Erträge und Verwertung der Kartoffeln. 187
Der wichtigſte Beſtandteil der Kartoffeln iſt das Stärke⸗ mehl, von dem dieſelben 9—27 pCt. und im Mittel 16 pCt. enthalten können. Hiergegen treten die Eiweißkörper ſehr er⸗ heblich zurück, ſo daß, wenn nur die verdaulichen Stoffe berück⸗ ſichtigt werden, ſich ein ſehr weites Nährſtoffverhältnis, nämlich wie 1: 21,6 ergiebt. Demnach würde ein ausſchließlicher Genuß von Kartoffeln den Menſchen oder das Tier zur Aufnahme überaus großer Quantitäten zwingen, um in dieſen den not⸗ wendigen Stickſtoff zur Unterhaltung des Lebens ſich aneigen zu können.
Nehmen wir z. B. an, daß der erwachſene Menſch täglich zu ſeiner Ernährung 125 g verdauliches Protein notwendig hat, ſo müßte derſelbe als Nahrung 8,6 kg Kartoffeln auf⸗ nehmen, eine Quantität, welche für den menſchlichen Verdauungs⸗ apparat zu groß iſt, auch würde bei dem obwaltenden Miß⸗ verhältnis zwiſchen den ſtickſtoffhaltigen und ſtickſtofffreien Stoffen in den Kartoffeln der größte Teil des Stärkemehls nicht zur Ausnutzung gelangen, ſondern unverdaut ausgeſchieden werden. Mithin müßte der lediglich auf Kartoffelnahrung angewieſene Menſch aus Mangel an ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffen unfehlbar binnen verhältnismäßig kurzer Zeit zu grunde gehen.
Eine kräftige Ernährung und vollſtändige Ausnutzung der Kartoffeln läßt ſich daher nur in dem Fall erzielen, daß für von Fleiſch, Erbſen, Bohnen ꝛc. geſorgt wird. Doch muß auch zur leichteren Verdaulichkeit und beſſeren Ausnutzung des Stärke⸗ mehls ein gewiſſer Fettgehalt in der Nahrung zugegen ſein, weil das Fett, wenn auch allerdings das Mißverhältnis zwiſchen Zucker⸗ und Fettbildung aus der Stärke einleitet und ſomit das Stärkemehl weſentlich verdaulicher macht.
Für die Tiere iſt die reine Kartoffelnahrung in demſelben Grade unzureichend, denn bei produktiven Tieren wird durch⸗ ſchnittlich ein Verhältnis der ſtickſtoffhaltigen Stoffe zu den ſtickſtofffreien wie 1:5,5 anzunehmen ſein, welches ſich nicht in den Kartoffeln findet. Zur ökonomiſchen Ausnutzung würde


