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ſchenſeelen in Thierleiber— jener Alles überwuchernden Fülle wun⸗ derbarer und koloſſaler Pflanzen⸗ und Thierformen, jeder Stelle ſeiner Heimat, in allen Arten der reizendſten und ſchreckendſten Geſtalten, die dem ganzen Völkergeſchlechte, das ſich in dieſer Umgebung be⸗ wegt, ohne ſich über ſie erheben zu können, die Unterthänigkeit des Menſchen unter die Naturgewalt, ſei es die der Berge, Gewächſe, Thiere, oder göttlicher, dämoniſcher und darum auch menſchlicher Herrſcher(Tyrannen) als eine nothwendige einprägte.
„Wenn dieſe beiden Hauptrichtungen geiſtiger, frei umherſchwei⸗ fender, oder in ſich gebannter, ſtreng verketteter Entwicklung tropiſcher Erdbewohner der alten Welt, von Arabien weſtwärts durch das ganze dürre, vegetationsleere Libyen bis zum Atlas, und oſtwärts vom waſſerreichen Indus über den Ganges und das feuchte und degetationsreiche Hinterindien, zur ungezählten Inſelſchar der Sunda⸗ Welt hinaus, in vielen Gradationen und Steigerungen die vorherr⸗ ſchenden Gegenſätze bilden: ſo zeigt ſich ſchon darin, daß nicht etwa in dem Klimatiſchen von Licht und tropiſcher Wärme, die ihrem beiderlei Boden gemeinſam ſind, die bedingende Urſache dieſer Ver⸗ ſchiedenheit ihrer ideellen Geſtaltungen liegen könne, ſondern daß zu der Phyſik der Tropen, die von aſtronomiſcher Stellung abhängig iſt, noch ein blos telluriſches Verhältniß, nämlich die räumliche Zu⸗ ſammenwirkung des Naturſyſtems in ſeiner localen Geſammterſchei⸗ nung, hinzutreten mußte, um ganzen Völkergruppen des Morgenlan⸗ des ſolche charakteriſtiſch verſchiedenartige Richtungen auf Jahrtauſende hinaus in ihren theoſophiſchen, philoſophiſchen und poetiſchen Pro⸗ ductionen und überhaupt ſolche Gepräge zu geben.
„Dieſe Gepräge werden ſo mannichfache Formen annehmen, als die landſchaftlichen Naturen des Erdkreiſes in weſentlich verſchieden⸗ artigen Charakteren hervortreten und auf Erd⸗ und Waſſerwirthſchaft, Jagd⸗ und Bergleben, Hirtenſtand, Feſtſiedelung, Umherſtreifen, Krieg⸗ führung, Friede und Fehde, Iſolirung und Geſellſchaft, Rohheit und Geſittung u. ſ. w. einwirken. Durch ihre Stellungen gegen Licht und Wärme aber, ſei es im polaren oder tropiſchen Gebiete der Erdräume, oder in ihren mittlern Breiten, überall werden ſie wieder durch die Naturumgebung allein ſchon, abgeſehen von jeder andern Einwirkung, die mannichfaltigſten Farben, Töne und Modificationen gewinnen.
„Die Oſſianiſche Dichtung auf der nackten Haide des rauhen, wolkenreichen ſchottiſchen Hochgeſtades entſpricht einem andern Natur⸗ charakter ihrer Heimat, wie der Waldgeſang des Canadiers, das Negerlied im Reisfeld am Joliba, das Bärenlied des Kamtſcha⸗ dalen, der Fiſchergeſang des Inſulaners, und alle dieſe ſind nur einzelne Laute der vorherrſchenden, gemüthlich⸗geiſtigen Stimmung und Entwicklung, welche den Naturvölkern, aus denen ſie hervor⸗ tönen, durch das Zuſammenwirken des ſie umgebenden Naturſyſtems,


