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8.1.1916 Erstes Blatt
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Die verhafteten Konsuln in Freiheit geseyr.

Mailand, 7. Jan. (WDB. Nichtamtlich) Meldung derAgenzia Stefani". DasGiornale d'Jtalia" meldet ans Athen: Die Gesandten des Bierverbandesl !;aben ^ der griechischen Regierung mit ge teilt» daß die in Saloniki verhafteten Konsuln in Freiheit ge­setzt worden seien.

Die Balkanbahn.

Berlin, 7. Jan. (Priv.-Tel.) DasBerl. Tagebk." meldet aus Sofia: Der Probezua Kon stantin o pel Berlrn passierte gestern Sofia. Er ft'chrte mehrere leere Schlafwagen, wor­aus auf eine baldige Eröffnung der Linie für den regulären Per­sonenverkehr geschLossen wird.

Die bulgarischen Vcrwaltungsmaßnahmen gegen die Entente.

Sofia,- 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter des WDB. befragte bat Minister Ton t sche w über die innerpoliti­sche Lage Bulgariens, wie sie sich nach der ersten Kriegstagung der Sobvanje darstellt. Der Minister gab verschiedene Erklärungen ab und sagte u. a., daß das innerpolitische Leben gegenwärtig ruhe. Bulgarien sei von den freundschaftlichsten Absichten gegen Grie­chenland beseelt und lvünsche, die guten Beziehungen, wie sie seit Ausbruch des Krieges bestanden, sortzUsctzen. Bulgarien treibe keine Gefühls Politik und wünsche nicht, die Zahl seiner Feinde zu vermehren. Deshalb habe es auch in der Frage der Verhaftung des bulgarischen Konsuls in Saloniki eine gemäßigte Haltung gegenüber Griechenland eingenommen, obwohl Griechenland iu- ristisch für das Schicksal der bei ihm beglaubigten Konsuln verant­wortlich sei. Bulgarien habe hingegen energische Maßre­geln gegen den Vierverband ergriffen, indem es die Konsulatspersvnen, tvelche die Amtsräume der hie­sigen Vertreter des Verbandes bewachen, verhaften ließ. Nur der englische .Vertreter Haarst sei in die Z immer des hiesigen amerikanischen Geschäftsträgers in ein Hotel der Stadt geflohen. Um Hearst eine gewisse Bewegungsfreiheit zu verschaffen, habe der amerikanssche Geschäftsträger den eigenartigen Grundsatz aus­gestellt, daß auch der Korridor vor seinem Zrntmer durch seine diplomatische Eigenschaft geschützt sei.

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Englische Finanzhilfe für Frankreich.

London, 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Bank von England hat zehn Millionen Pfumd Sterling französischer Schatzwechsel z>n einem Diskontsatz von 5% Prozent übernommen.

Die Altersgrenze der französischen Offiziere.

Paris, 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Kriegsminister Gallieui hat der Kammer vor ihrem Auseinandergehen einen Gesetzentwurf betreffend eine Verjüngung der Kaders unterbreitet. Die Vorlage will die Alters­grenze für Obersten, Brigade- und Divisionsgenerale, die zurzeit 60, bezw. 62 und 65 Jahre ist auf 59, 60 und' 61 Jahre herabsetzen. Ausnahmen sollen zulässig sein. Divi- fionsgenerale dürfen apch nach 62 aktiv bleiben, aber nur ein Jahr und mit Genehmiguirg des Generalissimus. Tie Grenze von 65 Jahren soll ausschließlich. Führern von Armeen Vorbehalten sein.

Der englische Handel.

London, 7.Jan. (WTB.) Die Einfuhr Groß­britanniens im Dez. 1915 betrug 70 938 394 Pfund Sterling, was eine Steigerung gegen Dezember 1914 um 3 621 496 Pfund Sterling bedeutet. Die Ausfuhr betrug in dem gleichen Zeitraum 33 947 519 Pfund Sterling, oder 668591 Pfund Sterling mehr als im entsprechenden Zeit­raum des Vorjahres.

