Jahrgang 
2 (1822)
Seite
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und das frei gewordene Natron ſchmilzt mit der Kieſelerde zu Glas. Nun ſchreibt zwar Neri keine bloße Kieſelerde oder Sand, ſondern ſchon ein fertiges Glas vor. Dieß hindert aber die fer⸗ nere Verbindung des Natrons mit der Geundlage deſſelben(Kieſelerde) nicht allein nicht, ſondern kann ſie vielmehr noch befördern, weil ſchon ge⸗ wiſſermaßen eine Aſſimilation eingeleitet iſt. Der im Meerſalze vorhandene Kohlenſtoff wird aber in dem überſchüßigen Natron aufgelöſet, und dieſe Verbindung hat bekanntlich eine blaue Farbe. Ge⸗ ſchieht nun in dem Augenblicke ihrer Entſtehung auch die Verglaſung, ſo kann ſie in dieſe mit eingehen, und dadurch die blaue Farbe erhöhen. Wird aber der dazu erforderliche Hitzgrad über⸗ ſchritten, das heißt: wird er ſo weit getrieben, daß das chemiſch gebundene Waſſer nicht mehr in der Verbindung bleiben kann, ſo muß natürlicherweiſe durch dieſe Abſcheidung das Kupferoxyd frei wer⸗ den, und ſich in ſeiner eigenthümlichen(ſchwarz⸗ braunen) Farbe zeigen. Dieß mag gerade der Hitzgrad ſeyn, wobei die Glasfritte durchſichtig wird, folglich muß alsdenn das entſtandene durch⸗ ſichtige Glas(wie Neri und Kunkel ſagen) häßlich erſcheinen. Davy hat ebenfalls dieſen Punkt in Betreff der Durchſichtigkeit ſehr wohl erwogen, und ſagt:*)»in allen durch ſi chti⸗ gen blauen Glaͤſern fand ich Kobalt, aber kein Kupfer!« Ferner erwahnt er der Arbeiten von Hatchett und Klaproth, wo beide Kupfer⸗ oxyd in einigen blauen Gläſern des Alterthums gefunden haben**), und ſetzt hinzu:»dieſe müſſen ſo weit ich die Sache überſehe, undurchſichtig ge⸗ weſen ſeyn.« In dieſen beiden Stellen ſpricht alſo Davy ſeine Meinung ſehr deutlich aus, die keine andere iſt, als daß die durchſichtigen blauen Gläſer nur allein mit Kobalt gefärbt werden können.

Daß die Wiedereinführung des Laſurblau, für uns von großem Vortheil ſeyn ſollte, muß

*) Seite 26 der Gilbertſſchen überſetzung. **) Ebendaſ. in der Note.

.. 2* 4 Die einzige Anwendung, wo⸗ durch es wichtig werden könnte, wäre die zur Porcellanmalerei, weil es da das immer ſeltener

ich bezweifeln.

werdende Kobalt erſetzen würde. Allein hier wür⸗ de es den zum Einbrennen erforderlichen Hitzgrad ſchwerlich aushalten. Bei dem ſogenannten Un⸗ termalen, wo die Farbe auf verglühtes

Porcellan unter die Glaſur fommt(ein gewöhnli⸗

ches beim Kobalt übliches Verfahren), ſteigt in der Wiener Manufaktur die Hitze beim Gahrbrennen auf 1600 Wedgwood. Auch beim Malen auf die Glaſur, würde das Laſurblau ſchwerlich aus⸗ dauern; denn die Hitze, wobei das Emailliren ge⸗ geſchieht(Weißglühhitze), beträgt 14 bis 18 Gra⸗ de Wedgwood. Das Kupfergrün unterliegt übrigens, wegen Flüchtigkeit ſeiner Säure(Koh⸗ lenſäure) demſelben Fehler, weßhalb man es jetzt durch das Chromgrün zu erſetzen ſucht, deſſen Farbe weit ſatter und dauerhafter iſt; doch ſetzt die Seltenheit dieſes Metalles ſeiner Anwendung noch Gränzen.

Demnach bliebe alſo das Laſurblau nur für die Dekorations⸗ und die immer mehr eingehende Fresko-Malerei noch wichtig, in ſo fern nämlich der Kobalt theurer und ſeltener werden ſollte. Aber ſelbſt hier würde man mit andern unſerer Farben ausreichen.

Zur Ohl⸗ und Waſſermalerei taugt das La⸗ ſurblau(wie ich gezeigt habe) wegen ſeiner glas⸗ artigen Beſchaffenheit eben ſo wenig, als das Smalteblau. Wir haben aber hinreichenden Er⸗ ſatz für beide. Das feine Bergblau iſt ihnen im eigentlichen Farbetone völlig gleich, nur hat es wegen vieler darin enthaltenen Kalkerde den Feh⸗ ler, daß es ſich ebenfalls nicht recht fein reiben, und zart verwaſchen läßt. Ein anderes, im Aus⸗ lande unter dem Namen Bremergruün(von

ſeinem Erfindungsorte ſo genannt), allgemein be⸗

kanntes ſehr ſchönes Himmelblau deckt, ſeiner gro⸗ ßen Leichtigkeit ungeachtet, außerordentlich ſtark, läßt ſich ſehr leicht zerreiben, und zu der feinſten Ma lerei, ſowohl in Ohl als Waſſer anwenden.

Bergblau weit vorzuziehen.

Es iſt daher, dieſer guten Eigenſchaften wegen, dem