16 Begriff und Weſen des Bodens.
Obergrunde, ein gewiſſer Humusvorrat vorhanden. Ebenſo ſind jederzeit die Zerſetzungsprodukte des Humus vorhanden. Es ge⸗ hören mithin nicht bloß die Humusſubſtanzen ſelbſt, ſondern auch ihre Zerſetzungsprodukte: Kohlenſäure, Waſſer und Ammoniak nebſt der Aſche zu den Beſtandteilen des Bodens.
Waſſer kommt überdies mit jedem Regen und mit jedem anderweitigen Niederſchlag in den Boden. Es geht aus dem Boden fort, teils nach unten, teils nach oben, fällt aber immer wieder vom Himmel zur Erde herab, und in den Zuſtand abſoluter Trocken⸗ heit gelangt der Boden höchſtens nur vorübergehend, in unſerem gemäßigten Klima vielleicht niemals. Jedenfalls ſind wir berechtigt, das wirklich im Boden befindliche Waſſer zu den Beſteandteilen des Bodens zu rechnen, und zwar denken wir dabei weniger an das Grundwaſſer, als vielmehr an die in den Poren des Bodens ſitzende und den Bodenteilchen äußerlich anhaftende Feuchtigkeit.
Mit demſelben Recht können wir auch die im Boden befind⸗ liche Luft zu den Beſtandteilen des Bodens zählen. Daß Luft ſich wirklich im Boden befindet, ergiebt ſich aus dem Gefüge des Bodens ohne weiteres. Da der Boden nämnlich nicht eine völlig dichte, ſondern, ganz ähnlich wie die Krume des Brotes, eine löchrige, lückige oder höhlige Maſſe darſtellt, ſo müſſen die Hohlräume, die das Waſſer freiläßt, ſelbſtverſtändlich mit Luft gefüllt ſein. Waſſer und Luft verteilen ſich ſo im Boden, daß das Waſſer die kleineren, die Luft die größeren Hohlräume einnimmt; jedoch wird auch ein Teil der Luft im Waſſer aufgelöſt. Will man ſich näher vor Augen führen, daß der Boden in der That Luft enthält, ſo braucht man nur einen ausgetrockneten Lehmbrocken in ein mit Waſſer gefülltes Glas fallen zu laſſen; man ſieht dann die Luftblaſen aufſteigen, und zwar um ſo reichlicher, je ſtärker der Lehmbrocken vorher ausgetrocknet war.
In der freien Natur ſteht die Bodenluft mit der äußeren Luft in fortwährendem, oder doch oft wiederholtem Austauſch. Schon durch den Wechſel von Tag und Nacht(Temperaturdifferenzen ꝛc.) wird dies bedingt, noch mehr aber durch den Wechſel von Regen und Sonnenſchein. In Zeiten der Trockenheit dringt die äußere Luft, die unter einem mittleren Druck von 720 mm Queckſilber ſteht, in alle Hohlräume des Bodens ein, aus denen das Waſſer durch die Wurzelhaare aufgeſaugt oder durch einfache Verdunſtung


