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20.1.1916 Erstes Blatt
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beenden. Wir selbst müssen ihn gewinnen, sowohl für uns als für unsere Verbündeten. Wenn wir den Krieg nicht ge­winnen, so kann es niemand anderes. Wir haben immer gehofft, daß jemand anderes sich für uns schlagen würde. Auch die Russen hoffen zeitweise, daß anderwärts etwas zu ihrer Hilfe «geschehe, aber seit dem letzten Frühjahr haben sie die Hoffnung aufgegeben, daß jemand anderes sie retten kann. Sie sind entschlossen, sich selbst zu retten. England hat Rußland unrecht getan, indem es zuviel erwartete und die ungeheuren Opfer nicht würdigte, die Rußland brachte. Das furchtbare Un­glück von Tannenberg durfte in England nicht erzählt wer­den, ebensowenig der furchtbar kostspielige Kampf der Polen im letzten Winter und die schrecklichen Verluste während des Rück­zuges. Rußland kämpfte die ganze Zeit. Sein Plan war von An­fang an, defensiv zu bleiben. Die Theorie der russischen Dampfwalze, daß die Armeen der Russen auß Berlin mar­schieren würden, stcunrnt von uns, nicht von den Russen. Die Ab­weichungen von dem ursprünglichen Defensivplane nehmen ein schlechtes Ende. Wir müssen zufrieden sein, wenn Rußland jetzt feinen ursprünglichen Plan ausführt. Wir müssen die Wahrheit festhalten, daß Rußland den Krieg nicht zu unseren Gunsten 1 entscheiden kann. Wir hängen ganz allein von unseren eigenen Anstrengungen ab.

Die Dienstpflicht in England.

London, Ist. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unterhaus. Die Debatte über die Dien st Pflichtbill hat gute Fortschritte gemacht. Die Regierung befriedigte in einem wichtigen Punkte die Wünsche der Arbeiterpartei. Diese sprach die Befürchtung aus. daß Männer, welche für die Regierung arbeiten, »willkürlich entlassen und durch diese vorübergehende Arbeitslosigkeit unter die Bestimmungen der Bill fallen könnten. Die Arbeit­geber könnten somit die Bill als Form eines industriellen Zwanges brauchen.

London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Bei der Verhandlung über den Zu­satz zur Militärdienstbill, wodurch das Gesetz auf alle Männer ausgedehnt werden soll, die nach dem 15. August 1915 in das Nationalregister eingetragen wur­den und über 18 Jahre alt sind, sagte Präsident Loset, Go- vernenrent Bourd, Lord Kit che n er habe ihn beauftragt, zu erklären, er halte diesen Zusatz fiir unerwünscht: Kitcheuer hoffe, daß das Gesetz vom Hause unverändert angenommen würde. Die Männer, die durch die Annahme des Gesetzes verfiigbar würden, zusammen mit denen, die sich bereits angemeldet hätten, würden es ihm ermöglichen, die Kräfte anfzustellen, die das Land brauche, um einen baldigen Sieg zu sichern. Der Zusatz wurde hierauf ab ge lehnt. Die Regierung nahm einen Zusatz an, der der Admiralität den ersten Anspruch aus die unter dein Gesetz rekrutierten Männer gibt. Mc. Namara erklärte, daß 20 000 Mann mehr bei der Flotte Dienst genommen hätten, als die Admiralität ermächtigt war, aufzunehmen. Er beantrage, die Mann­schaften für die Flotte auf 350 000 Mann zu erhöhen.

Englands neue Blockadepläne.

New Pork, 17. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk­spruch von dem Sonderberichterstatter des Wolffbureaus.New Bork Sun" berichtet aus Washington: Die Bereinigten Staaten werden die vonEnglandbeabsichtigte neueBlockadeDeutsch- lands nicht anerkennen, solange sie nicht durchaus effek­tiv ist. Um in den Augen der Bereinigten Staaten als wirksam zu gellen, muß eine solche Blockade nicht nur Deutschlands Nordsee­küste umgürten, sondern sich in der Ostsee zu erstrecken imstande» sein und tatsächlich jeden O st see verkehr zwischen Skandinavien tmd Deutschland verhindern. DieSun" hat diese Auskunft über die Haltung der Vereinigten Staaten von sehr hohen amtlichen Stellen des Staatsdepartements erhalten.