Der 5eekrieg.

Zum Untergang derPerfia".

London, 7.Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die P.- und O.-Linie gibt bekannt, daß bei dem Untergang derPerfia" 166 Personen gerettet und 335 ertrunken sind.

Köln, 7.Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DieKölnische Zeitung" meldet aus Washington vom 6. Januar durch Funkspruch: Staatssekretär L a n s i n g hat am Nachmittag wiederholt erklärt, es gäbe keinenP e r s i a"-F a l l, so­lange die Staatsbehörden nicht den leisesten Beweis für die Anwendung von Torpedos hätten. Lansing weigerte sich, die Frage, ob etwa eine Kanone auf derPersia" gewesen sei, zu erörtern, aber die allgemein verbreitete Ansicht nimmt an, daß die Regierung die Amerikaner davor warnen will, auf bewaffneten Schiffen Ueberfahrten zu machen.

Da» uutergegangene englische U.-Boot.

London, 7. J-an. (WTB. Nichtamtlich.) Me Admirali­tät bestätigt den Untergang eines englischen Unterseebootes in der Nähe der Insel Texel.

Amsterdam, 7. Jan. (WTB. Nichtamtliche) Wie die AmsterdamerTijd" aus Nieuwe Mep erfährt, verirrte sich das UnterseebootE 17" aus der Flucht vor deutschen Patrouillenfahrzeugen und geriet iit den Haaksgronden aus den Grund. \ ,

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New Bork, 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der italienische DampferGiu­seppe Verdi" mit zwei vierzölligen Schiffs­kanonen an Bord ist hier eingetroffen. Einer Meldung derAssociated Preß" aus Washington zufolge wird das Staatsdepartement inoffiziell sich an die italienische Re­gierung wenden und sie bitten, die Kanonen entfernen zu lassen, ehe das Schiff die amerikanischen Gewässer verläßt.

Aus dem Reiche.

Der Geburtstag des Königs von Bayern.

München, 7. Jan. (WTB- Nichtamtlich.) Der König stiftete zu seinem heutigen Geburtstag einen neuen Kriegsorden, der den Namen König-Ludwig-Kreuz füh­ren soll und als Zeichen ehrender und dankbarer Anerken- ming für solche Personen bestimmt ist, die sich während dieses Krieges durch dienstliche oder freiwillige Tätigkeit in der Heimat besondere Verdienste um das Heer oder die allgemeine Wohlfahrt des Landes erworben haben. Das von Professor Blecker-München entworfene Ordenszeichen ist bereits verliehen worden an die Königin, an mehrere Prinzessinnen, an den Prinzen Ludwig Ferdinand, an Mi­nister, soweit sie noch nicht tm Besitz einer bayerischen; Kriegsauszeichnung sind, Hofwürdenträger, viele Beamte, Industrielle und Kaufleute.

n che n, 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meidling der Korrespondenz Hossmann. Der König hat zu seinem Geburts­tag folgenden Gnadenerlaß betreffend Niederschla­gung von Strafverfahren gegen Kriegsteilnehmer erlassen: Wir wollen zugunsten der Teilnehmer des gegen­wärtigen Krieges gnadenweise die ^Niederschlagung von Strafverfahren verfügen, soweit sie vor dem heutigen Tage und vor Einberufung -u den Fahnen, begangene 1. Ueber-

tretungen «oder 2. Vergehen Mit Ausnahme derjenigen Verrats militärischer Geheimnisse, oder 3. Verbrechen im Sinne der Paragraphen 243, 244 urrd 264 Reichsstrasgesetz- buchs, wobei der Täter zur Zeit der Tat das einunjh- zwanzigste Lebensjahr noch nicht vollendet hat, zum Gegen­stände haben. Soweit in anderen Fällen eine Niederschla­gung des Strafverfahrens angezeigt ist, erwarten wir Ein- zelvorschläge. Ausgeschlossen von der Niederschlagung sind Personen, die wegen begangener Straftaten durch militär­gerichtliches Urteil rechtskräftig zur Entfernung aus dem Heere oder der Marine, oder zur Dienstentlassung^ ver­urteilt worden sind, oder sonst mit Rücksicht aus die Straf­tat ihre Eigenschaft als Kriegsteilnehmer verloren haben. Die beteiligten Staatsministerien und das Kriegs m in i- sterium haben zur Ausführung des Gnadenerlasses die er­forderlichen Anordnungen zu treffen.

