Jahrgang 
1 (1821)
Seite
220
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3) Zu ſorgen, daß kein Vieh nüchtern auf die Weide getrieben, ſondern jedem eher etwas trockenes und reines Futter vorgelegt und jedes ſattſam geträn⸗ ket werde. 8

4) So lang der Reif auf dem Graſe liegt, ſoll weder das Nindvieh, weder die Schafe noch Schweine aus dem Stalle kommen. Eben ſo wenig, wenn kal⸗ ter Regen fällt, ſtarker Nebel herrſcht oder rauhe Win⸗ de blaſen. Pferde und Ochſen bei ſo ungünſtigem Wet⸗ ter über Nacht auf den Wieſen zu laſſen, heißt die Thiere muthwillig Krankheiten ausſetzen und dem Tode Preis geben.

5) Auf niedrige, verſchlammte, oder ſumpſige Wie⸗ ſen iſt auch bei reiner Witterung mit keinem Vieh zu treiben. Es ſchadet allen Gattungen, am meiſten dem jungen Vieh. Bei Pferden ziehen dergleichen naſſe Weideplätze die nämlichen Folgen nach ſich, wie das unüberlegte Schwemmen und Baden im eiskalten Waſ⸗ ſer im Frühjahr und Herbſt; ſie geben Anlaß zur Gicht, zu geſchwollenen Füßen und hartnäckigen Lähmungen der Glieder, zu gefährlichen Koliken und Bauchgrim⸗ men, zu Entzündungen der Därme, zum Brand und dem Tod der Thiere.

6) Schimmliches, modriges, fanles und ſtinkendes Heu, Grummet, Stroh, Laub, oder was es ſonſt ſeyn mag, darf weder untergeſtreut, um ſo weniger als Fut⸗ ter gegeben, ſondern muß ſchlechterdings auf den Dung geworfen, das unreine Heu gut ausgeſtaubt, ſo wie die kothigen Rüben, Erdäpfel u. dgl. rein gewaſchen, und die faulen unter den Miſt gemengt werden. Gben ſo wenig Gebrauch iſt von dem verdorbenen Hafer, Gerſte, Wicken, Korn ꝛc. ꝛc. als Futter zu machen, ſie mögen den Thieren in Köͤrnern, geſchrotet oder in Mehl verwandelt gegeben werden.

Verdorbenes Futter kann auf keine Weiſe verbeſ⸗ ſert, ſchlechtes aber einigermaßen zum Genuß un⸗ ſchädlich gemacht werden. Ausgewäſſertes, entfärbtes auch überſchwemmtes Heu oder Grummet ohne modri⸗ gen oder fanligen Geruch kann, wo Platz iſt,

a) durch öfteres Umkehren auf den Böden bei ge⸗ öffneten Giebeln oder Fenſtern; oder

b) durch öfteres Umſetzen in Kögel oder Schöber in freier Luft im Winter; oder

c) durch Schneiden in Gehaͤck und Miſchen deſſel⸗ ben mit reinem Heu, Grummet oder Stroh; wobei

ein fleiſſiges Schwingen des geſchnittenen Häckſelfut⸗ ters in der Art, wie der Hafer zum Pferdefutter geſchwungen zu werden pflegt nicht dringend genug empfohlen werden kann, weil dieſes Schwingen zur Abſonderung vom Staube und anderen Unreinigkeiten weſentlich beiträgt;

d) durch das Beſpritzen deſſelben mit Eſſig, oder Salzwaſſer;

e) durch das Abbrühen mit ſiedendem Waſſer und Miſchen mit Kleien, Gerſtenſchrot, gehackten reinen Krautſtengeln, Rüben, Erdäpfeln u. dgl. gereinigt und zum Nothgenuß geeignet werden.

Sehr verſchlammtes Heu, wenn es an ſich nicht verdorben iſt, wird durch Waſchen brauchbar gemacht. Wo ein Fluß in der Nähe iſt, wird ein Wagen mit 2 zuſammen geſtoßenen Flechten mit Heu beladen, in den Fluß gebracht, und das Heu ſo lange mit Waſ⸗ ſer übergoſſen bis das Letzte ganz rein durch die Flech⸗ ten rinnt, dann mag es wie immer verfuttert werden. Wo kein Fluß oder Bach vorhanden iſt, kann dieſes Waſchen auch in kleinen Parthien in Körben an Brun⸗ nen und Rößprkaſten geſchehen. Durch das bloße Dre⸗ ſchen oder Ausklopfen wird ſo verſchlammtes Heu, be⸗

ſonders wenn es gut getrocknet iſt, eher in Pulver

zerſchlagen, als zu genußbarem Futter gebracht.

Verdorbener Hafer und andere Hülſenfrüchte kön⸗ nen auch durch's Waſchen nicht verbeſſert werden.

) Die nöthige Hautausdünſtung zu befördern, und das Auffahren mancherlei Geſchwülſte und Aus⸗ ſchläge auf der Haut zu verhüthen, muß das Nindvieh täglich geſtriegelt, oder mit Strohwiſchen über den gan⸗ zen Körper kräftig abgerieben werden. Ereignet ſich der Fall, daß es naß von der Weide kömmt, zittert, friert, den Rücken krummt und die Füße zuſammen ſtellt, ſo muß das Reiben vermehrt, im Stalle gut eingeſtreuet, Feuſter und Thüren geſchloſſen, trockenes Futter vorgelegt, und wenn es möglich iſt, das Vieh gut bedeckt oder durch warme Heubrühtränke erwärmet werden. Fängt das Vieh zu dünſten und der Stall zu dampfen an, ſo wird durch das Offnen eines oder mehrerer Fenſter, oder der Thüre friſche Luft eingelaſ⸗ ſen, der Zug derſelben aber vermieden,

Das nämliche Verfahren iſt außer dem Striegeln und Strohreibungen bei den Schafen zu beobachten, wenn ſie ungefähr von kaltem Negen befallen werden, und durchnäßt und halberfroren in den Stall zurück keyren.