18 Begriff und Weſen des Bodens.
und Mineralog wird dieſe Frage wahrſcheinlich verneinen, der Chemiker, Phyſiolog und Landwirt wird ſie wahrſcheinlich bejahen.
Schon länger wiſſen wir, daß außer den eben berührten auch noch ganz anders geartete kleine Lebeweſen im Boden vorkommen, die in den Wurzelknöllchen der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen zur Entwicklung gelangen und auf irgend eine bis jetzt nicht näher erforſchte Weiſe die Bindung und Nutzbarmachung des freien Stickſtoffs beſorgen oder vermitteln. Nach ihrem Entdecker Beyerinck nennt man dieſe Lebeweſen Wurzelbakterien, und es iſt wahrſcheinlich, daß jede der ſtickſtoffſammelnden Pflanzenarten: Bohnen, Erbſen, Wicken, Lupinen, Serradella, Klee, Luzerne, Eſpar⸗ ſette u. ſ. w. ihre eigene Art oder Varietät von Wurzelbakterien beſitzt und verlangt. Dieſe Wurzelbakterien gehören, ſofern und ſoweit ſie im Boden liegen, ebenfalls zu den Beſtandteilen des Bodens.
Dasſelbe gilt von den wiederum anders und unter ſich ver⸗ ſchieden gearteten kleinen Lebeweſen, die an der Zerſetzung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens beteiligt ſind. Nur der Spezialforſcher vermag dieſe kleinen Organismen zu unterſcheiden und auseinanderzuhalten; der Laie bezeichnet ſie als Pilze, Fäulnis⸗ und Verweſungserreger ꝛc., und er kann ſich einen Begriff von ihrer Menge machen, wenn er erfährt, daß in 1 g Erde 4—500 000, in manchen Fällen ſogar 7— 900 000 Bakterien ermittelt worden ſind.
Die vorſtehend genannten kleinen Lebeweſen ſind nützliche; es giebt aber auch ſchädliche. Von dieſen erinnern wir an die Sporen der gefährlichen Brandpilze, die, wie Brefeld zuerſt nachge⸗ wieſen, längere Zeit lebensfähig im Boden verweilen.
Es ſchließen ſich unmittelbar an: die kleinen tieriſchen Feinde unſerer Kulturpflanzen, z. B. die von Julius Kühn näher erforſchten Rübennematoden, Weizenälchen, Roggenälchen ec., die ſo ſehr Beſtandteile des Bodens werden können, daß ſie den Boden förmlich verſeuchen.
Es ſchließen ſich weiter an: die ſchädlichen Engerlinge, die ſich während ihres einige Jahre dauernden Larvenzuſtandes im Boden auf⸗ halten, und die nützlichen Regenwürmer, die ihr ganzes Leben im Erdboden zubringen und ſo ſehr mit ihm eins ſind, daß man ſie nicht bloß im Boden, ſondern auch den Boden in ihnen findet. U. ſ. w.
Wollte man gegen dieſe Darſtellung einwenden, daß man nur


