Druckschrift 
Die käuflichen Düngestoffe, ihre Zusammensetzung, Gewinnung und Anwendung / von A. Rümpler
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen

Kriſtalliſation. 209

In den Rinnen ſetzt ſich durch das Erkalten der Löſung ſtets eine geringere Sorte Salz(45— 50 Proz. Chlorkalium enthaltend), das Rinnenſalz, ab, welches man meiſt nur zur Bereitung von Düngeſalzen verwendet, doch kann man es ebenſo gut mit dem beſſeren Chlorkalium zuſammen verarbeiten.

Die Kriſtalliſiergefäße, in denen die Löſung erkalten und dabei Kriſtalle von Chlorkalium abſetzen ſoll, ſind, wie die Klärkäſten, aus Eiſenblech genietet und von verſchiedenen Dimenſionen. Manche Fabriken ziehen flache Käſten den hohen vor, weil in denſelben die Lauge etwas raſcher abkühlt, auf der anderen Seite ſind wieder hohe Käſten vor⸗ zuziehen, weil die in denſelben entſtehenden Kriſtalle größer werden und weil ſie einen geringeren Flächenraum einnehmen.

Iſt die Lauge erkaltet, was in zwei bis vier Tagen geſchieht, ſo wird die Mutterlauge(II) von dem ausgeſchiedenen, noch unreinen Kaliſalze abgelaſſen. Sie ſammelt ſich vermittelſt Rinnen, die unter dem Boden der Kriſtalliſiergefäße angebracht ſind, in einem größeren, aus Eiſenblech gearbeiteten oder mit Cement gemauerten Baſſin, dem „Mutterlaugenbaſſin“, von wo ſie zum Löſen benutzt oder, wie unten beſchrieben werden wird, weiter verarbeitet wird.

Das in den Gefäßen abgeſchiedene Kaliſalz beſteht im weſentlichen aus einem Gemenge von Chlorkalium und Kochſalz, verunreinigt durch an⸗ hängende Mutterlauge. Dasſelbe iſt in derſelben Form, wie der Sylvin, kriſtalliſiert, doch ſind die Kriſtalle nicht immer gut ausgebildet. Die Größe derſelben hängt hauptſächlich von der Konzentration der Roh⸗ löſung ab. Löſt man auf 32— 33° Bö. oder noch ſchwächer, ſo erhält man ſtets große, oft 1 cm breite Kriſtalle, mit treppenförmigen Zeich⸗ nungen und perlmutterartigem Glanze. Löſt man ſtärker, alſo vielleicht auf 33 ½° Bö., ſo ſind dieſelben weich und meiſt langgezogen(nadel⸗ förmig). Es iſt klar, daß die feinere oder gröbere Beſchaffenheit der Kriſtalle auf die Reinheit des Chlorkaliums einen großen Einfluß haben muß, denn das feinere Salz wird ſtets eine größere Menge Mutter⸗ lauge zurückhalten, alſo chlormagneſiumhaltiger ſein, als das gröbere. Während(unreines) feinkörniges Salz oft nur 60 Proz. Chlorkalium, in vollkommen trocknem Zuſtande, enthält, ergab die von mir aus⸗ geführte Analyſe eines grobkörnigen Salzes*)

getrocknet Unlösliches.... 0,0876 Proz. Schwefelſaure Magneſia 1,2468„ Chlormagneſium.. 6,9072„ Chlorkalium... 68,1504„ Kochſalz.... 23,5560„

*) Es iſt hier beiläufig zu bemerken, daß das Salz, welches an den Wänden der Kriſtalliſiergefäße ſich abſetzt, ſtets reiner iſt, als das Bodenſalz. Will man daher beſonders hochprozentige Ware herſtellen, ſo kann man das in der Weiſe erreichen, daß man jede der beiden Sorten für ſich weiter verarbeitet.

Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 14