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Der Kartoffelbau nach seinem jetzigen rationellen Standpunkte / von Hugo Werner
Entstehung
Seite
177
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Die Aufbewahrung der Kartoffeln. 177 ſinkt zwar bei anhaltender Kälte, aber nur langſam; es dauert oft Wochen, bis ſie von 50 auf 2o gefallen iſt. Während dieſer Zeit häuft ſich Zucker in den Kartoffeln an. Wird es nun im Keller nicht mehr kälter, ſo ſind die Kartoffeln ſüß, aber nicht erfroren, ſondern noch keimfähig. Sinkt aber die Temperatur noch tiefer, bis unter 30, ſo gefrieren ſie und ſind hernach ſüß und erfroren.

Es erklären ſich dieſe Erſcheinungen dadurch, daß die beiden Vorgänge der Zuckerbildung und der Reſpiration von der Temperatur in ungleicher Weiſe beeinflußt werden, der ein⸗ fachere Zuckerbildungsprozeß in geringerem Grade, während die Lebensvorgänge im Protoplasma und damit auch der Verbrauch von Zucker durch Kälte weſentlich herabgeſtimmt werden. Das Süßwerden der Kartoffeln an und für ſich iſt zwar ein Verluſt, indem ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt und nachher veratmet wird; doch ſind deshalb die Kartoffeln für den Haus⸗ halt nicht wertlos und dürfen nicht weggeworfen werden, zumal die Unterſuchungsreſultate Müllers ein naturgemäßes Mittel an die Hand geben, um aus den ſüßgewordenen Kartoffeln den Zucker zu entfernen und dieſelben wieder genießbar zu machen. Man bringt die Kartoffeln mehrere Tage vor dem Gebrauch in einen warmen Raum(Küche), wo alsdann der Zucker von den Kartoffeln raſch veratmet wird.

In neuerer Zeit gelangt auch das künſtliche Trocknen der Kartoffeln immer größere Bedeutung. Getrocknet iſt ihr Abſatz⸗ gebiet kein beſchränktes mehr, weil ſie am Gewicht bedeutend verlieren, auch die Transport⸗ und Aufbewahrungskoſten weſent⸗ lich erniedrigt werden.*)

Ferner ſind die Kartoffeln gegen alle Verluſte geſchützt, die bei einer Aufbewahrung friſcher Kartoffeln immer eintreten.

Zum Trocknen eignen ſich am beſten Sorten mit glatter Schale und nicht tief liegenden Augen, weil es dann weniger Abfälle giebt und auch weniger Arbeit auf das Schälen ver⸗

wendet zu werden braucht. Bei einem regelrechten Betriebe

*) Zeitſchr. f. d. landw. Vereine des Großh. Heſſen 1889, Nr. 4.

Werner, Kartoffelbau. 3. Auflage. 12