Woraus beſteht der Boden? 17
fortgeſchafft worden iſt. In Zeiten der Näſſe wird die Bodenluft durch das eindringende Waſſer aus den größeren und kleineren Lücken des Bodens nach außen verdrängt; ſobald aber das in den größeren Hohlräumen verſinkende und verſickernde Waſſer Platz macht, folgt die äußere Luft auf dem Fuße nach. Der Boden bekommt ſo ab⸗ wechſelnd Luftbäder und Waſſerbäder; nur dem verſumpften Boden wird dieſe Wohlthat nicht zu teil, weil in ihm alle Hohl⸗ räume, kleine und große, fortwährend mit Waſſer gefüllt ſind.
In ihrer Zuſammenſetzung ähnelt die Bodenluft der freien atmoſphäriſchen Luft. Dieſe iſt in der Hauptſache ein Gasgemenge von Sauerſtoff, Stickſtoff, Kohlenſäure und Waſſergas. Dieſelben Gaſe haben wir auch in der Bodenluft zu erwarten, jedoch iſt ſie, namentlich in dem humushaltigen und gedüngten Kulturboden, ärmer an Sauerſtoff, dafür reicher an Kohlenſäure, weil bei den im Boden vor ſich gehenden Zerſetzungsprozeſſen Sauerſtoff verbraucht, Kohlenſäure erzeugt wird. Die Ammoniak⸗ ſalze(kohlenſaures, ſalpetrigſaures und ſalpeterſaures Ammonium,, die in geringer Menge in der atmoſphäriſchen Luft vorkommen, werden mit dem Regen ꝛc. niedergeſchlagen und im Boden in ſalpetrig⸗ ſauren und ſalpeterſauren Kalk und in kohlenſaures Ammoniak umgeſetzt.
Sowohl dieſes, als auch jenes kohlenſaure Ammoniak, das bei der Verweſung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens entſteht, wird von der thonigen Feinerde begierig abſorbiert und feſtgehalten, um jedoch bald eine eigentümliche Zerſetzung und Umwandlung zu erfahren. Die Ammoniakſalze werden nämlich durch äußerſt kleine, im Boden befindliche Lebeweſen beſtimmter Art in ſalpetrigſaure Salze(Nitrite) übergeführt, die ihrerſeits durch Vermittlung kleiner Lebeweſen anderer Art ziemlich raſch in ſalpeterſaure Salze(Nitrate) übergehen.
Die Klarlegung dieſes intereſſanten und wichtigen Zuſammen⸗ hangs von Thatſachen haben wir Winogradsky zu verdanken.*)
Ich frage nun jetzt, um immer ſtreng bei der Sache zu bleiben, gehören die betreffenden kleinen Lebeweſen, die ſog. Salpeter⸗ fermente, zu den Beſtandteilen des Bodens, oder nicht? Der Geolog
*) E. Schulze hat im„Landw. Jahrbuch der Schweiz“, 1891, S. 82— 85, über die Arbeiten Winogradskys kurz referiert.
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Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 2