--Evening Post" Meldet aus Washington,- daß die Blockade- maßregeln, die dem Völkerrecht und den Präzedenzfällen mehr entsprechen, aber viel strenger sind, als die bisher angewand­ten, durch England ausgestellt und Frankreich und den anderen Alliierten zur Billigung vorgckegt worden sind. 'Dies ist Wilson und Lansing in amtlichen Depeschen aus London übermittelt wor- 'bcTt. Oberst Hause, der längere Besprechungen mit Grey hatte, hat dem weißen Hause einen ausführlichen Bericht über die Lage gesandt. House erklärte der englischen Regierung, daß die englischen Einschränkungen des amerikanischen Handels einen ungünstigen Eindruck auf die amerikanische öffentliche Mei­nung machen würden und daß das amerikanische Volk von England erwartete, daß es sich dem Völkerrecht füge, genau wie es Deutsch­land schließlich in den Verhandlungen über den Unterseebootkrieg getan hat. England bereitet, wie das Blatt meldet, eine lange Antwortnote aus Amerikas Protestnote vom Oktober 1915 vor. Mehrere Londoner Telegramme bestätigen, daß jetzt eine wirk­same Blockade erklärt wird. Darin zeigt sich offenbar der Wunsch, die Verein. Staaten verantwortlich zu machen, da die Telegramme ausdrücklich bestätigen, daß eine solche Blockade notwendig ist, um den amerikanischen Forderungen zu entsprechen.

Die Mißhandlung von Deutschen in Neu-Guinea.

Berlin, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die von den australischen Militärbehörden Ende 1914 angeordnete öffentliche Prügelung von Deutschen in Deutsch-Neuguinea ist in der Tagespresse des öfteren erörtert worden, ohne daß bisher eine amtliche Aenßerung zur Sache erfolgt wäre. Wie wir erfahren, hat die austra­lische Regierung seinerzeit erklärt, sie habe die Handlungs­weise des Administrators mißbilligt und Anweisung gege­ben, daß unter keinen Umständen körperliche Züchtigung wiederholt werden dürfe. Auch die britische Regierung hctt sich dahin geäußert, das Vorgehen des Administrators lin Rabaul seiinkorrekt"' gewesen, und er habe deswegen eine dienstliche Warnung" erhalten. Indessen verlangte die Kaiserliche Regierung, nachdem die Einzelheiten des Vor­ganges im Laufe des verflossenen Jahres zu ihrer Kennt­nis gekommen waren, bei der britischen Regierung vollständige Genugtuung, insbesondere hinrei­chende Bestrafung für die beispiellose Brutalität der verantwortlichen Beamten. Die Verhandlungen schweben noch, wobei oie wxite Entfernung Australiens eine Rolle ,spielt. Nach Abschluß der Verhandlungen darf eine amtliche Veröffentlichung über den Gegenstand erwartet werden.

Diersrtterungsverhältniffe" in Mesopotamien.

London, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Neuiersckjen Bureaus. Im Unterhause erklärte Chamber- lain, die W it t erung sve r h ä lt n isse in Mesopota­mien seien schrecklich gewesen und hätten jeden Fortschritt verhindert.

China und Japan.

London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DieTimes" meldet aus Peking: Der japanische Gesandte teilte dem Auswärtigen Amte mit, daß die geplante Entsendung des chinesischen Verkehrsministers nach Tokio gegenwärtig unerwünscht sei. Man nimmt an, daß Japan dadurch seine Mißbilligung aussprechen wollte, daß die Krönung Puanschikais auf Anfang Februar festgesetzt wurde.