Eine türkische Sondergesandtschaft in Stuttgart.

Stuttgart, 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In den letzten Tagen weilte in Stuttgart eine türkische Son­de r g e s a n d t s cha f t, an deren Spitze der dem deutschen Harrptquartier zugeteilte Generalleutnant Zekki Pascha. Dieser gewährte dem Vertreter derWnrttemberger Zei­tung" eine Unterredung und kam dabei auf seine Kriegsein­drücke in Deutschland im allgemeiner! zu sprechen. Er sei seit Kriegsbeginn so ziemlich in allen Teilen des Reiches heruin gekommen und habe überall Aeußerungen herzlicher Freundschaft für die Türkei vernommen. Einen mächtigen Eindruck habe ans ihn immer die überall und in allen Schich­ten gleich starke und« stolze Siegeszuversicht gemacht. jEr sei auch erst kürzlich wieder an der Front gewesen und habe gefunden, daß die Stimmung der Truppen heute wenn möglich noch besser und noch zuversichtlicher sei, als zu Anfang. Es sei jetzt freilich in den Schützengräben auch alles aufs glänzendste organisiert, und zudem besitzen ja die Deutschen die große Tugend der Geduld, die im zähen, langwierigen Stellungskampf die beste sei, sozusagen schon von Geburt an und in höherem Maße als alle anderen Völker. Aber auch in der Türkei sei die allgemeine Stim­mung, obgleich die Lasten schwerer als im reichen lund> Industrie starken Deutschland drücken, ganz vorzüglich. Es gehe auch aus allen Fronten neuerdchgs siegreich vorast, ja, man könne wohl sagen, daß jetzt, nachdem die direkte Verbindung mit den Mittelmächten über den Balkan her­gestellt sei, der Krieg für die Türkei erst eigent­lich beginne, denn erst jetzt sei die Türkei in den Stand gesetzt worden, ihre ge wal tige Me ns che n quelle sich nutzbar zu machen und damit den Kampf mit voller Kraft zu führen. Der eine Teil der Arbeit an den Dard-cp- nellen, bei Anaforta und Art Burnu, sei ja bereits erlidegt. Das wichtigste sei vorerst, daß der Eisenbahnverkehr mit Konstantinopel wieder ausgenommen werden könne, wodurch die innere Frontlinie zu den Verbündeten hergeftellt werde.

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Ans Stadt und Land.

Gießen. 8. Januar 1916.

Rriegrarbeil in Gießen.

IV.

Berwundeten-Uttterricht.

Früher als in manchen anderen Städten wurden in Gießen auf Veranlassung von Bibliotheksdirektor Geh. Rat Haupt, des derzeitigen Rektors der Universität Geh. Rat Sommer und des Vorstands der Ortsgruppe vom Roten Kreuz Landgerichtsrat Wiener Unterrichtskurse für Ver­wundete eingerichtet, nachdem sich das Generalkommando mit dem ihm unterbreiteten Plan durchaus einverstanden erklärt hatte. Die Leitung dieses Unterrichts übernahm Prof. Henneberg, der durch die von ihm schon im Herbst 1914 eingefuhrten Unterhaltungsstunden für Ver­wundete sich bereits in ähnlicher Weise betätigt hatte. Aus Veranlasftrng des Rektors der Universität traten die ge­nannten Herren unter seinem Vorsitz zu einem Ausschuß zusammen, dem noch weiter die Herren Generalmajor von Petersdorff, Lazarett-Direktor Dr. Siegert, Ober­bürgermeister Keller und Professor Krausmüller beitraten. Seit dem 1. Oktober hat der Rektor Professor Sie Vers den Vorsitz übernommen.

