus Solaniki, daß die griechischen Truppen, die sich in Ostmazedonieu befinden und infolge der Sprengung der Brücke von Demir Kapu von ihrer Verpflegungsbasis ab geschnitten seien, nach Alt-Griechenland befördert würden.

Die Pariser Presse zu der Kapitulation Montenegros.

Paris, 20. Jan. Montenegros Fall, so meint der T e m p s", enthält einen nicht zu unterschätzenden Fingerzeig für die Alliierten, der beweise, daß die serbische Lektion noch nicht ganz verstanden worden sei. Was not tue, sei eine genügende übereinstimmende Zusammenarbeit der Entente­mächte auf diplomatischem wie auf militärischem Gebiete. Un­bestreitbar sei es ein FehLer in der Aktion der Erltentemächte, daß das serbische Heer nicht rechtzeitig unterstützt werden konnte und wir, anstatt den deutschen Weg nach Konftantiuopel zu sperren, uns heute auf einen Angriff deutscherseits auf Saloniki vorbcreiten müssen. Widerwillig preist derTemps" die gute Organisation des Vierbundes, wo einer die Führung habe, was allerdings so aussehc, als maße sich Deutschland die Diktatur über seine Ver­bündeten an. Das Blatt ist jedoch gezwungen, anzuerkcrrnen, daß diese Einigkeit, die im Lager der Alliierten fehle, den feind« lichen Staaten die bisherigen Erfolge eingetragen hat. Wiederum könnte aber auch im Lager des Verbandes nicht einer über de?l anderen herrschen, da sie alle' Anteil haben wollten an bei Kriegsarbeit.

Das französische Kriegsministerium unter Kontrolle.

-Basel, 20. Jan. Wie der LyonerMpublicain" aus Paris meldet, beschloß General Galliens, den Senatoren und De­putierten künftig zur Ausübung einer Kontrolle den täglichen Besuch der verschiedeu.en Verwaltungen im Kriegsministerium ohne jedesmalige besondere Erlaubnis zu gestatten. Ferner wur­den zwei Offiziere in jeder Abteilmrg ernannt, die ausschließlich mit dem Empfang der Viitglieder der Kckmmer und des Senats zur Verbindung zwischen dem Kriegsministerium und dem Parla­ment beauftragt sind.

Die Höhe der französischen Verluste.

Paris, 20. Jan. DerFigaro" enthält eine amtliche Mitteilung des VerwaltungsbUreaus für Militärpensionen und Unterstntzungsgelder, die über die Höhe der fran­zösischen Verluste, wenn auch nicht direkt, Ausschluß gibt. Aus den Mitteilungen des Bureaus, in dem früher 70 Personen, heute 944 beschäftigt sind, geht hervor, daß die Zahl der ans die Witwen- und Waisenentschädigüngen be- züglichen Personalakten im Kriegsministerium 1800 000 übersteigt.

Englands Ausrede imVaralong"-Fall.

Berlin, 20. Jan. TerBerliner Lokalanzeiger" meldet aus Rotterdam: Reuter verbreitet enalischerseits eine längere

Entgegnung auf die de utschenAusführ ungen über denBaralvng"-Fall. Darin heißt es: Die deutsche Weigerung, dieBaralvng"-Angelegenheit und die drei von der englischen Negierung bezeichneten Falle einen: unparteiischen Gericht zur Untersucknmg vorzulegm, zeuge von dem schlechten Getvissen der deutschen Regierung. Es sei unwahr, daß die englische Regierung nicht bereit ist, der rechtmäßigen Forderung, eine Untersuchung! einzuleiten, nicht uachzukommen. Sie habe vielmehr eine Untcr- üchung arigestellt. Dagegen habe die deutsche Regierung sehr gut icivußt, daß in den drei Fällen, die die deutschen Seeleute bettäfen, das unparteiische Gericht sich gegen die DeutsckM aussprechen müsse. DerLokalanzeiger" sagt dazu, in der engl:sck)en Antwort­note habe nichts gestanden von der Bereitwilligkeit, den Mord der Daralongleute wegen des von ihnen begarlgenen feigen Mordes an unseren U-Bootsmannsck)<rften zu sühnen. T:e errglische Ne- gierung stelle sich damit auf gleiche Stufe mit diesen Mörderw Weizen für Griechenland.

Amsterdam, 20. Jan. Tie ,^Times" ersal-ren aus Athen unter dem 16. ds. Mts.: Französische La n d u n g.s ab t ei- lungen haben an der Küste von Epirus und aus der Insel Zanthc Erkimdungen vorgenommen. Das Erscheinen der Abteilun­gen hat die Bevölkerung beunruhigt. Versckpedene Dampfer mit Getreide für Griechenland, die bisher in beit Häfen der Verbündete^ festgchalten wurden, sind fteigegeben worden.