Jahrgang 
1 (1821)
Seite
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Ich ſelbſt erhielt am 2. Juni 1813 auf

einem ziemlich ſchön bewachſenen, eben im Aufblühen begriffenen Kleefelde, das ich in der Mitte des Aprils mit 500 Pfd. pr. Joch begipſt hatte, von 4 Quadrat Klaftern: 61 Pfd.; vom nicht gegip⸗ ſten: 47 Pfd. grünen Klee. Dieſes beträgt für das Joch im erſteren Falle: 244 und im letztern: 188 Zentn. Das Verhältniß iſt wie 100 zu 77.

Ich hatte demnach ſchon beim erſten Schnitte für die Auslage von 500 Pfd. Gips 56 Zentner grünen Klee's erhalten, die mindeſtens 11 Zentnern Heu gleich ſind.

Weniger auffallend war die Wirkung des Gipſes im Jahre 1815, wo ich am 8. Juni von einem in vollem Blühen begriffenen und in der Mitte April mit 500 Pfd. Gips beſtreutem Kleefelde von 10 Quadrat Klaftern: 133, und von nicht gegipſten: 122 Pfd. Klee erhielt. Das Joch gab vom gegipſten Theile: 212 Zentner; vom micht gegipſten: 195 ¾¼ Zentner. Das Ver⸗ hältniß iſt hier wie roo zu 91. Der üÜberſchuß beim erſten Hiebe beträgt hier nur: 1760 Pfd. grünen Klees, etwa: 3 x Zentner Heu pr. Joch, und wenn wir annehmen, daß ich beim zweiten Hiebe gleichviel überſchuß erhielt: ſo koſteten mich 7 Centner Heu 5 Zentner Gips. Nicht gewogen, aber beilaufig geſchätzt findet man über den Er⸗ trag der gegipſten Felder eine Menge von Angaben in den Schriften der praktiſchen Landwirthe, vor⸗ züglich in Schwerz ſchon angeführtem Werke über den Ackerbau der Pfälzer. Man erſieht aus denſelben, daß der Gips einer der wichtigſten He⸗ bel war, der die berühmten Wirthſchaften am lin⸗ ken Rheinufer, in der Gegend zwiſchen Weiſſen⸗ burg und Worms auf jene Höhe gebracht hat, auf der ſie nun ſtehen. Man hält da den Gips für die weſentlichſte Stütze des Kleebaues, der Luzerne, der Eſparſette, der Wicken, der Stall⸗ fütterung, der Viehzucht, und mithin der ganzen Landwirthſchaft.

Ich kenne viele Landwirthſchaften, in denen vergleichende Verſuche mit dem Gipſe angeſtellt

wurden, wobei ſich dieſer oft in einem ſehr hohen

Grade auszeichnete. Herr von We wollte nie

glauben, daß der uͤppige Wachsthum des Klees ſeines Nachbars, meines Freundes Rr, dem Gip⸗ ſe zugeſchrieben werden müſſe; ſondern hielt dieß für eine Folge des beſſern Bodens und der ſtär⸗ kern Düngung.

um ihn durch einen auffallenden vergleichen⸗

den Verſuch hiervon zu überzeugen, ſäete mein Freund heimlich in das an einem Abhange liegende Kleefeld ſeines Nachbars die Anfangsbuchſtaben ſeines Nahmens mit Gipſe durch den ganzen Acker, und als dieſer ſeine Wirkung gethan hatte, führte er ihn auf eine Stelle, wo er das Kleefeld überſehen, und in demſelben die beiden Buchſta⸗ ben, die ſich durch dunkle, breite Blätter und hohere Pflanzen ſehr auffallend vor den übri⸗ gen auszeichneten, bemerken konnte. Seit der Zeit iſt Herr von W' ein großer Freund des Gipſes.

Da ich nicht zur Abſicht habe eine vollſtän⸗ dige Geſchichte des Gipſes als Düngungsmittel zu ſchreiben, ſondern nur ſeine Wirkung zu erklären, und es außer Zweifel zu ſetzen, daß er nicht zu den Dünger vermittelnden, d. h. den im Boden vorfindigen Nahrungsſtoff auflöſenden, ſondern zu

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den wirklich düngenden, d. h. Pflanzen nährenden

Subſtanzen gezählt werden müſſe: ſo könnte ich mei⸗

9 ne kleine Abhandlung hiermit ſchließen, weil ich glau⸗ be, das mir ſelbſt vorgeſteckte Ziel erreicht zu ha⸗ ben, wenn ich nicht vermuthete, daß die fol⸗

genden Bemerkungen über die Gipslage in Kärn⸗

then, über die Zeit der Einführung des Gipſens, die Größe des Verbrauches deſſelben bei uns, ſo wie über die Art ihn zu verwenden, meinen Leſern eine nicht unwillkommene; Zugabe ſeyn dürfte. Wir haben in Kärnthen mehrere bekannte und wahrſcheinlich noch ſehr viele unbekannte Gipslager in der ungeheuren Kalkgebirgs⸗Kette der karni⸗ ſchen Alpen, die unſer Land von Italien und Krain ſcheiden. Gipsbrüche, die bearbeitet werden, ſind der eine bei Feiſtritz, der andere bei Roſen⸗ bach, beide im Roſenthale; bekannte aber nicht be⸗ arbeitete Gipsbrüche ſind bei Waſſerleonburg, in der Schütt, und zu St. Daniel, alle drei im Geilthale. Der Gips von Feiſtritz bricht am Ab⸗