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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
Seite
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S

Dieſe Andeutungen werden zur vorläufigen Orientierung genügen. Um einen Einblick in die Keimungsvorgänge zu erlangen, iſt es aber unerläßlich, die Frucht etwas näher zu betrachten. Dies wird am kürzeſten und deutlichſten an der Hand einiger Zeichnungen geſchehen.

Fig. 15 zeigt den 20 fach vergrößerten Querſchnitt durch ein Weizen⸗ korn(Triticum vulgare). Das Korn iſt auf der Rückenſeite r ge⸗ wölbt, auf der entgegengeſetzten Bauchſeite mit einer Furche f verſehen. Den weitaus größten Teil des Kornes nimmt der Mehlkörper m ein, deſſen äußere peripheriſche Schicht von der Kleberſchichtn gebildet wird. Der Mehlkörper mit der zugehörigen Kleberſchicht heißt auch das Endo ſperm. Ringsherum iſt das Endoſperm von der Schale p eingeſchloſſen, welche an der Furchenſeite tief in's Innere hineingeht, indem der Ein⸗ ſchnitt der Furche durch Vergrößerung des Mehlkörpers zugewachſen oder gewiſſermaßen überwallt iſt.

Fig. 16 zeigt den 10fach vergrößerten Längsſchnitt durch ein Weizen⸗ korn. Der Schnitt iſt durch die Furche geführt; er halbiert das Korn der Länge nach genau in der Mitte. m iſt der Mehlkörper mit der Kleberſchicht n; p iſt die Schale. Die Schale bedeckt auch den Keim⸗ ling k, der ſich an der Rückenſeite der Frucht, und zwar an dem unteren ſpitzen Ende derſelben befindet. Bei x, wo die Spitze des Keimlings anliegt, zeigt die Schale eine ſcharfe Einbiegung.

In Fig. 17 iſt der Keimling(Embryo) des Weizens gleichfalls im Längsſchnitt, jedoch bei ſtärkerer Vergrößerung vollſtändiger dargeſtellt. Man ſieht am unteren Ende die Wurzel w mit der Wurzelhaube wh, beide eingeſchloſſen von der großen Wurzelſcheide ws. Am oberen Ende ſitzt die aus mehreren Blättern beſtehende Knoſpe a, welche ſich nach der Keimung zum Graskeim und weiterhin zum Halm entwickelt. Sämt⸗ liche Blätter des Graskeims ſind von dem Scheidenblatt sb eingeſchloſſen, in deſſen Achſel eine zweite ganz kleine Knoſpe b zu bemerken iſt ein Anfang der Beſtockung. In mittlerer Höhe des Keimlings, zwiſchen Wurzel und Graskeim, befindet ſich der Stamm mit dem Keimknoten kk. In dem Knoten kreuzen ſich die(mit ſchwachen Linien angedeuteten) Stränge der Gefäßbündel. Rechts außen an dem Stamm ſitzt ein ſchuppenförmiges Blatt, die Keimſchuppe f. Links ſteht der Stamm in Verbindung mit dem großen Schildchen sc, in deſſen Höhlung der Keim⸗ ling liegt. Die gewölbte Fläche des Schildchens berührt auf ihrer ganzen Ausdehnung den Mehlkörper m; ſie berührt am oberen und unteren Rande auch die Kleberſchicht n. Der obere Rand des Schildchens iſt bei X deutlich gefalzt, und die innere Schicht der Schale i liegt dem Falz des Schildchens dicht und feſt an. Die Halmſpitze des Keimlings liegt hart neben dem Falz.