Daily Telegraph" meldet aus Peking, daß die geplante Abordnung offiziell die Glückwünsche der chinesischen Re- aierung zur Krönung des Kaisers von Japan Überbringer» sollte, aber zugleich über die Anerkennung der chinesischen

Monarchie und über die Anleihe verhandeln sollte. Denn Japans Goldreserve stieg durch die große Ausfuhr von Kriegsmaterial auf 60 Millionen Pfund Sterling.

Petersburg, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) lieber Kopenhagen.Rjetsch" gibt die Berichte asiatischer Zei­tungen wieder, nach denen Japan die früher an China gestellten, aber damals abgeschlagenen Fordernngen jetzt von neuem stelle, insbesondere ans Anstellung japanischer Berater für militärische, finanzielle und poli­tische Fragen, sowie auf Erlaubnis zum Erwerb von chine­sischem Grund und Boden durch die Japaner zur Gründung von Schulen, Tempeln und Hospitälern, ferner auf Ein­führung einer gemeinsamen iranisch-chinesischen Polizei in gewissen Gebieten Südchinas, aus Errichtung eines Arse­nals in China, sowie auf Herstellung eines Teiles der nöti­gen Waffen in Japan und auf Konzessionen für drei Eisen­bahnen in Südckftna. Das Kabinett in Tokio arbeitet nach den gleichen Quellen eine Zusatznote aus, in der weitere Forderungen enthalten sind, besonders daß China sich beim Friedenskongreß nur durch Japan vertreten lassen solle.

Der Scefrleg.

Zum Untergang der Persia.

Washington, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Genard, berichtet: Die deutsche Regierung erhiell von allen U-Booten im Mittelmeer Nachrichten. Alle Kom­mandanten. haben erllärt, daß sie für den Untergang derP e r -

s i a" nicht verantwortlich seien.

*

Kopenhagen, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.)Ber- lingske Tidende" meldet aus Malinoe: Der schwedische Dampfer M im o", der am Sonntag abend von Kopenhagen nach Pstadt abgegangen ist, wird vermißt. Das Schicksal des Schiffes ist unbekannt.

London, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Ter britische Dampfer M a r e r e " (6443 Bruttoregister­tons) wurde verdenkt: die Besatzung ist gerettet worden.

Lowe st oft, 19. Jan. (WTB. Nichtamtl.) Lloyds nreldct: Das Fisch er fahr z eugEvelyn" wurde versenkt; die Besatzung wurde gerettet.

Lowestoft, 19. Jan. (WTB. Nichtanttlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Tie Fis cher fa hrzeug eFrame- re st" und Su nschein " wurden versenkt. Die Besatzungen wurden gerettet.

Nur dem Reiche.

Die Lösung der wirtschaftlichen Aufgaben.

Berlin, 19.Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Im Laufe des Krieges hatten die amtlichen maßgebenden Stetten die Erkenntnis gewonnen, daß durch die Schaffung von privat­rechtlichen Organisationen, welche mit den Reichsämtern in engster Fühlung zu stehen haben würden, die wirtschaftlichen Ausgaben gelöst werden könnten. Als unsere Heere den Weg nach der Türkei über Serbien freigemacht hatten, erschien die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft erwünscht, welche die Einfuhr von F a s e r st o f f e n aus dem Orient regeln und vor allem die eingesührten Waren den entsprechenden Stellen zugänglich machen würde. Die daraufhin unter Füh­rung von leitenden Banken gegründete, mit einem Kcchital von zwei Millionen Mark ausgestattete Deutsch-Orien­tal i s ch e H a n d e l s g e s e l l s ch a f t m. b. H. B r e m e n ar­beitet in enger Fühlung mit den maßgebenden Stellen in Berlin an der Durchführung der umfangreichen Aufgabe. Vorsitzender des Aussichtsrats ist der bisherige Präsident der Vremer Handelskammer, Lohmann; Geschäftsführer sind in Bremen die Herren Schräder und Schütte, in der Türkei bezw. Bulgarien die Herren Moritz Brouwer und Albert Koup, welchen eine Reihe sachverständiger Kausleute zur Seite steht.

