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Der Kartoffelbau nach seinem jetzigen rationellen Standpunkte / von Hugo Werner
Entstehung
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4 Einleitung.

wurde ſie 1625 durch Karmelitermönche aus Spanien gebracht, und während des dreißigjährigen Krieges ſoll ſie durch einen niederländiſchen Offizier in Böhmen eingeführt worden ſein.

Die Kartoffelkultur begann in Lothringen und Lyonaiſe um 1630, in Weſtfalen und Niederſachſen um 1640, in Braunſchweig um 1647, und in demſelben Jahre führte ſie Hans Kogler aus Selb im Voigtlande ein, und im Berliner Luſtgarten baute ſie 1651 der große Kurfürſt an. Nach Ungarn gelangte ſie durch aus Deutſchland heimkehrende Studenten um 1654.

Florinus kennt den Kartoffelbau ſchon 1702 um Nürnberg. Nach Württemberg wurden die Kartoffeln zuerſt 1710 durch Antoine Seignoret, einen Waldenſer, gebracht, und nach Sachſen 1717 durch den General⸗Lieutenant von Milkau aus Brabant. 1726 kamen die Kartoffeln nach Schweden, 1730 nach der Schweiz und 1737 nach Finnland. Die Pfälzer ſcheinen 1720 den Kartoffelbau nach Preußen verpflanzt zu haben. Berlin war einer der erſten Orte, in deſſen Nähe 1738 die Kartoffeln zuerſt im Großen zur menſchlichen Nahrung angebaut wurden. Frie⸗ drich Wilhelm J. ſchenkte nämlich einem Krankenhauſe, der Charité, Land, unter der Bedingung, für Arme und Kranke darauf Kartoffeln zu bauen.

Eine allgemeinere Verbreitung fand ihr Anbau in Deutſch⸗ land jedoch erſt durch die Hungersnot von 1745 und durch die Anſtrengungen, welche Friedrich II. zu ihrer weiteren Verbreitung machte. Leider wurden die von ihm angeordneten Anbauverſuche nur mit dem größten Widerſtreben, namentlich in Pommern, in Angriff genommen, ſo daß eigentlich erſt die Teuerungen von 1771 und 72 alle Vorurteile nachhaltig beſeitigten, und ſeit dieſer Zeit begann ſie, hauptſächlich auf den leichten Sandböden, eine vollſtändige Umänderung des landwirtſchaftlichen Betriebes anzubahnen.

Seit dieſer Zeit hat der Kartoffelbau gewaltig an Aus⸗ dehnung gewonnen, wie dies ſchon ſeine derzeitige Verbreitung im deutſchen Reich beweiſt, denn zufolge ſtatiſtiſcher Nachweiſe betrug die Anbaufläche im Jahre 1893 3037366,4 ha(5,6 pCt.