Daß die Alten das Kupfer zur Faͤrbung ih⸗ rer blauen Gläſer dem Kobalt, aus dem Grunde ſollten vorgezogen haben, weil erſteres ein viel ſchöneres Produkt als letzteres lieferte, möchte ſchwer zu erweiſen ſeyn. Denn ſollte dieſer Be⸗ weis ſtreng geführt werden, ſo ſetzt er eine Ver⸗ gleichung aller vorhanden geweſenen blauen Glas⸗ farben des Alterthums nach Verſchiedenheit der Lander und Zeiten voraus. Und ſelbſt dann, wenn ſich dieß auch thun ließe, und die Mehrzahl für das Kupfer ausfiele, wäre der Schluß immer noch zu raſch, da ſo viele andere Umſtände zur Wahl des einen oder andern beſtimmen konnten. Vielleicht verhielt es ſich damit folgendergeſtalt:
Wir wiſſen aus Davy's Bericht, daß Ko⸗ baltglas häufig bei den Griechen und Römern, dagegen nur ſehr ſparſam in egyptiſchen Denkmä⸗ lern vorkommt. So viel ſich alſo aus dieſen Daten ſchließen läßt, ſo war das Kupfer in Egyp⸗ ten, wo die blaue Farbe zuerſt erfunden wurde, häufiger als der Kobalt vorhanden, und letzterer wurde erſt ſpäter, bei den Griechen und Römern gemeiner. Auch die verſchiedene Abſicht, welche man erreichen wollte, konnte, ohne Rückſicht auf Vorzug, die Wahl beſtimmen. Gebrauch beider Glasarten konnte demnach(wie es noch heut zu Tage bei vielen Dingen der Fall iſt) ge⸗ miſcht ſeyn. Iſt nämlich Davy's Bemerkung richtig, ſo wählte man Kobalt zur Färbung, wenn man durchſichtige Gläſer haben wollte; Kupfer hingegen, wenn ſie undurchſichtig ſeyn ſollten.— Ein Umſtand, der hier noch beachtet zu werden verdient iſt der, daß die Alten kein grünes Glas als Malerfarbe anwandten, da ſie es doch nach Da vy’s Ausſage*) ſehr ſchön zu bereiten verſtanden, und es ſogar von ſehr dunkler Farbe
hatten. Alle grüne Farben, die der berühmte engliſche Chemiker unterſuchte, beſtanden aus koh⸗ lenſaurem Kupferoryd. So befand es ſich auch auf der Aldobrandiniſchen Hochzeit**). Dieß be⸗
Der
*) Seite 32 der Gilbertſſchen Üüberſetzung. **) Die in dieſer Abhandlung ſchon früher erwähnte 7
Aldobrandiniſche Hochzeit iſt ein in der Villa Al⸗
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rechtiget doch wohl zur Frage: Warum zog man denn hier nicht auch gefarbtes Glas vor?— Zugleich beweiſet dieſe Thatſache noch nebenher, daß die Alten nicht ſo genau, als wir zu glauben geneigt ſind, die Unvergänglichfeit ihrer Denkmä⸗ ler berechneten. Mir ſcheint der Grund, warum ſie zum Grün bloßes kohlenſaures Kupferoxyd,* zum Blau hingegen eine Fritte waͤhlten, in beſon⸗ deren Umſtänden und Lokalitäten zu liegen. Denn, es läßt ſich doch wohl behaupten, daß die Egypter, wenn wir ihnen auch in vielen Dingen den Vor⸗ zug vor uns zugeſtehen müſſen, in der eigentlich wiſſenſchaftlichen Chemie gewiß nicht ſo weit wa⸗ ren, als wir. Zuverläßig konnten ſie alſo weder Kupferblau noch Kupfergrün durch Kunſt auf naſ⸗ ſem Wege bereiten, ſondern beide warf ihnen— gleichviel auf welche Art— die Natur in die Hände. Nun findet ſich aber die Kupferlaſur in der Natur weit ſeltener in reinen Stücken, als das Kupfergrün. Letzteres bedurfte daher nur ei⸗ ner gehörigen Sortirung und mechaniſchen Verfei⸗ nerung, um geradezu in der Malerei angewendet werden zu können. Bei erſterem mit Geſtein ver⸗ miſchten Farbematerial, verhalf ihnen aber wahr⸗ ſcheinlich der Zufall(dieſer Hauptſchöpfer der wich⸗ tigſten Erfindungen), zu einem leichten Vergla⸗ ſungsmittel und da ſie nachher keinen andern Weg der Bereitung kennen lernten, ſo behielten ſie dieſe Farbe als diejenige bei‚ die ſie am leichteſten und häufigſten haben konnten.
Ich gebe dieſe Vermuthungen für nichts mehr als was ſie ſind, wollte aber damit nur andeuten, wie viele Einwendungen der angeführte Schluß noch leide.
dobrandini befindliches, antikes, eine Hochzeit vor⸗ ſtellendes Freskogemählde, das in der Gegend der ehemaligen Gärten des Mäcenas, unweit von Santa Maria Maggiore zu Zeiten Clemens XIV. aufgefunden und in die erwähnte Villa ge⸗ bracht wurde, wo Davy während ſeines frühern Aufenthaltes in Italien von deſſen Farben und vorzüglich von dem Laſurblau an einigen Stellen Be⸗ hufes einer chemiſchen Unterſuchung ein Wenig ab⸗ zunehmen die Erlaubniß erhielt.


