Wie man ſieht, ſind die Zahlen hier durchweg niedriger, als oben.— Es läßt ſich erwarten, daß die Körner bei der Quellung ungefähr ſo viel Waſſer aufnehmen, wie ſie bei dem Reifen abgegeben haben. Dieſes Quantum wird mindeſtens erforderlich, aber auch ausreichend ſein, um die Körner gleichmäßig zu durchtränken. Völlig ausgewachſene, in der Milchreife ſtehende Weizenkörner zeigtens) einen Waſſergehalt von 51 ½%. Das Mittel aus den beiden von Hoffmann und Nobbe gefundenen Quellungszahlen iſt 52 ½%.— Bei milchreifen Roggen⸗ körnern fand ich einen Waſſergehalt von 62%. Die betreffende Quellungszahl iſt nach Hoffmann 58; nach Haberlandt am dritten Tage, an welchem die Haberlandt'ſchen Zahlen mit den Hoffmann'ſchen am beſten übereinſtimmen, aber ſchon 60. Daraus ergibt ſich, daß die gemachte Vorausſetzung wenigſtens für den Weizen und für den Roggen zutrifft.
2. Wärme. Die zweite Bedingung für die Keimung iſt Wärme. Es gibt für jede Getreideart ein Minimum, ein Maximum und ein Optimum der Keimungstemperatur. Das Minimum iſt die untere, das Maximum iſt die obere Grenze der Temperatur, bei welcher ein Keimen noch möglich iſt. Zwiſchen dieſen beiden Grenzen, aber dem Maximum weit näher als dem Minimum, liegt das Optimum, worunter man diejenige Temperatur verſteht, bei welcher die Keimung in der kürzeſten Zeit erfolgt.**)
Fr. Haberlandt hat über dieſe Verhältniſſe zahlreiche Verſuche angeſtellt, deren Ergebniſſe, ſo weit ſie hierher gehören, in folgender Tabelle verzeichnet ſind.
Minimum Maximum Optimum der Keimungstemperatur. bei Weizen.. 3.4. C. 30— 320 C. 250 0O. „ Roggen. 1 2 30 25 „ Gerſte. 3. 28—30 20 „ Hafekk. 4—5 30 25 Mais.. 8.10 40—44 32— 35.
Die Zahlen bedürfen kaum einer Erläuterung. Es mag nur darauf hingewieſen werden, daß die untere Grenze der Keimungstemperatur **) A. Nowacki, a. a. O. S. 39. 1 **) Nach den Unterſuchungen v. Liebenbergs.„Uber den Einfluß intermittierender Erwärmung auf die Keimung von Samen“.(Bot. Centralblatt, Nr. 14, 1884, S. 21) iſt die bisherige Anſchauung, einen beſtimmten Temperaturgrad als Optimum für die Keimung zu betrachten, aufzugeben oder wenigſtens zu modifizieren, und die bisherigen Keimverſuche bei konſtanter Temperatur ſind durch ſolche bei periodiſch wechſelnder Temperatur zu ergänzen, gemäß den Vorgängen(Wechſel von Tag und Nacht) in der freien Natur.


