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Zur Darſtellung eines vollkommen ſchönen Smalteblaus bedarf es weiter keines beſondern Geheimniſſes, als der gehörigen Reinigung des Kobalts von fremden Metallen, beſonders von Eiſen und Nickel, welche die Farbe ins ſchmutzig Grüne ziehen würden. Dieſe Reinigung kann aber im Großen nur auf den Blaufarbenwerken ſelbſt vorgenommen werden, und da die Hollaͤnder dieſe nie gehabt haben, ſondern mit der Smalte bloß handelten, ſo mußten ſie dieſelbe auch ſo laſſen, wie ſie eingehandelt war. Am allerwenig⸗ ſten würde ſich aber der Indig zur Erhöhung ih⸗ rer Farbe geſchickt haben.
Die Unzerſtörbarkeit des Berlinerblau durch Säuren in gewöhnlicher Temperatur, macht gera⸗ de einen Theil ſeines chemiſchen Charakters aus. Die einzige Ausnahme findet bei der orygenirten Salzſäure Statt; Salpeter⸗ und Schwefelſäure wir⸗ ken nur im concentrirten Zuſtande und in erhöh⸗ ter Temperatur darauf. Bei langer Einwirkung des Lichts und atmoſpäriſchen Sauerſtoffs, unter⸗ liegt es freilich dem Verſchießen, aber mehr in Verbindung mit andern Körpern, als für ſich allein. So andert ſich ſeine urſprüngliche Farbe in Ver⸗ bindung mit Ohl mit der Zeit in eine grünliche um, noch ſchneller und auffallender aber, wenn es für lichtere Schattirungen mit Bleiweiß verſetzt iſt. Dieſen Fehler empfindet jeder Kunſtliebhaber ſehr tief, beſonders bei den in Ohl gemalten Land⸗ ſchaften, wo der Himmel auf alten Stücken ganz anders erſcheint, als er ſollte. Mangel an Inten⸗ ſität kann man übrigens dem Berlinerblau nicht vorwerfen, da es im Gegentheil eine von den Farben iſt, die darin einen Vorzug vor vielen andern hat.—
Ganz genau, wie der Chemiker es verlangt, kann man Davy’s Analyſe des Laſurblau auch nicht nennen. Sie beſchränkt ſich mehr darauf, das Verhältnig der Kieſelerde auszumitteln. Dieß wurde(durch das bekannte Verfahren: Zuſam⸗ menſch nelzen mit doppelten Gewicht Kali und nachherige Behandlung mit Salzſäure), etwas mehr als 3 des Totalgewichts der Farbe betra⸗ gead, befunden. Die Menge des darin enthalten
geweſenen Kupferoryds gibt aber Davy eben ſo wenig, als die der Alaun⸗ und Kalkerde an, ſon⸗ dern ſagt von beiden letztern bloß:»der Rück⸗ ſtand«(namlich nach Wegnahme des Kupferoxyds durch Ammonium) beſtand aus vieler Thonerde und wenig Kalk*). 3
Was aber die von Davy angegebene Syn⸗ theſys betrifft, ſo mußte er(weil Vitruv das Beſtandtheikverhältniß nicht angegeben hat), dieß entweder aus ſeiner eigenen Analyſe, oder durch Combination anderer bekannten Thatſachen, finden. Letzteres ſcheint mir wahrſcheinlich, ſonſt ließe ſich nicht wohl begreifen, warum er bei ſeiner Zuſammenſetzung die Alaun⸗ und Kalkerde wegließ, die er doch durch die Zergliederung gefunden hatte. Übrigens verfuhr er dabei dem von ihm anerkannten Grundſatze gemäß. Die Verbindung ſollte nämlich(der Alexandriniſchen Fritte gleich), mehr ſtein- als glasartig ſeyn. Darum nahm er die Menge des Natrons,(noch dazu im kohlen⸗ ſäuerlichen Zuſtande), ſo gering. Bekanntlich wird zur Bereitung des weiſſen Glaſes die Hälfte, ³ oder höchſtens kohlenſaures Kali gegen die an⸗ zuwendende Kieſelerde gerechnet. In der Davy⸗ ſchen Vorſchrift betraägt aber die wirkliche alkali⸗ ſche Maſſe des Natrons nur etwas mehr als 3 des anzuwendenden Quarzes, indem 100 Theile baſiſchen kohlenſauren Natrons nur aus 22 Na⸗ tron, aber aus 16 Kohlenſäure und 62 Waſſer beſtehen. Das Gemenge konnte alſo immer nur eine halb verglaſete Maſſe geben. Übrigens wür⸗ de Davy Natron gewiß immer dem Kali für dieſen Zweck vorgezogen haben, hätte ihn Wi⸗ truvs Vorſchrift und ſein eigener Befund auch nicht dazu beſtimmt. Denn, es gibt bekanntlich ein leichtflüſſigeres, ſchöneres, dauerhafteres, kie⸗ ſelreicheres und mehr dem reinen Bergkriſtall ſich näherndes Glas, als die Pottaſche**).
*) S. Gilberts Überſetzung S. 20.
**) Den Grund von dieſer längſt bekannten Thatſache hat, vor Gehlen noch niemand angegeben. Er findet ihn in der verſchiedenen Sättigungscapacität der beiden Alkalien. Reine Natron naſſe erfordert
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