B e r l i n, 19. Jan. (MTV. Nichtamtlich.) LautReichs­anzeiger" ist die A u s f u h r und Durchfuhr von Tabak­matten jeder Art verboten worden. Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Thermosflaschen wurde auf Jsoliergefäße jeder Art ausgedehnt.

Berlin, 19. Jan. (MTB. Amtlich.) Der Beirat der Reich sprüsungs st eile für Lebensmittel­preise trat in seinem Ausschuß für Kartoffeln, Ge­müse und Obst zu einer Sitzrcng unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Kautz zusammen. Eine' eingehende Erörte­rung fand über die Vorschläge zur Aend erung der Ge­müse-Höchstpreise statt. Allgemein wurde anerkannt, daß, wie auch von vornherein beabsichtigt, für die spätere Zeit des Winters und für das Frühjahr eine gewisse Er­höhung der Preise für die Errtte 1915, besonders mit Rück­sicht aus den Schwund und die Aufbewahrungskosten im allgemeinen nicht zu umgehen sein werde. Von mehreren Seiten wurde eine Herabsetzung der Sauerkohlhöchstpreise gewünscht. Gegen die Zurückhaltung von Ware und den Ver kauf als ausländisches Gemüse zu höheren Preisen soll ener­gisch eingeschritten werden. Äeinhandelshvchstpreise wurden überall für nöttg gehalten. Sodann wurde von dem Vor­sitzenden dargelegt, in welcher Weise die Kartofselversorgung der Bevölkerung für den Winter, Frühjahr und Sommer und die Belieferung der Stärkefabriken urrd Trocknereten mit Fabrikkartofseln sichergestellt werdet» soll.

Eine Reichstagsersatzwahl.

l led a, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtliches Wahlergebnis. Bei der heutigen Reichstagsersatz­wahl im Wahlkreise Merseburg 6 (Sangerhausen) wurde mit 6042 von 6045 abgegebenen Stimmen der Handels­kammersyndikus Wilhelm Hirsch-Essen (nationalliberctl) gewählt; ein Gegenkandidat war nicht auf gestellt.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 20. Januar 1916.

Rriegrarbeil in Gießen.

XI.

Die Tätigkeit des Kommunalverbandes Gießen im Jahre ISIS.

Als Napoleon I. in den Jahren 1806 bis 1812/13 über England die Kontinentalsperre verhängte, um u. a. die Zufuhr englischer Waren nach dem Festlande zu unter binden und hierdurch Englands Handel aufs empfindlichste zu schädigen, erlitt er einen Mißerfolg.. Der Gedanke einer Aushungerung Englands mag dem damaligen großen ge meinschaftlichen Gegner Deutschlands und Englands gar nicht vorgeschwebt haben. Er wollte in erster Linie die Engländer an ihrer verwundbarsten Stelle, dem Geldsack, treffen. Das ist ihm, wenn auch nicht in dem gewünschten Maße, gelungen. Letzten Endes blieb aber die Kontinental sperre ein Mißerfolg.

Nicht unähnlich dieser napoleonischen Kriegsmaßnahme ist die von England sicherlich schon lange vor Ausbruch des jetzigen Weltkrieges ins Auge gefaßte Lahmlegung

des deutschen Ucberseehandels und damit der überseeischen, Nähruugsmittelzusuh-r mit Hilfe seiner, der. unsrigen an Schiffszahl überlegenen Kriegsflotte. Die Leiter der eng­lischen Politik glaubten nicht an die Möglichkeit, daß dre deutsche Lartdwirtfchaft imstande sein werde, dem Boden die Früchte abzugewinnen, die zur Ernährung des großen deutschen Volkes für eure längere Kriegsdauer nötig sind. England und seine Verbündeten rechneten vielmehr und rechnen in ihrer Verblendung vielleicht auch heute noch damit, daß Deutschlands eigene Hilfsquellen zUm Unterhalt der Bevölkerung nicht ausreichen und so, wie sie selbst an einen Einmarsch in unser zu zertrümmerndes Vaterland glaubten, so hofften sie, dort bereits das von ihnen herauf- beschworene Hungergespenst als würdigen Helfer int «Streite vorzufinden. '

