— S=—
MNittheilungen
der k. k. Maͤhriſch⸗Schleſiſchen Geſellſchaft zur Vefoͤrderung des Ackerbaues, der Natur⸗ und Landeskunde in Bruͤnn.
Nro. 14.
HOctober 1821.
Von den Eigenſchaften des Gipſes und ſeiner Wirkung auf die Pflanzen. Von Johann Burger, M. Dr.
ehemaligem ordentl. Lehrer der Landwirthſchaft und Thierarznei⸗
kunde am k. k. Lyceum zu Klagenfurt und Kanzler der Acker⸗
baugeſellſchaft in Karnthen, dermaligem k. k. Gubernialrathe in
Trieſt und Mitgliede der landwirthſchaftlichen Geſellſchaften zu Wien, Prag, Brünn, Laibach und Munchen.
(Beſchluß.)
Nach dieſen allgemeinen, die Natur und Wir⸗ kung des Gipſes betreffenden Erfahrungen und Hypotheſen wollen wir nun auch eine nahere Un⸗ terſuchung vornehmen, über die nützlichſte Art ihn r Kulk⸗
zu verwenden, und ſeine Vortheile bei de tur der verſchiedenen Pflanzen durch fremde und
eigene Erfahrungen nachweiſen.
Die erſteren Unterſuchungen erſtrecken ſich über die Zeit, wann er ausgeſtreuet, und über die Menge, in welcher er verwendet werden ſoll.
Die letzteren Unterſuchungen ſollen durch all⸗ gemeine Beobachtungen und vergleichende Verſuche ſeinen Nutzen als Düngungsmittel verſchiedener Pflanzen näher erheben.
Man ſtreuet den Gips vor dem Winter, im Frühlinge, und im Sommer über die Felder.
Vielen ſcheint es gleich gültig zu ſeyn, ob man im Spätherbſte oder im Frühlinge den Gips über die Klee⸗, Luzern⸗, und Eſparſettfelder ſtreut; denn da im Winter die Auflöſung des Eipſes wahr⸗ ſcheinlich gar nicht vor ſich geht, weil der Froſt ſie hindert, und falls ſie bewirkt worden wäre,
II. Heft. 1621.
weder eingeſaugt noch verflüchtiget wird, und ſo lange im Boden verharret, bis ſie durch die ſtei⸗ gende Hitze entweder eingeſaugt, oder verflüchtiget wird, ſo gipfen ſie bald vor, bald nach dem Winter. Es ſcheint mir aber nicht einerlei, ob man in der einen oder der andern Zeit die Felder gipſe, und ich glaube daß es nunmehr nicht ganz unwichtige Rückſichten gibt, das Gipſen vor dem Frühlinge nicht vorzunehmen. Einmal iſt es möglich daß die Futterpflanze über Winter zu Grunde geht, und in dieſem Falle iſt die Auslage für den Gips verloren; und da die Pflanzen nur dann mehrere Nahrung aus dem Boden bedürfen, wenn ihr Wachsthum lebhaft erwacht iſt, und die Vergröße⸗ rung ihres Umfanges Zuſatz von Außen bedarf: ſo iſt es nicht ſowohl überflüſſig, als vielmehr verſchwenderiſch den Gips, eine Nahrung, die kei⸗ ner vorläufigen, langwährenden Zerſetzung bedarf, wie die organiſche Materie, früher in den Boden zu bringen, als ihn die Pflanzeu bedürfen, weil
zer ſich ſehr bald auflöſt, und wenn er nicht gleich
darauf eingeſaugt wird, ſich verflüchtigt, und ohne Nutzen für die Pflanzen aus dem Boden ver⸗ ſchwindet.— Der wahre Zeitpunkt, die vor⸗oder mehrjährigen Futterpflanzen zu begipſen iſt dem⸗ nach jener, wenn die Vegetation erwacht iſt. (Es gibt bei uns viele Landwirthe, die ih⸗ ren Klee immer im Spatherbſte gipſen, und in trockenen Frühlingen mag das auch wohl ſeinen Nutzen haben, daß der Gips früher recht aufge⸗ weicht, und auflöslicher gemacht worden iſt. Thaer erzählt in ſeiner ratinon. Landw. II. Th. 261. S. ebenfalls eine Beobachtung, wo eine begranz⸗


