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nahe verwandte Mohar, Setaria germanica, auf trockenem Sandboden hier und da als Grünfuttergewächs benutzt wird.
Ehemals war das anders. Vtelleicht iſt dieſe Hirſeart das älteſte Getreide der Welt. Im fernen Oſten, bei den Chineſen, ſpielt ſie immer noch eine ſehr bedeutende Rolle; ſie gehört zu den geheiligten Pflanzen, deren Same ſeit dem Jahre 2822 v. Chr. bei dem alljährlich wiederkehrenden Feſte von des Kaiſers eigener Hand ausgeſäet wird. Und bei den älteſten Völkern, welche im erſten Dämmern der Geſchichte auf dem Schauplatz von Europa auftreten, bei den Iberern und Kelten, war ſie die gewöhnliche Brotfrucht.
Auch in den deutſchen Landen war ſie in vorhiſtoriſcher Zeit allgemein verbreitet. Denn wir finden überall bei uns auf ſandigen Ackern ihren verwilderten und verkümmerten Abkömmling: den grünen Fennich, Setaria viridis.
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Schauen wir rückwärts, ſo verliert ſich der Anfang des Getreide— baus im Dunkel der Vergangenheit. Schauen wir vorwärts, ſo wiſſen wir nicht, was da kommen wird. Bis jetzt aber iſt die Verheißung in Erfüllung gegangen, welche Noah erhielt, als nach der Sündflut die Sonne durch die Wolken brach und ihr gegenüber am ſchwarzen
Firmament der farbige Bogen erſchien, das Zeichen des Bundes und des Friedens: 4 So lange die Erde ſtehet, ſoll nicht aufhören Same und Ernte, Froſt und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Berlin, Druck von W. Büxenſtein.


