Jahrgang 
1 (1821)
Seite
106
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te Fläche Roggen im Herbſte gegipſt, und im

Frühlinge mit weiſſem Klee beſäet wird. Auf dem gegipſten Stücke wuchs der Klee dicht, und üp⸗ pig, und kam auf den übrigen Orten nur we⸗ nig auf.

Sommergewächſe, das heißt: ſolche Pflan⸗ zen, die im Frühlinge geſaet und im Verlaufe deſſelben Jahres auch noch geerntet werden, wie Bohnen, Erbſen, Linſen, Wicken, Lein, Rübſen u. ſ. w. gipſt man, ſobald ſie die erſten Blätter entfaltet haben. Kopfkohl wird bei uns hin und wieder beim Überſetzen in den Wurzeln gegipſt, die man in eine dicke Gipsbrühe eintaucht, ehe ſie überſetzt werden. Anderswo ſtreuet man den Gips erſt dann auf den Kopfkohl, wenn er im Schlieſſen des Kopfes begriffen iſt(Siehe Thaers Annalen der Niederſachſiſchen Landw. III. Jahrg. 2. St, 412 S.)

Man raͤth auch wohl Klee und Luzerne, die im Frühlinge geſäet worden, entweder bald nach der Saat, wenn die Pflanzen hervorkommen, als nach dem Schnitte des mitausgeſäeten Getreides zu gipſen. So meinen auch viele, daß es nütz⸗ lich ſey, die Kleefelder zweimal in demſelben Jahre zu gipſen, um dadurch den zweiten und dritten Schnitt eben ſo ergiebig, als den erſten zu machen. Ich will die Wirkſamkeit des Gip⸗ ſes auf die jungen Pflanzen nicht in Zweifel zie⸗ hen, und ich glanbe allerdings, daß ein zweites Gipſen das Wachsthum vermehren werde; nur vermuthe ich, daß in dieſen beiden Fällen die Koſten des Gipſens durch die geringe Vermehrung des Pflanzenvolumens nur ſelten erſetzt werden. Warum aber der Gips, wenn er über den Klee, bald nach dem Säen, oder nach dem erſten oder zweiten Schnitte wieder ausgeſtreuet wird, eine verhältnißmäßig geringere Wirkung hervorbringe, als wenn er über den jährigen im Frühlinge an⸗ gewendet wird, mag wohl darin zu ſuchen ſeyn, daß die ſehr junge Kleepflanze für ihren geringen Bedarf ohnedieß Nahrung genug im Boden findet, und des Eipſes nicht bedarf, und daß von ihm wahrſcheinlich zu wenig, vielleicht auch nichts mehr vorhanden iſt, wenn ſie ihn nach weggebrachtem

Getreide für nothig hälte. Warum das Gipſen im Sommer ſo ſelten, und nur wenig wirkt, mag der groͤßeren Trockenheit in dieſer Jahres⸗

friſt zugeſchrieben hindert..

(Meine eigenen Verſuche mit dem Gipſen der Klee⸗ und Luzernfelder bald nach dem Säͤen, zeig⸗ ten mir eine Wirkung, die die Koſten des Gip⸗ ſes erſetzt hätte: ſo konnte ich auch in den Jahren 1815 und 16, wo ich beſtimmte Stellen des im Frühlinge gegipſten Kleefeldes im Juli wieder gip ſte, nicht bemerken, daß ich dadurch das Wachs⸗ thum derſelben vermehrt hätte.

Oft zeigt ſich die Wirkung des Gipſes erſt beim zweiten Kleehiebe, weil der Gips in der Pe⸗ riode des erſten Wuchſes ungünſtige Zeit für ſeine Auflöſung fand, wovon ein Beiſpiel in Thaers Annalen V. B. S. 407 erzählt wird, und dann wird man leicht verführt, dem zweiten Gipſen die Wirkung zuzuſchreiben, die noch dem erſten ge⸗ bührt. Einen ſehr günſtigen Erfolg von Gip⸗ ſiren des Klees im Juli, der aber im Frühlinge nicht gegipſt worden, kann man in denſelben Annalen VI. B. 28 S. leſen, wobei man bedauern muß, daß die Umſtaände, unter welchen der Wachsthum Statt hatte, nicht angegeben ſind.)

Die Menge des Gipſes, die man auf einer gegebenen Flache ausſaͤen ſoll, wird verſchieden angegeben, und weil die Verhältniſſe des Gipſes ſelbſt, und die Umſtände, unter denen er ſeine Wirkſamkeit äußern muß, ſehr abweichend ſeyn können, ſo rühren zweifelsohne die verſchiedenen Angaben, nach welchen man bald mehr, bald we⸗ niger Gips ausſtreuen ſoll, davon her.

Je feiner der Gips gepulvert, und je we⸗ niger er mit anderem Geſteine gemengt iſt; je mehr die Miſchung des Bodens und die klimatiſchen Ver⸗ hältniſſe ſeine Auflöſung begünſtigen; je größer iſt die Wirkung des Gipſes, und um ſo weniger bedarf man von ihm, und umgekehrt: je weniger fein er zermahlen, und wie bei uns gar nicht fein geſiebt; je mehr er mit Kalk oder andern Steinen gemengt iſt, je ſandiger der Boden, je trockner und regenloſer das Klima iſt: je geringer iſt ſeine

werden, die ſeine Auflöſung

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