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S. 178.„Denn in frühern Jahrhunderten und Jahrtauſen⸗ den, als die Völkergeſchlechter überall mehr auf ihre Heimaten und auf ſich ſelbſt angewieſen waren, wurden ſie von der allgemeinen telluriſchen Phyſik kaum berührt; deſto mächtiger griff aber die locale Phyſik der Heimat, die vaterländiſche Natur in die Individualitäten der Völker und Staaten ein. Daher wol eben die edler begabten, zu Cultur ſich erhebenden aus der ihnen gegebenen engern Sphäre individueller und doch harmoniſch⸗vollendeter in der Erſcheinung, in ſchönern und beſtimmtern hiſtoriſchen Geſtaltungen und Charakteren hervortraten, als die der neuern Zeiten. Sie entwuchſen, unberührt von der Fremde, noch ganz dem heimatlichen Himmel und Boden, der in ſeiner vollen jungfräulichen Kraft ihr ganzes Geäder und alle
Glieder durchdrang mit ſeinen nährenden Gaben und Kräften. Da⸗ durch trat bei ihnen alles Nationale auch wirklich vaterländiſch und
heimatlich in großer Einheit auf; ſo bei Aegyptern, Perſern, He⸗ bräern, wie bei Hellenen und Italern, als noch keine moderne Ver⸗ pflanzungsweiſe oder Coloniſation, Umtauſch, Verkehr durch Hin⸗ und Rückwirkung auf und aus der Fremde der Culturentwicklung in der Heimat vorherging, um einen noch größern Ertrag für das Allge⸗ meinere zu erzielen.“
S. 187.„Es iſt wol keinem Zweifel unterworfen, daß ein ſo tiefer Eindruck des planetariſchen Naturſyſtems in ſeiner räumlich localiſirten Anordnung, wie auf die jugendliche Entwicklung jedes einzelnen Menſchen, ſo noch weit mehr auf die ganzer Völkerſchaf⸗ ten, auch abgeſehen von allen andern begleitenden Wirkungen, nicht ohne den wichtigſten Einfluß auf gemüthliche und geiſtige Umgeſtal⸗ tung des innern Menſchen, wie auf deſſen individualiſirte Erſchei⸗ nung nach außen, in den verſchiedenen Regionen des Erdballs, durch die Jahrhunderte der Menſchengeſchichte hindurch, geblieben ſei. Hierin liegt alſo, außer der Geſchlechtsabſtammung, eine mitwirkende Bedingung für die Entwicklung der Völkerindividualität durch die Naturumgebung, welche ſich als unfreiwillige Lebensgewöhnung dem Gemüthe des Menſchen unverkennbar einprägt, zugleich aber auch daſſelbe wieder zu einer dem Locale ſtets gemäßen geiſtigen Thätig⸗ keit und Production anregt.
„Der nomadiſirende Araber, mit der umherſchweifenden Phan⸗ taſie, verdankt wol ſeine freiere, ungebundene, geſtaltloſe Gedanken⸗ und Märchenwelt, mit der er ſich die leeren, unermeßlichen Räume ſeines Bodens, wie ſeines ewig klaren, wolkenloſen Himmels auszu⸗ füllen ſtrebt, eben ſo ſehr der Natur ſeiner Heimat, in welcher ſein feurig⸗thätiger Geiſt und Leib ſich Alles erſt erjagen und erſchaffen muß, wie der in ſich gekehrte, feſtgeſiedelte, aber in die üppigſte Na⸗ tur gleichſam verwachſene Hindu, diesſeit und jenſeit des Ganges, die
ſeine mit dem phantaſtiſch⸗theoſophiſchen Hervorſproſſen der Götter
aus Ranken, Blumen, Bäumen und der Transmigration der Men⸗ 1*


