Teil eines Werkes 
1. Abtheilung (1854)
Entstehung
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Einfluß des Bodens auf die allgemeine Entwickelung des Menſchen.

§. 2.

Am ſchwierigſten iſt es natürlich, die Wirkungen des Bodens auf die Natur des Menſchen in irgend einer Richtung ſpeciell zu zeigen. Wo ſo vielerlei Einflüſſe im wechſelnden Spiel ein Pro⸗ duct erzeugten, da iſt es kaum noch möglich, die einzelnen zu ſondern. Wir vermögen nur ganz allgemein zu behaupten, daß der heutige Menſch mit all ſeinen Eigenſchaften das endliche Product all der phyſiſchen und geiſtigen Eindrücke ſei, durch welche die ihn umgebende Außenwelt auf ihn und ſeine Vorältern von An⸗ beginn an eingewirkt hat. Die immer höhere Entwickelung des Menſchengeſchlechts iſt eine allgemeine, aber die beſondere Stufe und Art derſelben iſt eine beſondere locale 1). Welchem andern Umſtande können wir die Unterſchiede der Völkerſtämme(die Nationalverſchiedenheiten), die großen Ungleichheiten ihrer phyſi⸗ ſchen wie geiſtigen Entwickelung zuſchreiben, als der phyſiſchen Ungleichheit der Länder?

Es iſt ganz der Geſammtnatur und ſelbſt dem geologiſchen Bau dieſer Erdtheile entſprechend, daß die Bewohner Europas höher entwickelt ſind als die Aſiens, und dieſe höher als die Afrikas. Auf ähnliche Urfachen weiſen im Grunde alle natio⸗ nalen Verſchiedenheiten hin, nur daß ſie nicht überall ſo deutlich hervortreten, weil die Völker theils ihre Wohnplätze gewechſelt haben, theils in vielfachen ausgleichenden Verkehr miteinander getreten ſind. Wir finden mit gewiſſen Modificationen noch jetzt räumlich nebeneiander, was bei den entwickeltſten Völkerſtämmen hiſtoriſch hintereinander liegt. Die Ungunſt des Landes hat den Neuholländer in der erſten Kindheit der Entwickelung zurück gehalten, während ſeine Begünſtigung die Europäer die höchſte Stufe der Civiliſation erklimmen ließ. Wenn aber auch Spe⸗ cielles ſich in dieſem Falle nicht nachweiſen läßt, ſo müſſen wir doch jedenfalls die Natur des Landes als eine Haupturſache na tionaler Verſchiedenheit betrachten. In der Natur des Landes