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Anßerordentliche Beilage
zu Nro.
27 der
Mittheilungen.
Vorſichtsregel n un d Huͤlfsmittel
gegen die im heurigen Winter oder kommenden
Fruhjahr(von 1821 zu 1822) unter dem Nutz⸗
und Zugvieh zu befürchtenden Krankheiten und Seuchen.
VBerfaßt voon Martin Albert Tögl,
Veterinärarzt, k. öffentlichem Lehrer der Thierarzneikunde und Mitglied mehrerer gelehrten Geſellſchaften.
Bekannt gemacht durch die kaiſerl. königl. patriotiſch⸗ ökono niſche Geſellſchaft im Konigreiche Bohmen⸗
Di langwierige und noch immer fortdauernde naß⸗ kalte Witterung des heurigen Jahres, die wiederholten furchtbaren üÜberſchwemmungen der grasreichſten Gegen⸗ den des Landes, der häufige Wachsthum ſaurer, und ſolcher Pflanzen, die weder dem Inſtinkt, noch der Na⸗ tur unſers Nutz⸗ und Zugviehes angemeſſen ſind, die
wäſſerige Beſchaffenheit und der Mangel an geſunden
Nahrungsſtoffen aller Grasarten uberhaupt, das mei⸗ ſtens naß eingeerntete, ausgebleichte, da und dort ver⸗ ſchlammte, ſaft⸗ und kraftloſe Heu, Grummet und Stroh, das beſtändige Austreiben bei Regen, Kälte und Näſſe u. ſ. f. ſind Ereigniſſe, die mancherlei Übel, Krankheiten und Seuchen unter unſerem Hausvieh im kommenden Winter, vielleicht noch früher befürchten laſſen; deren Ausbruch um ſo gewiſſer zu erwarten wä⸗ re, wenn dieſer Witterungszuſtand noch länger anhalten, das Austreiben ohne Rückſicht, wie ſonſt, fortgeſetzt, oder das Vieh im Hauſe mit ſchlechtem verdorbenen Futter, gefrornen oder halbverfaulten Krautſtengeln, Rüben, Erdapfeln u. dgl. ernährt, und oft mit Eis⸗ oder Schneewaſſer getränket würde⸗
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Dieſe Schädlichkeiten wirken zwar nachtheilig auf alle unſere Nutzthiere, am nachtheiligſten aber auf die Schafe und das Rindvieh. Am meiſten leiden die Läm⸗ mer, beſonders die veredelten. Allgemeine Schwäche und Auflöſung des Körpers und des Blutes, und die Erzeugung und Anſammlung unzählbarer Haarwürmer in den Lungen, und der Tod der Thiere ſind die Fol⸗ gen davon. Der letzte iſt unvermeidlich, wenn die
Schwäche nicht bei Zeiten gehoben, und dadurch die Faulſucht ausgebildet wird. Viele ſchöne Schä⸗ fereien haben dieſe Wahrheit bereits mit Schaden
erfahren. Manche hat bereits die Hälfte ihrer Heerde eingebüßt, und manche läuft Gefahr, die ganze zu verlieren.
Aber auch die Schafe, Schöpſe und Stöhre müß⸗ ten unterliegen; wenn ſie den krankmachenden Urſachen nicht entzogen, oder dieſe von denſelben nicht abgewen⸗ det und entfernet würden. Das Rindvieh iſt in Ge⸗ fahr von der Lungenfäule, dem fauligen Milzbrande, verbunden mit der Maul⸗ und Klauenfeuche, ergriffen und aufgerieben zu werden.
Den Pferden drohen hartnäckige, bösartige Drü⸗ ſen, der Rotz und Wurm, und den Schweinen heftige Bauchflüſſe mit Entzündungen der Därme u. a. m.
Dieſen und anderen Übeln vorzubeugen, müſſen folgende Regeln beobachtet und die nachſtehenden Hülfs⸗ mittel angewendet werden:
1) Vor allem iſt jede Näſſe zu vermeiden, das Austreiben zu beſchränken, nur in den heiterſten Stun⸗
den des Tages zuzulaſſen, bei laxirenden, oder ſonſt ſchwachen Lämmern und Kälbern aber ganz einzu⸗ ſtellen.
2) Iſt nothwendig, Schaf⸗ und Kühſtälle und alle Ställe überhaupt, auf das möglichſte rein und trok⸗ ken zu halten, die Temperatur in denſelben bei naß⸗ kaltem Wetter etwas zu erhöhen, beſonders bei dem jungen Vieh, täglich auszumiſten und gut unterzu⸗ ſtreuen⸗


