Jahrgang 
1 (1821)
Seite
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oder ſich in Runzeln zuſammen zu ziehen oder grindig zu werden, und das Thier leichter zu ſchlingen und zu athmen anfängt. Das Haarſeil wird ſo lang unter der Haut gelaſſen und in Fluß erhalten, bis die Geſundheit des Thieres hergeſtellt iſt. Arzneien werden den Kran⸗ ken keine gegeben, ſondern nur öfter laue Mehl⸗Kleien⸗ Malz⸗ Gerſten- oder Heutränke mit einem viertel⸗ oder halben Seitel Branntwein verſetzt zum Saufen vorge⸗ halten, und das Maul öfters mit geſalzenem Eſſigwaſſer ausgewaſchen. 7

Auf ähnliche Weiſe werden Pferde und Schweine behandelt, wenn gleiche Umſtände ſich bei denſelben einfinden.

1⁰) Fangen mehrere Stücke an zu hüſteln, Futter und Trank zu verſagen, oder von beiden wenig zu ge⸗ nießen, das Wiederkauen einzuſtellen, die Kühe von der Milch abzubrechen, kurz und ſchwer zu athmen, Naſen⸗ löcher und Flanken ſtark zu bewegen, weniger zu lie⸗ gen, Miſt und Harn ſelten, den erſten hart, und den letzten feurig, oder waſſerhell und ſparſam abzuſetzen; wird bald darauf der Körper warm, der Athem, die Hörner und Ohren heiß, die Zunge und der Lippen⸗ ſpiegel trocken und der Puls hart und mäßig geſchwind, oder weich und ſchnell, ſo leidet das Vieh an der Bruſt⸗ und Lungenentzündung und es entwickelt ſich die Lun⸗ genſeuche unter dieſen Thieren, oder ſie iſt ſchon wirk⸗ lich da. In beiden Fällen müſſen die Kranken ohne Verzug von dem übrigen noch ſcheinbar geſunden Vieh entfernt, oder in eine Ecke des Stalles zuſammenge⸗ ſtellt, mit einer guten Streu verſehen, dem Wirthſchafts⸗ amte ſogleich angezeigt und ein erfahrner Thierarzt zu Hülfe gerufen werden.

Vorläufig werden den Thieren laue Heutränke mit Mehl, Schrot, oder Kleien gemiſcht und mit Salz verſetzt, alle 2 Stunden zum Trinken vorgehalten, oder viermal des Tags eine Maß davon Kälbern ein Drittheil behutſam durch das Maul eingegoſſen⸗ Nebſtbei wird es gut ſeyn, nicht nur den Kranken, ſon⸗

dern wenn immer mehrere zu huſten beginnen, der gan⸗-

zen Heerde im Stall, ohne Ausnahme ein rauhes Tuch⸗ band mit Terpentinöhl getränkt in den Halslappen zu ziehen, beſonders da, wo das Vieh beſtändig ausgetrie⸗ ben, oder ſparſam im Stall ernährt worden und daher eher ſchwach als kraftvoll iſt.

Bei ſtarken, gut beleibten und vollblütigen Stük⸗ ken, wo die Krankheit heftig erſcheint, das Athemholen ſehr erſchweret iſi, und Gefahr im Verzug haftet, kann

die Ankunft des Arztes nicht abgewartet, ſondern es

muß unverzüglich am Halſe zur Ader gelaſſen, und 4 bis 6 Seitel Blut Kälbern 1 bis 2 Seitel ab⸗ gezogen, und wenn nach 12 Stunden keine merkliche Beſſerung erfolgt, das Aderlaſſen wiederholt, der Stall etwas gelüftet, oder die Kranken an einen kühlen Ort gebracht werden. Nebſt dieſen werden die Mehl⸗ oder Kleientränke jeder mit 1 oder 2 Loth präparirtem Sal⸗ peter oder Schießpulver und 2 bis 4 Loth Salz von Stunde zu Stunde den Thieren zu trinken vorgeſtellt, oder alle 4 Stunden 1 Maß davon mit 1 Loth Sal⸗ peter und 2 Loth Salz laulich eingegoſſen. Strenge Diät iſt dabei nothwendig. Sehnt ſich ein Stück nach Futter; ſo wird ihm nur wenig von demjenigen vorge⸗ legt, nach welchem es das meiſte Verlangen äußert. Von dem Gelecke wird gar nichts gegeben.

Mit dieſer Behandlung wird bis zur Ankunft des Thierarztes fortgefahren, der das weitere Benehmen zu leiten, und die noch erforderlichen Heilmittel zu verord⸗

nen wiſſen wird.

In Ermanglung eines Arztes werden die kühlen⸗ den Getränke bis zur Beſſerung der Kranken angewen⸗ det. Tritt dieſe nicht bis zum 4. höchſtens 5. Tag ein, verſchlimmern ſich vielmehr die Umſtände, wird der Puls weich und ſehr geſchwind, ſo werden die Seiten⸗ theile der Bruſt hinter den Schultern 2⸗ oder 3mal des Tags mit Terpentinöhl, oder mit einem Gemiſche von gleichen Theilen Terpentinöhl und Lohröhl, oder von 4 Loth Terpentinöhl, 4 Loth Lohröhl und 1 Loth gepulverte ſpaniſche Fliegen, oder mit einem Gemiſche von einem halben Seitel Eſſig, 4 Löffel voll Senfmehl und etwas(Korn⸗) Roggenmehl in einen flüſſigen Teig verwandelt, oder mit einer Scharfſalbe aus 8 Loth ſcharf geſalzener Butter und 2 Loth gepulverten ſpaniſchen Flie⸗ gen bereitet, gut und immer gegen die Haare eingerie⸗ ben, und wenn dieſes keine Erleichterung bewirket, 3 oder 4 Flecke mit einem roth glühenden Eiſen tüchtig auf die Rippen gebrannt, der Salpeter aus den Trän⸗ ken weggelaſſen, jedem Trank aber(von 1 Maß) ein Loth gepulverte Entianwurzel und 4 oder 6 Löffel voll Kampher⸗Branntwein zugeſetzt, und Zmal täglich den Kranken eingegoſſen⸗

Mindern ſich auch hieraus die Zufälle bis zum V. oder 9. Tage nicht, wird das Athemholen immer kürzer und beſchwerlicher, die Bewegung der Naſenlöcher hefti⸗ ger, der Huſten ſchmerzhaft, das Liegen ganz gehindert, gibt die Bruſt auf das Klopfen mit der Fauſt keinen Ton, verſagen die Thiere alles Futter und Getränk und fangen an zu ächzen und zu ſtöhnen, ſo ſind ſie ohne Retrung verloren. Alle ſterben an der Beuſtwaſſerſucht,