Vorbereitender Teil.
Begriff und Weſen des Bodens.
a) Was verſteht man unter Boden?
Das Wort Boden iſt uns an und für ſich nicht verſtändlich, weil es in verſchiedenem Sinne gebraucht wird. Der Töpfer, der Böttcher, der Zimmermann verſteht unter Boden etwas anderes als der Landwirt. Wir wollen verſuchen, uns den Begriff des Bodens klar zu machen, indem wir ihn ſprachlich entwickeln.
Nach dem„Deutſchen Wörterbuch“ der großen Sprachforſcher Jakob und Wilhelm Grimm iſt das deutſche Wort Boden urverwandt mit dem lateiniſchen Wort fundus. Fundus kommt her von fundere, und das heißt gießen, ſchütten ec. Hiernach iſt Boden urſprünglich Guß(z. B. Opferguß) oder Gegoſſenes(z. B. ein Boden Wachs), und dementſprechend bedeutet Boden an einem Gefäß(Topf, Faß, Sack ꝛc.) die untere, innere Fläche, auf die gegoſſen oder geſchüttet wird.*)
*) Unſer Wort Boden hat manche Wandlungen durchgemacht. Die älteſte Form iſt uns in der Benennung des Bodan oder Boden Sees = potamicus lacus erhalten. Das in potamicus liegende Wort hat ſich in folgender Weiſe entwickelt: pötam= pödam= bödom= bödem= böden = böden. In dem Winkel, wo die Provinzen Poſen, Weſtpreußen und Brandenburg zuſammenſtoßen, heißt das Wort noch jetzt bodom; ich weiß das genau, weil die dortige Sprache meine Mutterſprache iſt. Sonſt findet ſich das Wort bodom nirgends mehr in der Welt. Die Engländer
haben bottom, die Schweden botten, die Niederländer bodem, die Dänen bund(anſtatt budn und bodn).
Nowacki, Bodenkunde. 3. Auflage. 1


