Druckschrift 
Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen

Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 207

erfrorenen Extremitäten in Eiterung über, ſo daß ſorgſame Pflege dringend geboten iſt.

Durch äußere Verletzungen kann auch die innere Organiſation Schaden leiden, indem durch Quetſchungen oder heftigen Stoß die inneren Organe verletzt werden, ſo daß ebenfalls aufmerkſame Behand⸗ lung dringend geboten iſt.

Das Geflügel, dem ein freies Herumſtreifen möglich iſt, fällt oft jenen verderblichen Stoffen zum Opfer, welche zur Vertilgung ſchäd⸗ licher Tiere angewendet werden, oder geht infolge des Genuſſes von Giftpflanzen zu Grunde, einer der wenigen Fälle, in welchen der In⸗ ſtinkt die Tiere vor Gefahr nicht zu ſchützen vermag. So ging eine ganze Herde Truthühner an dem Genuſſe von mit Merkurialſalbe ver⸗ triebenen Schafzecken drauf. Vergiftete Mäuſe und Ratten wurden häufig die Urſache vieler Verluſte. Es iſt daher ratſam, alle durch Gift umgekommenen Tiere aus dem Bereiche des Geflügelhofes ſtrenge zu entfernen. Große Vorſicht iſt überhaupt nötig, wenn Gifte zur Ver⸗ treibung der läſtigen Schmarotzer angewendet werden, da nur zu leicht infolge einer Unvorſichtigkeit die Opfer größer ſein können, als der eventuell damit erzielte Nutzen. Giftpflanzen ſollen aus den Grasplätzen oder Geflügelhöfen unbedingt entfernt werden, da doch leicht eines der Tiere davon genießen könnte. Auf jede einzelne Vergiftungsart hier einzugehen, dürfte zu weit führen. In den meiſten Fällen iſt auch jede Hilfe vergebens. Hat man aber die Erkrankung rechtzeitig bemerkt, ſo iſt für die weitaus größte Zahl der Fälle eine reichliche Gabe von friſcher Milch das beſte Gegenmittel, ebenſo auch ſchleimige Abkochungen, Eiweiß ꝛc. Dies gilt für die mineraliſchen Giftſtoffe. Bei Alkohol⸗ vergiftungen wirken ſchwarzer Kaffee oder kalte Begießungen ſehr er⸗ leichternd. Gegen narkotiſche und ſcharfe Pflanzengifte werden mit Vorteil verdünnter Eſſig, Leinſamenſchleim, ſchwarzer Kaffee, Opium ꝛc. angewendet. Bei Inſektenſtichen ſind Eſſigwaſchungen, Chlorwaſſer, Sal⸗ miakgeiſt(verdünnter Ammoniak), Bedeckung mit feuchter Erde am Platze.

Außer den eigentlichen Krankheits⸗Erſcheinungen kommen beim Geflügel periodiſch wiederkehrende, krankhafte Affektionen vor, welche, wenn auch nicht gefährlich, doch die Aufmerkſamkeit des Züchters in Anſpruch nehmen. Vornehmlich iſt dies der Fall bei der jährlich wiederkehrenden Erneuerung des Federkleides, gemeinhin Mauſer ge nannt. Meiſt im Frühjahr oder Herbſt beginnt das Geflügel ſein Ge fieder zu verlieren, welches dann durch die nachwachſenden Federn in ſchönerer Farbenpracht erſetzt wird, ſo daß mit Beginn der Paarungs⸗ zeit die Männchen im vollſten Schmucke prangen und im wahren Sinne ihr Hochzeitskleid anhaben. Manche Gattungen wechſeln ſogar zweimal ihr Federkleid, wie z. B. die Enten. Gewöhnlich nimmt dieſer Feder⸗ wechſel ſeinen naturgemäßen, allmählichen Verlauf. Bei Flugvögeln, wie Tauben und Enten, geht der Wechſel ſo allmählich vor ſich, daß nicht einmal dadurch die Flugfähigkeit erheblich leidet, indem die Federn nach und nach ausfallen, ſo daß die eine ſchon halb erſetzt iſt, bevor