Teil eines Werkes 
1. Abtheilung (1854)
Entstehung
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kleinen Stamm irgendwo eingewandert und feſtgeſetzt, ſo wird er ſich den gegebenen Bodenverhältniſſen anſchmiegen, ſeine Sitten und ſeine Induſtrie ihnen entſprechend entwickeln, und wenn er ſich nun mehr und mehr ausbreitet, ſo wird das vorzugsweiſe nach den Richtungen hin geſchehen, wo die gewohnten, durch viele Generationen vertraut gewordenen Bodenverhältniſſe am ähnlich⸗ ſten ſich vorfinden. Auf dieſe Weiſe entſtanden beſondere Volks⸗ ſtämme in gewiſſen natürlichen Abgrenzungen, und von dieſen einfachen Normen erfolgten nur Ausnahmen durch äußern oder innern Drang(Krieg oder Uebervölkerung) oder durch das Lockende weit ergiebigerer Landſtriche der Nachbarſchaft.

Das iſt nicht etwa lediglich Folge der äußern Formverhält⸗ niſſe, die ohnehin ſtets von den innern abhängen; der Einfluß jener herrſcht freilich vor, aber auch der innere Bau, der geo⸗ gnoſtiſche, iſt nicht ohne Wirkung. Wer gute geologiſche Karten vergleicht, der wird bald erkennen, daß gerade der geologiſch bun⸗ teſte Theil Deutſchlands, zwiſchen dem Erzgebirge und dem Rhein, auch der politiſch und der Stammverſchiedenheit nach bunteſte iſt. Doch darf man ſich dabei nicht durch die bloße Farbenmannich⸗ faltigkeit der geologiſchen Karten allein leiten laſſen; dieſe iſt in gewiſſem Grade eine willkürliche, da leider ein Jeder beliebige Farben für beliebige Geſteinsabtheilungen zu wählen pflegt. In dieſem Falle iſt aber wirklich auch der Wechſel heterogener und auf Induſtrie und Bodengeſtaltung einflußreicher Geſteine ſehr groß.

Wie einförmig erſcheinen dagegen geognoſtiſch das alte Preu⸗ ßen, Baiern, Böhmen und das Erzherzogthum Oeſterreich.

Dieſer ſehr mannichfaltige Bau, der für die Einheit Deutſch⸗ lands jedenfalls ungünſtig war und noch iſt, hat nicht wenig bei⸗ getragen zu der geiſtigen Durcharbeitung, Schmiegſamkeit und Vielſeitigkeit unſerer Nation, aber ebenſo auch zu dem Mangel an Einheits⸗ oder Nationalgefühl.

Ich verkenne nicht, daß der Einfluß des innern Bodenbaues auf das Leben der Menſchen größtentheils nur ein indirecter iſt, der überdies vielfach durch andere ſtärkere Einflüſſe modificirt, verſchoben oder theilweiſe überwunden wird; aber bedenken muß

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