Der Unterricht begann am 19. April. Als freiwillige Lehrer waren tätig: Frl. Nölting, Vorsteherin derreichs- deutschen höheren Mädchenschule in Riga, für Französisch, Frl. Sülze, Frl. Paula und Lotte Balimann, Kam- merrat Birnbaum für Maschinenschreiben, Reallehrer R Appel für Buchführung, Lehrer Emil Hahn und Polizerk.-Aspirant Karnbach für Stenographie und Bureaubeamter Kirchner für Soziale Gesetzgebung.

Der Unterricht fand tells im Soldatenheim, teils in verschiedenen Lazaretten statt. Soweit es möglich war, wurde innerhalb von 4 bis 6 Wochen ein Ueberblick über ein abgegrenztes Gebiet gegeben, so daß auch diejenigen, >ie nur kürzere Zeit an dem Unterricht teilnehmen konnten, dtutzen von dem Besuch hatten.

Eine bedeutende Erweiterung erhielt der Verwundeten- Interricht mit Beginn des Wintersemesters dadurch, daß >en Verwundeten ebenso wie den Kriegsbeschädigten die Teilnahme cm dem Unterricht in der hiesigen Gewerbe- chule gestattet wurde. Dadurch wurde ihnen die Möglich? eit geboten/sich im Bau- und Fachzeichnen, in der Buchf­ührung, Wechsellehre und Reichs Versicherung, in der Bau- tofflehre, Bauführung und im Vorastschlagen Kenntnisse zu erwerben. Weiter können sie dort Geschäftsrechnen, Deutsch, Linksschreiben, Bauformenlehre und Modellieren lernen. Die Teilnahme an den genannten Fächern ist, wie auch der übrige Unterricht, unentgelllich.

Die seit Mitte Oktober dieses Jahres alle 14 Tage er- 'cheinende Gießener Beilage der Hessischen Lazarett-Zeitung hat sich sogleich in den Menst unserer Bestrebungen gestellt. Die erste Nummer bringt einen Ausruf an die Verwundeten von Landgerichts rat Wiener. Es wird dort darauf hin gewiesen, ein wie vor­treffliches Mittel der Verwundeten-Unterricht gegen die Langeweile ihrer Genesungszeit sei, wie er ihnen wert­volle Anregungen für die Zukunft biete und denen, die infolge ihrer Verwundung nicht wieder hinausgehen könn- ten, die Rückkehr in das bürgerliche Üeben erleichtere. Me- elbe Nummer bringt von Professor Henneberg einen leberblick über das bisher aus jenem Gebiet in Gießen Geleistete. In den folgenden Nummern finden wir Aussätze von Reallehrer Haggemüller, in denen er näher crus- einandersetzt, was in deii einzelnen Fächern des Gewerbe- chiilunterrichts den Teilnehmern geboten wird. Endlich wird die Lazarett-Zeitung fortlaufend benutzt, um Vor­träge anznkündigen und um jedesmal deii Stundenplan des gesamten Unterrichts zu bringen, damit die neu nach Gießen gekommenen Verwundeten alsbald Kenntnis von dieser Einrichtung erhalten. Zu den einzelne!; Vorträgen wird übrigens jedesmal noch besonders cingeladen, indem an jedes Lazarett eine Ankündigung gesanot wird. Diese Aufgabe hat jetzt Frl. D. S t a h l h a ck e übernommen.