Wie bisher die Hoffnungen unserer Gegner auf den Schlachtfeldern zunichte wurden Und noch weiter zunichte gemacht werden, wie vor allen» auch Misere U-Bootsflotte» täglich zur See dem Gegner empfindliche Verluste beibringt, ist ebenso bekannt, wie die Tatsache, daß unsere stillen Ar­beiter in der Heimat mit Hilfe der wirtschaftlichen Kriegs­gesetze aus dem Gebiete der Nahrungsmittelversorgung und des Verbrauchs alle mit der englischen Handelsblo ckade ver­bundenen Pläne zu schmrden werden ließen. Die organisa­torischen Fähig kette»» des Deutschen, die ohne Rühmens> im Verein mit seiner Anpassungsfähigkeit an gegebene Verhältnisse, uns in redlichem Friedenswettbewerb mit den Völkern einen Platz an der Sonne erobern sollten, diese Fähigkeiten, die uns dann aber den Haß unserer neidischen Gegner zuzogen, firtb es, denen wir die ausreichende Ver­sorgung unseres Heeres m»d unserer Flotte sowie des ge­samten Volkes rnit Nahrungsmitteln und allenr sonst noch Nötigen zu verdanken habe»».

Es ist bekannt, daß durch die Gesetzgebung und durch Anordnungen der Reichsregierungien nach und nach eine Reihe von Zentral ver waltun gen geschaffen wurde, in deren Hand der Erwerb und die Verteilung der Bedürf­nisse des Heeres und des Volkes ruhen. Diese Zentralbehörden verwalten das große Sammelbecken für die Bedürfnisse, um die Waren in ausgleichender und gerechter Weise an die Bedarssstellen weiter zu leiten. Sie bedienen sich hierbei der Hilfe der auf gesetzlicher Grundlage ruhenden Kommu- n a l v e r b ä n d e, deren es heute im Reiche über 1200 gibt.

Der Kreis Gießen mldet für sich einen eigenen ko »n m un al v e r ba n b. Wenn auch über sein Wirken ür lleinere Zeitabschnitte schon mehrfach an dieser Stelle berichtet worden ist, so mag doch jetzt bei Beginn des neuen Jahres noch einmal ein Rückblick auf seine G e s a m t t ä t i g- keit inr verflossenen Jahre geworfen werderr. Die unten olgenden nüchternen Zahlen lassen wohl einig ermaßen er­kennen, welche Fülle von Arbeit vom Kommunalverband im ab gelaufenen Zeitabschnitt bewältigt worden ist.

Es soll zunächst erwähnt werden, daß er sich u. a. der chwierigen Aufgabe unterzogen hat, in wochenlanger Tä­tigkeit mit zahlreichen Hilfskräften das mutmaßliche Ernteergebnis für den Kreis Gießen festzustellen, um so für seinen Bezirk der Reichs getteidestelle in Berlin die erforderliche Grundlage für die allgemeine Getreipe- und Mehlverteilung zu liefern. Da der Kreis Gießen vor­wiegend Landwirtschaft betreibt, stand dem Kommunal­verband neben den für die Versorgung seiner Kreiseingd- sesserren erforderlichen Mengen noch ein erheblicher Wei­zenvorrat zur Abgabe an die Reichsgetreidestelle zur Verfügung-, ohne daß hierdurch die Versorgung unseres Kreises bis zum Beginn des nächsten Erntejahres, das ist 16. August 1916, in Frage gestellt ist.

