Jahrgang 
1 (1821)
Seite
107
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Wirkung, und um ſo mehr iſt von ihm erforder⸗ lich, wenn ſie nur einigermaßen bemerklich ſeyn ſoll,

Die geringſte Menge von Gips, wenn er ſehr fein zertheilt iſt, und die Umſtände ſein Zer⸗ ſetzen begünſtigen, iſt ein Wiener Metzen von 132 Pfd. Wiener Gewicht, für das öſterreichiſche Joch von 1600 gevierten Wiener Klaftern. Die gewöhnlichere beträgt 4 Metzen oder 536 Pfd.; außerordentlich ſind 6 bis 8 Metzen.

(In ber-Oſterreich ſaet man meiſtens nur einen Metzen auf das Joch, und doch verſichern die dortigen Landwirthe, daß dieſe geringe hinlänglich ſey. In Franken, ſäet man drei, bei uns aber durchgehends 4 Metzen pr. Joch. Unſer Gips iſt zwar nicht unrein, das heißt, es findet ſich kein fremdes Geſtein darin vor; dafür aber iſt er grob gepulvert, nicht fein geſiebt, und ich glaube nicht zu viel abzuſchlagen, wenn ich den vierten Theil als unauflöslich annehme. In der Pfalz ſtreuet man nach Möllingers An gabe, in Schwerz Pfalz. Ackerbau S. 139 auf den dortigen Morgen 250 Pfd., was un⸗ gefähr 500 Pfd. pr. Joch beträgt. In der Schweiz gipſt man am reichlichſten. Tſchiffeli ſagt in ſeinen Briefen über die Stallfütterung und den Kleebau S. 96 daß man um Bern 6 ¾ Wie⸗ ner Metzen pr. Joch gemeinſchaftlich mit dem Klee⸗ ſamen ausſae, und Fellenberg in Hofwyl ſäͤet nach Schwerz Beſchreibung der Hofwyler Wirth⸗ ſchaft S. 182 gar 7 ½ bis 8 Maten pr. Joch. Es iſt aber ein ſehr beträchtlicher Unterſchied in der baaren Geldausgabe, ob ich zur Erreichung deſſelben Zweckes zwei oder zehn Gulden pr. Joch ausgebe, und wenn 2 Zentner ſo viel bewirken, wie zehn, ſo ſind die Auslagen für nichts ver ſchwendet. Es fehlen uns aber vergleichende Ver⸗ ſuche über die Wirkungen, welche beſtimmte Quan⸗ titäten von Gips unter gegebenen Bedingungen her⸗ vorbringen, und unſere Kenntniſſe von ſeiner Wir⸗ kung beruhen auf ſehr unbeſtimmten, und un⸗ vollkommenen Angaben. In den von mir an⸗ geſtellten, oben erzählten Verſuchen mit Gips und Schwefel bewirkten 10 Zentner Gips pr. Joch die

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auffallendſte Vermehrung des Wachsthums; allein ich verabſäumte ebenfalls den Klee auf dieſen, und den andern minder gegipſten und geſchwefelten Stel⸗ len zu wiegen, und verließ mich in der Beurthei lung bloß auf das Geſicht.)

Damit aber die Landwirthe, welche die Wir⸗ kung des Gipſes noch nicht aus der eigenen Beob⸗ achtung kennen, im Voraus wiſſen, was ſie ſich ungefähr von demſelben zu verſprechen haben, will ich ſie mit einigen in landwirthſchaftlichen Schrif⸗ ten vorkommenden, ſo wie mit meinen eigenen Erfahrungen bekannt machen.

In Thaers Annalen des Ackerbaues V B. S. 411 wird eine vergleichende Erfahrung über den

Ertrag des gegipſten und ungegipſten Klees er⸗ zählt. Der erſte Hieb des Klees worauf A ge⸗

gipſt, und gemäht; auf B nicht gegipſt, und gemäht, und auf C auch nicht gegipſt, und Statt dem Mahen abgeweidet worden. Der zweite Hieb dieſes Feldes gab:

Auf A an grünem Klee 7299 Pfd. pr. Berl. Morg. B 5* 5355⸗ C 3830

Wenn der Ertrag an Klee auf dieſem Felde im Ganzen auch nur gering iſt, denn er beträgt auf A nur 137 ¾ Jentner grünen Klees pr. Joch, ſo erſieht man doch daraus das vortheilhafte Ver⸗ hältniß der gegipſten zu den ungegipſten Stellen. Es verhält ſich nämlich:

A zu B, wie 100 zu 73; und

A zu CO, wie 10o zu 52.

Der Gips vermehrte in dem letzten Falle den Ertrag um das Doppelte.

Im VI. Band derſelben Annalen, S. 28 ſteht eine andere Beobachtung über den nämlichen Gegenſtand, wo der Unterſchied noch größer iſt. Ein Klee⸗Acker⸗Stück von 354 Quadrat Klaf⸗ tern wurde mit 14 Maßel Gips beſtreuet; 4& Metzen pr. Joch. Beim Mähen erhielt man von dieſer Fläche 378 Pfd. grüne Pflanzen, während eine gleich große Fläche von dem Kleeacker, die aber nicht gegipſt worden war, nur 93 Pfd. gab. Hier iſt das Verhaͤltniß des gegipſten Stückes zum ungegipſten wie 10 zu 24.