Teil eines Werkes 
2. Abtheilung (1854) Beilagen
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen

2

Hier zeigt ſich der Einfluß, den die Natur auf die Völker, und zwar in einem noch weit höhern Grade als auf den einzelnen Menſchen, ausüben muß, weil gleichſam hier Maſſen auf Maſſen wirken und die Perſönlichkeit des Volkes über die des Menſchen hervorragt.

Dieſer Einfluß iſt anerkannt und von jeher ein wichtiger Ge⸗ genſtand der Unterſuchung für Völker⸗, Staats⸗ und Menſchen⸗ geſchichte geweſen; auch in unſern Tagen iſt er laut zur Sprache gekommen.

Es wirkt aber die Natur überall nur allmälig, und mehr noch im Verborgenen als am hellen Tage. Das Samenkorn keimt unter der Erde und in der verhüllten Knospe iſt ſchon wieder die Schö⸗

pfung eines neuen Geſchlechts vorbereitet. So ſind ihre Verhältniſſe

ud Kinwirkungen überall tiefer, als ſie erſcheinen, einfacher, als ſie

in der erſten Mannichfaltigkeit ausſehen, und zum Erſtaunen weit ſich verbreitend und folgenreich. Ja die ſtille Gewalt, die ſie ausübt,

bedarf einer gleich ſtillen Seele, in die ihre Erſcheinungen ein⸗ gehen, um in ihrer Geſetzmäßigkeit ungeſtört bis zum Mittelpunkte zu dringen.

Es bedarf, um eine ähnlich gebildete Seele zu begreifen, oft nur eines äußern Zeichens, des rechten Blickes, des innigen Wortes, weil das Gleiche das Gleiche verſteht. Aber die Natur ſteht dem Menſchen jetzt wenigſtens nicht mehr ſo nahe; ſie iſt ihm ein ge⸗ heimnißvolles Weſen geworden, und nur im großen Zuſammenwirken ihrer Kräfte, im Zuſammenhange ihrer Erſcheinungen will ſie be⸗ trachtet ſein. Dann erſt wirft ſie und ſtrahlt ſie Licht und Leben

aus auf alle Wege, welche der menſchliche Eifer zu betreten wagt; ja ihr Glanz wird dann ein blendendes Geſtirn, deſſen ganze Fülle er doch nicht aufzufaſſen vermag. Dann hellt ſie alle Verhältniſſe der Schöpfung, die wir belebte und unbelebte Natur zu nennen pflegen, auf, gibt über Alles, worüber wir ſie befragen, die erſten Aufſchlüſſe und vor allem auch über den Menſchen.

Sollte es ſich nicht der Mühe verlohnen, um der Geſchichte des Menſchen und der Völker willen, auch einmal von einer minder beachteten Seite, von dem Geſammtſchauplatze ihrer Thätigkeit aus, der Erde in ihrem weſentlichen Verhältniß zum Menſchen, nämlich der Oberfläche der Erde, das Bild und Leben der Natur in ihrem ganzen Zuſammenhang ſo ſcharf und beſtimmt, als einzelne Kräfte es vermögen, aufzufaſſen und den Gang ihrer einfachſten und am allgemeinſten verbreiteten geographiſchen Geſetze in den ſtehenden, be⸗ wegten und belebten Bildungen zu verfolgen?

Von dem Menſchen unabhängig iſt die Erde auch ohne ihn und vor ihm der Schauplatz der Naturbegebenheiten; von ihm kann das Geſetz ihrer Bildungen nicht ausgehen. In einer Wiſſenſchaft der Erde muß dieſe ſelbſt um ihre Geſetze befragt werden.

,,...J.