Es wurden front Kormnunalverband augekaust und seit 15. August 1915 bis 31. Dezentiber 1915 an die Reichs- getreidestelle abgeliesert: 58 000 Zentner Weizen im Werte von 783 000 Mk. Im ganzen wurden im Jahre 1915 an Brotgetreide angekauft: 109 375 Zentner im Werte von 1367 187 Mk. Der Kommunalverband bedient sich bei Er­werb und Abgabe des Getteides der Hilfe derVereinigteu Getreidehändler" in Gießen, einer unter seiner Mitwirnrng ins Leben gerufenen G. m. b. H., die ihm verttaglich ver­pflichtet ist und ihm Gewähr für eine rationelle Wirtschaft bietet.

Die Versorgung des« Kreises einschließlich der Stadt Gießen mit Miehl ist Aufgabe der Mehlverteilungs- stelle des Kommunalverbaudes, die zu diesem Behufe im abgelausenen Jahr 87 500 Ztr. Mehl im Werte von 1431000 Mark den Verforgungsberechttgten zuwies, wobei sie noch die Brotkarten Verteilung für die versorgungsberechtigte Be- völkerung der 79 Landgemeinden übernahm. Hierbei soll er- wähitt werden, daß die schwer arbeitende Bevölkerung des' Kreises eine besondere Zuweisung von 50 Gramm für den Kopf und Tag erhielt und daß es dem Kommunalverbandl im November 1915 noch möglich war, jedem Btotempsänger aus ersparten Getreidemengen eine Mehlzuweisung von 1 Pfund zuzuwenden. Es wurden weiter der Stadt Äteßen urtb den Landgemeinden des Kreises je 20 000 Mk. für die Zrvecke der Bolksernährung zugewiesen, die aus einer spar­samen Wirtschaft im Erntejahr 1914 erflosseit waren.

Die bei Vermahlung des Kommunalverbandgetreides gewonnene Kleiemenge bettmg 14 436 Ztr. im Werte von 115 488 Mk. Sie wurde durch Vermittelung des Kom- munalverbandes von der Landesverteilungsstelle für Futter­mittel in Darmstadt an die Landwirte des Kreises abge­geben. Es möge hier erwähnt werden, daß stets ein Brot von vorzüglicher Güte erbacken tverden kann und daß der Komrnunalverband die Gewißheit zu besitzen glaubt, daß trotz der ab 1. Januar 1916 gesetzlich zu zahlenden, nicht itnerheblichen Ztlschläge auf das Getteide vorläufig eine Erhöhung des Mehl- und damit des Blrotpreises nicht er­forderlich sein tz-ird. Zur Stteckung des Brottnehls wurden 4000 Ztt. Kartoffelfabrikate (Kartofselstärke- und Kartoffel- walzmehl) im Werte von 95 000 Mk. beschafft. ^ Es bedarf keiner 5)ervorhebung, daß zu keiner Zeit im Kreise Gießen eine Brotknappheit sich bemerkbar machte. Außerdem sind die Preise für Mehl und Brot in unserem Kreise wohl die niedrigsten im Preisbezirke, dem der Kommunalverband an gehört.

Eine weitere umfangreiche Aufgabe erwuchs dem Kon^- munalverbmtd in der Regelung der Ka r t o f f e l v e r s o r< gun g. Zwar mußten in tnanck)en Fällen Zwangstnaßregeln angewandt und die trügerischen Hoffnungen mancher Land­wirte aus eine Erhöhung der Kartoffelpreise erst beseitigt werden, bis die törichte Verschleierinig der Kartoffelvorräte einigermaßen auchörte. Nachdem aber das Verstäi^mis sich Bahn gebvocheir hatte, daß der Kommurralverband nur das verlangte, lvas er fordertt konnte und mußte/ gelang es nicht nur, festzustellen, daß die BevMerimg des Kretses bei sparsamer und haushälterischer Wirtschaft bis zur nächsten Ernte auskommen wird, sondern auch zu be­wirken, daß die bedürftigeic industriellen tvestdcutschen Be­zirke, die einer raschen Zuftchr bedurften, besonders des Ruhr- und Saargebietes, in Erledigung der von der Reichs- kartofselstelle ausgestellten Bezugsscheine mit Kartoffeln versehen wurden. Ebenso wurde der nottvendige vorläufige