jährlich eine Anzahl blühender Halme empor, welche nach der Fruchtreife abſterben; daneben bleiben andere im unentwickelten Zuſtande in Reſerve für das folgende Jahr. Zugleich ſenden die alten Ausläufer immer⸗ während neue nach den Seiten aus, ſo daß auch auf dieſem Wege im Laufe der Zeit von einer einzigen Mutterpflanze aus eine große Fläche beſtockt werden kann. Stirbt der Hauptſtock der Mutterpflanze ſchließ⸗ lich ab, ſo iſt durch die zahlreichen jungen Stöcke, die an den Ausläufern entſtehen, für die Erhaltung und Verbreitung der Pflanze geſorgt. Die Neubegründung von Kolonien übernimmt der Same, der bei den hier⸗ hergehörenden Gräſern meiſt ſehr fein und leicht iſt, ſo daß er durch den Wind verweht werden kann. Beiſpiele folgen weiter unten.
c. Beſtockung durch Horſtbildung.— Drittens gibt es eine Reihe von Gräſern, welche keine deutlich ſichtbaren Ausläufer treiben, ſondern die Beſtockung auf die Weiſe zu ſtande bringen, daß ſie jeweilen aus den unteren Knoten der zuerſt gebildeten Halme neue Seitentriebe entwickeln, welch' letztere ſich nicht auf größere Entfernung ſeitlich ver— breiten, ſondern alsbald in die Richtung nach aufwärts einbiegen. Das Reſultat iſt die Bildung eines Horſtes.
In bezug auf die Zeit der Entwicklung ſind bei dieſer Art der Beſtockung zwei bemerkenswerte Unterſchiede zu verzeichnen. Entweder kommen nämlich 1., alle Halme der Pflanze ſogleich im erſten Jahre zur Entwicklung und nach der Fruchtreife zum Abſterben; dann haben wir es mit einem einjährigen Graſe zu thun. Fällt die Ausſaat in den Herbſt und die Fruchtreife in den nächſten Sommer, ſo iſt das Gras gleichfalls einjährig. Oder aber 2., ein Teil der Halme bleibt am Ende des erſten, des zweiten, des dritten Jahres u. ſ. f. im unentwickel⸗ ten, jedoch lebensfähigen Zuſtande, um jeweilen erſt im folgenden Jahre zur Fruchtreife und zum Abſterben zu gelangen; in dieſem Falle iſt das Gras mehrjährig oder ausdauernd.
Die Abteilung der horſtbildenden Gräſer geht alſo in ein⸗ jährige und ausdauernde Gräſer auseinander, während die unter a) und b) erwähnten ausläufertreibenden Gräſer ſämtlich aus⸗ dauernd ſind.
Bei der vorſtehenden Betrachtung haben wir der Übefſichtlichkeit wegen die verſchiedenen Arten der Beſtockung ſcharf auseinandergehalten. Es iſt aber zur Ergänzung und Erläuterung hinzuzufügen, daß die Natur keine ſcharfen Grenzen zieht, ſondern zwiſchen den deutlicher verſchiedenen Erſcheinungsformen ſtets durch übergänge vermittelt. So gehen z. B. die unterirdiſchen in oberirdiſche Ausläufer über, oder beide Arten von Aus⸗ läufern kommen bei einem und demſelben Graſe vor; und auch zwiſchen den horſtbildenden und ausläufertreibenden Gräſern finden ſich Zwiſchen⸗


