Periodikum 
Ökonomische Neuigkeiten und Verhandlungen / Beilage zu den Ökonomischen Neuigkeiten
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gleichartig und regelmäßig geordnete S piralform meh⸗ rerer Fäden, was mehr ſich dem Begriff nähert, den Thaer und die Preußen durch Stapel auszudrücken ſcheinen. In jedem Fall aber, ſcheint mir, verſteht Niemand darun⸗ ter die Elaſticität ſelbſt, die etwas Allgemeineres, uUmfaſſenderes iſt, und von welcher die Kräuſelung nur eine Folge und einzelne Form iſt, welche, wenn man wei⸗ ter nichts als die Spiral⸗ oder Wellen ⸗Form damit an⸗ deuten will, dies vollkommen ausdrückt, ohne daß wir des Worts Krümpekraft bedürfan. Eben ſo iſt Wal kfähig⸗ keit für das, was es ſagen ſoll, deutlicher, als Krüm⸗ pekraft. Und endlich würde ich auch für Stand und An⸗ ordnung der Haare Stapel vorziehen, wodurch die liebe Krümpekraft und mit ihr ein vieldeutiger und ver⸗ worrner Vegriff gänzlich entbehrt werden könnte. Alles das, was Hr. Direktor Köller weiter ſehr gut auseinander ſetzt, gehört nur zur Elaſticität. Hieruͤber wolle der Schaf⸗ züchtler⸗Verein entſcheiden. ad N. ¹³) Für Dichtheit der Vließe iſt meines Erachtens ein eigner Mahſtab weder ſo wichtig, noch etwa ein mathematiſcher nöthig und ich dächte, die etwa hier ſtatt findenden 3 oder 4 Stufen wären bei einiger Er⸗ fahrung eben ſo leicht zu unterſcheiden, als zu beſtimmen und für Jedermann ſogleich aufzufaſſen. Und auf eine größere Genauigkeit kann hier ſchwerlich viel ankommen. Zwar macht Hr. Director Köller bemerklich, daß die Dicht⸗ heit nicht bloß von der Menge der Fäden, ſondern auch vom gett herrühre. Da aber für das Fett ſchon eine eigne Rubrik im Beſchau⸗Schema enthalten iſt, ſo wird ſich Je⸗ der wohl von ſelbſt beſcheiden, daß wenn ein Stück ſehr fett beſchrieben wird, es eben daher auch ein dichtres Vließ haben werde. Indeſſen könnte allenfalls bei der Rubrik Woll⸗Menge, die Dichtheit beſonders nicht nur bemerkt, ſondern auch, wenn ſie eine Folge vielen Fetts iſt, dies mit angezeigt und überhaupt alles hier vom Hrn. Direktor Köller Geſagte berückſichtigt werden, wenn nach den Anträgen des Hrn. Grafen Feſtetics dies Be⸗ ſchau ⸗Schema umgearbeitet und noch mehr vervollſtändigt wird. ad N. ²⁶) Wie wahr ich finde, was hier Hr. Direktor Köller ſagt, und wie ſehr ich mit ihm einſtimme, wird die im Februar gedruckte Aeußerung N. 13 der Oekon. Neuigkeiten(wpo ich in Auftrag der Geſellſchaft meine Meinung über Hrn. Staatsraths Thaer Gutachten über unſer Feinheits⸗Schema abzugeben hatte) über das Fett, in wiefern es bei der Feinheits⸗Beſtimmung täuſchen kön⸗ ne, beweiſen. Man ſehe S. 102, wo ich auch zugleich vorſchlug, wie etwa dieſe Täuſchung gehoben werden könne. ad N. ²⁷) Endlich, glaube ich, hat es jeder Schafzüchtler weit genug gebracht, wenn er wie Hr. Direktor Köller bloß durch Lupe und Finger im Stande iſt, ſich weniger in der Beurtheilung der Wolle⸗Feinheit zu täuſchen, als durch einen Mikrometer, und daß auch dies für ſeine Ueber⸗ zeugungen vollkommen hinreichen könne. Nachdem aber an⸗

