Teil eines Werkes 
2. Abtheilung (1854) Beilagen
Entstehung
Seite
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Beilage 5 zu Seite 21.

Die Urſachen der Krankheiten ſind ſo mannichfaltig und zum

Theil noch ſo wenig erkannt, daß es ungemein ſchwierig iſt, den An⸗ theil auszuſcheiden, welchen der innere Bau und die Zuſammenſetzung des Erdbodens an gewiſſen örtlich vorherrſchenden Krankheitsformen nehmen mögen. Die Wirkungen des Klimas, der ungleichen Höhe, Windrichtung, Feuchtigkeit der Luft, Temperatur und deren Wechſel mögen dabei meiſt ganz vorherrſchend ſein, aber auch die Natur des Bodens übt zuweilen einen conſtanten Einfluß auf den Geſundheits⸗ zuſtand aus.

Am einflußreichſten iſt entſchieden der Bodenbau auf die Ge⸗ ſundheitszuſtände der Menſchen durch die Natur der Quellen, welche ihm entſtrömen. Schon Plinius ſagte(hist. nat. XXXI. 29.): Quippe tales sunt aquae, qualis est terra, per quam fluunt, und dieſer Ausſpruch iſt völlig richtig, und recht ſchön erprobt worden durch Struve's erſte Verſuche, künſtliche Mineralwäſſer zu erzeu⸗

gen, zu denen er Geſteine verwendete. Die Natur der Quellen hängt

ab von der Natur der durchſtrömten oder durchſickerten Gebirgsmaſſen. Das atmoſphäriſche Waſſer dringt überall beinahe als reines deſtillir⸗ tes Waſſer in den Boden ein, nimmt aber dort diejenigen auflös⸗ lichen Beſtandtheile der Geſteine auf, welche die Quellen enthalten. Nur darum ſind überhaupt die Quellen in ihrer Zuſammenſetzung und Wirkung unter einander verſchieden.

Da nun die beſondere Natur des täglich benutzten Trinkwaſſers von ganz unverkennbarem Einfluß auf das Wohlbefinden im Allge⸗ meinen und auf beſtimmte Krankheitsformen iſt, ſo iſt ſomit auch der geologiſche Bau jeder Gegend von beſtimmtem Einfluß auf das körperliche Befinden der Menſchen.

Es zeigt ſich dieſer Einfluß am deutlichſten in manchen extremen Fällen. Es gibt Orte, deren Waſſer ein Ungewöhnter durchaus nicht vertragen kann, und bei deſſen anhaltender Benutzung dann nicht ſel ten beſondere Krankheitserſcheinungen wie Ausſchlag, Ruhr u. ſ. w. eintreten, nach deren Ueberſtehen der Organismus ſich zuweilen daran gewöhnt. Noch deutlicher aber zeigt ſich die beſprochene Wirkung bei denjenigen mineralhaltigen Quellen, welche man als Heilquellen zu benutzen pflegt.

Der Menſch hat nun freilich in ſeinem Triebe, jeden Theil der Erde zu bevölkern, ſich durch ſeine mannichfachen Erfindungen von jenem ungünſtigen Einfluß in gewiſſem Grade unabhängig gemacht. Er bereitet ſich künſtliche Getränke von beliebiger Zuſammenſetzung, unter denen in neuerer Zeit ganz beſonders auch die künſtlichen kohlenſäurehaltigen Mineralwäſſer eine ſehr wichtige Rolle ſpielen.

Außer durch die Quellen, ſcheinen aber manche Gebirgsarten auch noch auf andere Weiſe auf den Geſundheitszuſtand der Men⸗