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2. Abtheilung (1854) Beilagen
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Dieſe Karten widerlegen überhaupt die Schädlichkeit der meiſten Einflüſſe, beſonders der meteorologiſchen, denen man nach oberfläch⸗ licher Prüfung die Entſtehung des Kropfes zugeſchrieben hatte.

Sauſſure machte dieſe Krankheiten von der Bodenconfiguration abhängig, aber die Gründe, mit denen er dieſe Behauptung ſtützt, widerſprechen ganz denen, mit welchen neuere Forſcher ihre Anſichten belegen. Er ſagt, daß in weiten Thälern, wie das Rhonethal, die Südabhänge dem Kretinismus mehr unterworfen ſeien als die Nord⸗ abhänge, und empfiehlt deshalb Anpflanzungen in der Umgebung der Häuſer, um die Luft zu reinigen und ſie vor den Sonnenſtrahlen zu ſchützen. Aber alle dieſe äußeren topographiſchen Bedingungen ſcheinen nur von zweifelhaftem ganz untergeordneten Einfluſſe zu ſein, eben ſo wenig ſcheint Armuth und Mangel das Geſetz dafür zu liefern, denn verſchiedene Localitäten, die ganz gleichartige Verhält⸗ niſſe in dieſer Beziehung zeigen, bringen dennoch entgegengeſetzte Er⸗ ſcheinungen im Geſundheitszuſtand der Bewohner hervor. Nur die geologiſche Beſchaffenheit des Bodens ſcheint nach Hrn. Grange's Beobachtungen alle jene Widerſprüche löſen zu können, welche die Verbreitung des Kropfes und des Kretinismus unter den verſchieden⸗ artigſten Verhältniſſen erzeugt. In Längenthälern wie das von Chamouny und der Iſere von Conflans nach Grenoble, deren Thal⸗ gehänge von abweichender geologiſcher Beſchaffenheit ſind, findet man den Kropf oder Kretinismus auf der einen Seite der Thäler, während die entgegengeſetzte davon frei iſt.

In Querthälern, die verſchiedenartiges Terrain durchſchneiden, erſcheint und verſchwindet der Kropf abwechſelnd mit dem Auftreten dieſer oder jener geologiſchen Verhältniſſe. Das Thal, das vom Col du bonhomme herabſteigt, um ſich unterhalb der Bäder von St. Gercais mit dem Arvethal zu vereinen, das ſich bis Genf fortſetzt, bietet in dieſer Hinſicht merkwürdige Thatſachen.

In ſeinem oberen, engen und eingeſchloſſenen Theil ſieht man keinen Kropf, er wird aber häufig zwiſchen St.⸗Gercais und Sallanche, wo das Thal weit, luftig und frei iſt. Von Sallanche nach Cluſe ſchließt es ſich zwar wieder, aber gerade hier verſchwindet der Kropf. In der weiten und cultivirten Ausdehnung zwiſchen Cluſe und la Bonneville erſcheint er wieder. Die beiden Abſchnitte dieſes Thales, in denen der Kropf einheimiſch iſt, ſind die freieſten und größten, aber beide durchſchneiden ſchieferigen Kalk der Juraformation und enthalten Gyps⸗ und Dolomit Maſſen.

In andern Theilen Savoyens findet man dieſelben Thatſachen beſonders in der Maurienne, die in den Annalen des Kretinismus eine ſo traurige Berühmtheit erlangt hat. Indeß iſt die Verbreitung des Kropfes in den Diözeſen von Chambery und Maurienne ungleich und weit größer in erſterer als in letzterer; beinahe unbekannt in den hohen Thälern, die ihr Waſſer direct aus dem Gletſcherſchnee er⸗

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