Neben dem geschilderten Unterricht werden Weiber Vor­träge über Themata gehalten, von denen man annehmen kann, daß sie für die Verwundeten von Interesse sind. So hielt Dr. Schneider eine Reihe von Vorträgen über die Vorgeschichte des Weltkrieges, Professor Roloff über den Weltkrieg selbst. Professor Rauch sprach über die Kathe­drale von Reims und über die Entwicklung des gothischen Baustils, Professor Henneberg über den Bau des menschlichen Körpers, Professor Schmidt über Krank­heiten und deren Verhütung im Kriege. lieber unsere Land­wirtschaft während des Krieges berichtete Dr. Kling,, über wichtige Parasiten unserer Schlachttiere Mrektor Dr. M 0 d d e. Geh. Rat Sommer gab an zn>ei Nachmittagen an der Hand von zahlreichen Lichtbildern eine Schilderung des italienisch-österreichischen Kriegsschauplatzes und der Balkanländer. Außer den beiden letztgenannten fanden sämtliche Vorträge im Hörsaal des Anatomischen Instituts statt. Bei den meisten derselben bediente sich der Vortra­gende des großen Leitzschen Epidiaskops, um durch Licht­bilder die Anschaulichkeit seines Vortrags zu erhöhen.

Die bereits oben erwähnten Unterhaltungs stunden im Anatomischen Institut waren, abgesehen von einigen Vor­trägen, für Konzerte und Deklamationen bestimmt. Die musikalische Leitung ruhte in den Händen von Frau Dr. Spohr und Frau Nebelung-Knapp. Au^r diesen stellten ihre Kräfte in den Menst der Sache die Damen: I. Leutert, I. Strack, H. Taaks, E. Dhaer, L. Vetters und die Herren Dr. S p 0 h r und R. W a l l a u.

Die letztgenannten Unterhaltungsstunden erfreuten sich stets eines guten Besuches. Es fanden sich bis 150 Mann dazu ein. Der Besuch der Vorträge war wechselnd. Die Zu­hörerzahl schwankte zwischen zwanzig und mehr als hundert. Wodurch dies veranlaßt wnrde, ließ sich meist nicht sesp- stellen, doch ist es sicher, daß ein freundlicher Hinweis der militärischen oder ärztlichen Vorgesetzte!! seinen Zweck nicht verfehlt. Wie die Diskussionen, die sich an die Vor­träge anschließen, zeigten, bringen die meisten Zuhörer dem Gegenstand ein ausreichendes Verständnis entgegen und sind für das Gebotene dankbar. Zn dem Unterricht in den Spezialfächern findet sich naturgemäß nur eine kleinere Anzahl von Schülern zusammen, da sich hierzu nur diejenigen melden, die auf solche Weise erworbene Kenntnisse für ihren Berns zu verwerten gedenken. Im eigenen Interesse unserer Verwundeten wäre zu wünschen, daß diese die ihnen gebotene Förderung für ihren bürger­lichen Beruf ausgiebiger benutzten.

Schreibmaschinen stellten zur Verfügung die Herren Bücking, Stabsarzt M. Hahn (Bad-Nauheim), Geh.Rat König, Prof. Kleeberger, Frl. Ballmann und das Rote Kreuz. Ein Klavier für die Konzerte leiht uns Herr Rudolph. Die Unkosten werden bestritten von dem Leiter des Unterrichts und von der Einnahme aus einem Vortrag- den Frl. Nölting über die galten" hielt.

M. Henne borg.

Sonntagsge-anken.

