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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
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und ſicherſten mit den Zähnen probiert, erſt dann iſt der Zeitpunkt zum Einfahren gekommen.

Dieſer Grundſatz gilt ebenſowol für Handels⸗ wie für Saatwaare. Wird das Getreide in die Scheune oder Miete geſchafft, ehe es durch und durch trocken geworden iſt, ſo tritt ein übermäßiges Erhitzen und Schwitzen ein, demzufolge die Körner verſchimmeln und die Keimfähig⸗ keit und die helle Farbe verlieren, was für Saat- und Handelswaare gleich nachteilig iſt. Daher die alte Regel: Es iſt beſſer, wenn die Frucht auf dem Felde verdirbt, als in der Scheune.

Andererſeits darf aber auch keine Stunde verſäumt werden, das Getreide in Sicherheit zu bringen, ſobald es ſeine volle Nachreife bereits erlangt hat. Das Prinzip, mit dem Einfahren ſo lange zu warten, bis Alles abgemäht, gebunden, aufgeſtellt und nachgeharkt iſt, kann ich nicht billigen, obwol ich auch die Ordnung liebe.Wir wiſſen, ſagt der er⸗ fahrene Schwerz,was für Wetter wir heute haben, nicht aber, welches uns morgen bevorſteht.

Im übrigen von dem wichtigen Geſchäft der Ernte nur noch ſo viel: Iſt der Herr beim Aufladen, die Frau beim Abladen, der Hofmeyer beim Packen, der Sohn oder Verwalter beim Binden, und fehlt es nicht an einem ermunternden Wort und von Zeit zu Zeit an einem erfriſchen⸗ den Trunk, dann kann man darauf zählen, daß in den ſechs Tagen der

Woche ſo viel geſchafft wird, daß man am Sonntag ruhen darf.

Das Dreſchen, Reinigen und Aufbewahren des Getreides.

Die Aufbewahrung des Getreides bis zum Druſch geſchieht in Deutſchland gewöhnlich in den Scheunenräumen. Daß dies bequem und zweckmäßig iſt, kann nicht geleugnet werden, aber man kann fragen, ob es in Rückſicht auf die Anlage und Verzinſung des Baukapitals nicht zu koſtſpielig wird.

Unſere Konkurrenten in Amerika ſparen das Geld für die Scheunen, indem ſie das Getreide gleich nach der Ernte mit der Dampfdreſchmaſchine auf dem Felde ausdreſchen und die marktfähige Waare, welche nur vor übergehend in leichtgebauten Schuppen aufgeſchüttet wird, ſo bald als möglich verkaufen und abliefern.

Die Engländer halten ſich auf der goldenen Mittelſtraße: ſie erbauen kleine Scheunen, die hauptſächlich als Tenne dienen, das meiſte Getreide ſtellen ſie in Feimen.

Dieſes Prinzip hat viel für ſich, und wir ſind auf dem beſten Wege,

es zu adoptieren. Die Vermehrung der Dampfdreſchmaſchinen, deren