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dre Sachkundige hiermit nicht auslangen, nachdem ein Block in Schleſien einen eignen Wollmeſſer erdachte, der aus den neueſten Eingaben an die Geſellſchaft bekannt iſt; nachdem ein Thaer das Mikroskop zu Hülfe zu neh⸗ men nöthig glaubt; nachdem ein H. von Prittwitz of⸗ fen eingeſtanden, ſich über die Feinheitsgrade ſeiner Thiere nach bloßem, eignen Gefühl und Anſicht getäuſcht zu ha⸗ ben, und erſt durch Hrn. Wagners geübtere Sorti⸗ rungs⸗Fähigkeit eines andern belehrt worden zu ſeyn; nach⸗ dem(und dies iſt die Hauptſache!) es im Geſichtspunkt des Vereins oder ſeiner Commiſſionäre nicht darauf an⸗ kommt, was dieſelbrn für ſich glauben, ſondern was ſie einem Dritten unpartheiiſch beweiſen können, dem es um möglichſte Beſtimmtheit zu thun iſt: nachdem es endlich zur Klage und Aufgabe des Vereins ge⸗ macht worden, daß man die Feinheitsgrade noch nicht gehörig beſtimmen könne, daher darauf denken müſſe, ſie genauer zu beſtimmen: ſo wird wohl der Schirmerſche Mi⸗ krometer ſo lange in ſeinem Werth bleiben, bis er durch ein vollkommneres Inſtrument übertroffen wird. Um ſo mehr, nachdem ſich ſeine Richtigkeit im Allgemeinen durch verſchiedne übereinſtimmende Gegen⸗Proben, namentlich durch die Wagnerſche Sortirung der Rochsburger Wol⸗ len, durch Uebereinſtimmung mit Hrn. Block, der von einem ganz andern Princip ausging und durch das befrie⸗ digende Urtheil des Herrn Staatsraths Thaer bewährt hat. Wie geſagt, die Hauptſache hiebei iſt, daß nicht mehr ein A, ein B glaubt und meint, ſondern daß ein möglichſt ge⸗ nau und ſubtil gebarbeitetes Inſtrument(das weder Vor⸗ urtheilen, noch Meinungen, noch Täuſchungen, noch Sin⸗ nen⸗ Fehlern, noch Leidenſchaften unterworfen iſt) das ſcharf mißt, was dem unbewaffneten Auge zu thun nicht mehr möglich iſt; daß dieſe Meſſung ſo oft wiederholt werden kann, als es Jedermann beliebt; daß dann grade wie bei aſtronomiſchen Beobachtungen aus zehn und mehr dergleichen ſich ein Durchſchnitts⸗Mittel ergeben muß, was ſo genau auf keine andre Weiſe erlangt wer⸗ den kann; daß das Gemeßne aber nun auch in be⸗ ſtimmten Zahlen, über die nicht mehr zu disputiren iſt, nicht aber in undeutlichen und unbeſtimmten Ausdrü⸗ cken(wobei ſich Jeder etwas Andres denkt) ausgedrückt wird z. B. mittelfein, ſehr fein, extra fein u. ſ. w.

Eben dadurch, daß das Inſtrument ſoviel controlli⸗ rende Wiederholungen zuläßt als man will, behebt ſich der Einwand von ſelbſt, daß der Zufall einmal gröbere, ein⸗ mal feinere Fäden zuſammenbringen könne. Uibrigens würde ein ſolcher Zufall mehr gegen das Thier, von dem die Proben genommen ſind, als gegen das Inſtrument bewei⸗ ſen. Zufälle können überhaupt nichts gegen die Güte eines Werkzeugs beweiſen, das in allen Fällen genau die Wehr⸗ heit auf das antwortet, was man es fragt. Es kömmt alſo auf den Frager und nicht aufs Inſtrument an. Man frage vorſichtig und mit Verſtand, mit Rückſicht auf mögliche Zweifel und Zufälle, und das Inſtrument wird befriedigen.