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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
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30 Monate lang gelagerter Hafer hatte 7,2% Trockenſubſtanz mehr verloren, als der die gleiche Zeit in einem geſchloſſenen Getreidebehälter aufbewahrte Hafer. Die Stärke war dabei um 6% vermindert, auch das Protein zeigte eine Abnahme. Mais hatte nach 16 Monaten an der Luft 10% Trockenſubſtanz mehr verloren, als im geſchloſſenen Be⸗ hälter.

Hieraus hat man die Folgerung gezogen:Das Getreide ſolle möglichſt trocken, kühl und unter Luftabſchluß aufbewahrt werden.

Theoretiſch läßt ſich hiergegen nichts ſagen, aber wie ſteht's mit der praktiſchen Ausführung?

Es iſt eine alte Sache auch unſere Vorfahren waren hiermit vertraut, das Getreide in Erdgruben aufzubewahren. Darin liegt

es kühl und abgeſchloſſen von der Luft. Aber die dritte Bedingung trocken, läßt ſich ſchwer erfüllen. Die Körner werden ſchimmlig und dumpfig. Hiermit iſt es alſo nichts.

In neuerer Zeit hat man in Frankreich und Ungarn Getreide⸗ türme erbaut, die oben gefüllt und unten geleert worden. Sie ſind teuer in der Herſtellung, umſtändlich in der Benutzung, ohne daß ſie Sicherheit in der Aufbewahrung und Erhaltung der Samenvorräte ge⸗ währten. Hiermit iſt es alſo ebenfalls nichts.

Endlich hat Haberlandt vorgeſchlagen, die Körner in künſtlich er⸗ wärmter Luft bei einer Temperatur von 50 600 C. zu trocknen und dann in gemauerte, luftdicht verſchließbare Behälter zu bringen, die gleichfalls von oben gefüllt und unten durch einen Trichter entleert werden könnten. Dadurch würde ſich nach H. erreichen laſſen:

1. Eine weit vollkommnere Aufbewahrung der Körnervorräte, als dies bisher bei der gewöhnlichen Aufbewahrungsmethode der Fall war;

2. es würde ein vollkommenerer Schutz gegen jegliches Ungeziefer gefunden;

3. gegen jegliche Feuersgefahr wäre vollkommene Sicherheit ge⸗ boten;

4. während der Aufbewahrung entfiele jegliche Manipulation, ſomit e an Koſten erſpart.

Das klingt nun recht ſchön, aber man ſtelle ſich einmal vor, was es auf ſich hat, ſämtliches Getreide ſofort nach dem Aufmeſſen bei einer genau regulierten Temperatur von 50 600 künſtlich zu trocknen! Und wenn man das Trocknen glücklich erreicht und die Behälter deren man mindeſtens ſo viele haben müßte, wie Haufen auf einem gewöhn⸗ lichen Schüttboden gefüllt hat, und es iſt nötig, einen Behälter zum Zweck der Reinigung oder Sortierung zu entleeren, ſo ziehen die künſt lich getrockneten Körner, und zwar mit weit größerer Begier als gewöhn⸗

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