188 Erträge und Verwertung der Kartoffeln.
demnach eine genügende Menge Kraftfutter, namentlich aber Olkuchen, erforderlich ſein, um dem Tiere das in den Kartoffeln fehlende Protein und Fett in dem Futter zu erſetzen.
Die zur Ernährung des Menſchen dienenden Kartoffeln beſitzen ein weißes, zartes Fleiſch und mittleren Stärkegehalt, während die ſtärkereichſten als Brennkartoffeln verwandt werden. Als die eigentlichen Viehkartoffeln gelten die Maſſenerträge bringenden ſtickſtoffreicheren(glaſigen) Sorten.
Die Kartoffeln äußern, roh in mäßiger Menge Wieder⸗ käuern verabreicht, eine günſtige diätetiſche Wirkung, indem ſie die Verdauungsthätigkeit anregen und die Entleerung der Fäkal⸗ maſſen ausgiebig fördern.
Für den Nutzungseffekt iſt es jedoch keineswegs gleichgültig, ob die Kartoffeln gekocht oder im rohen Zuſtande den Tieren verabfolgt werden, indem die einmagigen Tiere die rohen Kar⸗ toffeln nicht gehörig ausnutzen, während dies durch Wiederkäuer geſchieht, wenn für eine genügende Vermengung mit Strohhäckſel oder Spreu geſorgt iſt, um ein beſſeres Kauen und Einſpeicheln der Kartoffeln zu bewirken.
Außerdem modifiziert ſich durch das Kochen die Nährſtoff⸗ richtung der Kartoffeln, indem die gekochten mehr auf die Fett⸗ produktion und die rohen mehr auf die Milchproduktion hinwirken.
Die Vermehrung des Milchquantums durch rohe Kartoffeln läßt ſich nur daraus erklären, daß das noch in den Zellen ein⸗ geſchloſſene Waſſer ſehr allmählich zur Verdauung gelangt und in das Blut in kleinen Mengen übergeht, die dann in der Milchdrüſe vorzugsweiſe zur Abſcheidung gelangen, während große Maſſen an Tränkwaſſer das Blut zu ſehr verdünnen würden und daher durch die Nieren ſehr ſchnell aus dem Blute abgeſondert werden.
Aus dieſen Gründen eignen ſich rohe Kartoffeln für Milch⸗ vieh, gekochte für Maſtvieh beſſer.
Vor dem Vorhandenſein der Kartoffelkrankheit, als die Er⸗ träge höher und weniger unſicher waren als jetzt, galten die Kartoffeln als die wichtigſte Hackfrucht zur Ernährung des Rindviehs, während ſie jetzt auf den ſchwereren feuchteren Böden