Immer noch nicht haben sich alle entschließen können, ihr Gold gegen anderes Geld umzutauschen. Woher kommt dieser Mangel an vaterländischem Opsersrrrn? Cs geht uns noch gut. Im Anfang! des Kriegs war wirllich überall allgemeiner Opsersinn und Opfermut. Denn da stand es vor aller Augen als etwas unheimlich Drohendes, eine gewaltige Gefahr und eine gewaltige Not, in die das Vater­land gekommen war. Aber viele sind leider so gesinnt wor­den, wie in England vielfach die Gesinnung ist. Man denkt: es hat keine Not; aus mich kommt es nicht an. Der englische und amerikanische kühle und frivole Geist, der vor dem Kriege immer mehr Eingang bei uns gefunden, ist bei vielen schon zu tief eingewurzelt, als daß er durch den Krieg für immer hätte vertilgt werden können. Bei manchen sind es ja tvvhl achtbare Gründe, weshalb sie das eine oder andere Goldstück zurückhalten. Aber anderen geht es tatsächlich zu gut. Wenn sie auch jammern das war ja auch schon vor dem Kriege ihre Gewohnheit, sie hüben noch keinen rechten Begriff oder keinen rechten Begriff mehr von der allgemeinen Not. Sie müssen heraus aus ihrer kl ei- neu Welt mtfy die Augen aus tun, so werden sie erkennen^ was eine Zeit wie die jetzige von jedem einzelnen ver­langt. ^ ck.

Eine hundertjährige Mitbürgerin.

Fräulein Bertha v. Grolman in Giießen vollendet am 9. Januar; 1916 ihr 100. Lebens- j ahr.

100 Jahre ckkk Hu werden ist gewissermaßen eine Kleinig­keit für diejenigen, die einer Familie angehören, in dvo ein hohes Alter nicht ungewöhnlich ist. Hier ist es der Fall!

Im Jahre 1840 starb zu Berlin im Älter von 99% Jah­ren der preußische Obertribnnäls-Präsident Heinrich Diet^ rich v. Grolman, der bis zu seinem 95. Lebensjahre aktiver Staatsbeamter gewesen ist; desgleichen 1864 zu FvcrnKnrt an der Oder der Oberst a. D. Karl v. Grollmamr im Älter von 94 Jahren, der sich einer solchen Rüstigkeit erfreuen konnte, daß er kurz vor seinem Dode noch aus enter Jagd gewesen war. Die Dritte im Bunde ist die jetzige JubWarin!

Sie entstammt dem Fannlienzweige, der dem Groß­herzogtum Hessen manchen tüchtigen Staatsbeamten ge- kiesert hat. Ihr richtiger Oheim war der Staatsminister Karl v. Grolman, der die hessische Verfassung ausgearbeitet und bei Fürst und Volksvertretung unter schwierigen Ver­hältnissen eingeführt hatte. Eine der ersten Staats- versassungen im neuzeitlichen Sinne im deutschen Vater­lande.

Me Familie stammt aus der Stadt Bochum in der Grasick-ast Mark, die auf der Grenze zwischen Rheinlarw und Westfalen liegt, heute aber zu dem reinen Westsalenlanda gerechnet wird.

Bei der Freizügigkeit der Gelehrtenwelt war der erste, der die hessische Staatsangehörigkeit erworbMi l-atte, Mel- ckstor Dettmar Grolman, Professor juris und Kanzler der Universität Gießen, der er vom Jahre 1703 bis zu seinem Tode 1722 mit Auszeichnung angehört hätte. Sein Sohn Adolf Ludwig Grolman, Geheimer Regierungsrat in Gießen, sowie sein Nesse und Schwiegersohn Jöhänn Dettinar Grol­man, Konsistorialrat in Gießen sind die Begründer der beiden in Hessen vertretenen Familienzweige. Alle übrigen sind! in Preußen, der Stammheimat, verblieben und haben vorzugsweise im Militärdienst den Glanz der Familie be­gründet. Dies igilt namentlich von dem einen Sohne des erwähnten Obe'rtribnnals-Präside-nten, General Karl von Grolman in Posen, dessen Name das 1. Posensche Infan­terie-Regiment Nr. 18 in Osterode trägt»-. Er selbst, sein Vater und einer seiner Söhne erhielten den Schwarzem Adler-Orden, eine Auszeichnung, die bi^ jetzt in dieser Reihenfolge keiner anderen Familie zuteil gewordon ist Den Orden pour le Märite, den dieser, nebenbei bernerkt^ ebensalls besaß, hatten vorher schon zwei Oblersten v. Groll- mann, gleichfalls Vater und Sohn, von Friedrich dem