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Subſtanzen gefunden, wie kohlenſauren Kalk, die an ſich allein nicht ſchädlich ſind, aber unter dieſen gewöhnlich viel Schwefelkalkerde, oder ſehr lösliche Chlorüre oder durch Kohlenſäure aufgelöſte Kohle. Er ſchließt daraus, daß die Talkerde im Zuſtande eines löslichen Salzes die wahre Urſache des Kropfes ſei, und in vielen Gegenden ſcheint die Erfahrung dies zu beſtätigen.
Die zahlreichen Einwendungen gegen dieſe Anſicht verhindern wenigſtens nicht, mit Wahrſcheinlichkeit anzunehmen, daß Kropf und Kretinismus durch gewiſſe Stoffe entſtehen, die das Waſſer aus dem Boden entnimmt. Dr. Grange citirt Beiſpiele, wo eine ganze Be⸗ völkerung am Kropf litt, mit Ausnahme einer einzigen Familie, die eine Ciſterne beſaß. Solchen Gegenden anderes Waſſer zuzuführen, wäre alſo das beſte Mittel, ſie von dieſem Leiden zu befreien und wo das unmöglich erſcheint, ließe ſich das Mittel des Dr. Coindet anwenden, das Jod. Sie würden dann ſo frei davon bleiben wie die Küſtenbewohner, die ohne es zu wiſſen Jod in großer Menge in den Meeresproducten genießen. Beide Mittel hat Herr Dr. Grange in Savoyen mit dem beſten Erfolg angewendet.
Herr Dr. Grange ſchreibt alſo die Urſache des Kretinismus und des Kropfes vorzugsweiſe dem Boden(Dolomit, Gyps, Leias) und dem daraus entſpringenden Waſſer zu, dieſe Anſicht theilen aber, wie wir ſehen werden, andere Aerzte nicht.
Fourcault und Chatin wollen die Urſache weſentlich in der Ab⸗ weſenheit des Jods gefunden haben, deſſen Anweſenheit in irgend einer Form hiernach alſo eine Art von Bedingung für den Geſund⸗ heitszuſtand der Menſchen ſein würde(Comptes rend. T. 33, S. 519, 544, 617 und T. 34, S. 42).
Mehrfach hat ſich ganz neuerlich Herr Dr. Guggenbühl in einer Abhandlung über die Heilung und Verhütung des Kretinismus (1853) auch über deren Urſachen ausgeſprochen. Er ſagt Seite 20:
„Es fanden ſich unter einer Population von 1,726,536 Seelen 5000 Familien mehr oder weniger inficirt, darunter 2000 Blödſinnige, 1500 Stumpfſinnige, 300 zwergartig Verkümmerte im Wachsthum, 1000 kretiniſch Stumme und 144 Kretinen des höchſten Grades, blos vegetirende Geſchöpfe, von Menſchen gezeugt, aber mit kaum menſchlicher Geſtalt. Wenn in der Schweiz im Allge⸗ meinen die Elevationsgrenze der kretinöſen Erkrankung auf 3000“ feſtzuſetzen iſt, ſo überſteigt ſie dagegen im ſüdlichen Deutſchland nicht die Meereshöhe von 1500 bis 2000. Iſt dieſe Grenze der Erhebung erreicht, ſagt Dr. Röſch, ſo wird das Uebel nicht nur nicht auf den Höhen und Hochflächen, ſondern auch in den Thälern dieſer Elevation nicht, oder nur in ſchwachen Andeutungen wahrge⸗ nommen. In demjenigen Theil des Landes, welcher vermöge ſeiner geringen Erhebung über das Meer in das Gebiet des Kretinismus gehört, kommt derſelbe nirgends vor auf freien und hohen Flächen.


