260—
eine größere oder geringere Menge von Sorten hervorgebracht. So finden wir in dem Handbuch des Getreidebaus von Körnicke und Werner 22 Varietäten und 348 Sorten aufgezählt und mehr oder minder ausführlich beſchrieben. Danach läßt ſich die Mannigfaltigkeit der Formen und Farben einigermaßen beurteilen.
Zum Glück hat jedoch die Mehrzahl von dieſen Sorten für unſere Verhältniſſe keinen Wert. Selbſt von den Varietäten können wir die meiſten ſtreichen, ſo namentlich diejenigen mit bläulich oder ſchwärzlich gefärbten Ähren, ſowie ferner auch diejenigen mit ſamtig behaarten Ähren, weil der pelzartige überzug der Spelzen das Waſſer wie ein Schwamm einſaugt und feſthält und daher bei regneriſchem Erntewetter das„Auswachſen der Körner“ begünſtigt.
Somit kommen nur diejenigen Varietäten auf die engere Wahl, bei welchen die Ahren weißlich oder rötlich gefärbt, und bei welchen ſie zugleich kahl, d. h. nicht ſamtig behaart erſcheinen. Zu dieſen Varietäten gehören die Sorten, welche für die Kultur Bedeutung haben. Die wichtigeren derſelben ſind in der folgenden Üüberſicht aufgeführt.
Überſicht der wichtigeren Varietäten und Sorten des gemeinen Weizens.
1. Abteilung: Kolbenweizen.
Ahre unbegrannt.
I. Gruppe: Weißkörnige Kolbenweizen. Körner weißlich oder hellgelb. Sorten: 1. Frankenſteiner Weizen O.*) Stammt aus Schleſien. Seine Heimat iſt das Hügelland an der oberen Ohlau zwiſchen Münſterberg und Frankenſtein. Dort iſt er ſehr konſtant. Anderswo ſoll er leicht ausarten. Ich kenne aber ein Gut in Weſtpreußen, wo er ſich ſogar verbeſſert hat. Es kommt alſo auf den Boden an, der für dieſen edlen Weizen trocken gelegen, mild und namentlich auch talkhaltig ſein muß. Die Körner haben eine ſchöne weißgelbe Farbe und ſind überwiegend„mehlig“. In einer Originalprobe fand ich 90 pCt, weißgelbe und 10 pCt. rotgelbe Körner. Der Weizen beſteht alſo ſchon in ſeiner Heimat aus zwei Varietäten. Dies thut ſeinem Wert keinen Abbruch, kann aber die mehrfach beobachtete Umwandlung in Rotweizen erklären. Im übrigen iſt er, worauf bei jeder Sorte immer beſonders zu achten, winterfeſt. 2. Kujawiſcher Weizen. O 3
Stammt aus Kujawien d. i. die Gegend an der oberen Netze mit der Stadt Kruſchwitz als Zentrum. Dieſe Sorte iſt der vorigen dich 2 namentlich enthält ſie ebenfalls neben den weißen eine Anzahl roter Körner. Darum paßt auf ſie die Bezeichnung: bunter polniſcher Weizen.
*) Das Zeichen bedeutet Winterweizen, das Zeichen O bedeutet Sommerweizen.


