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Die käuflichen Düngestoffe, ihre Zusammensetzung, Gewinnung und Anwendung / von A. Rümpler
Entstehung
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Einleitung.

Die Landwirtſchaſt iſt von Alters her ein Gewerbe geweſen, welches aus unorganiſchen Rohſtoffenorganiſche Weſen Pflanzen, und in höherer Potenz Tiere herſtellte, um mit denſelben die Be⸗ dürfniſſe der Menſchen zu befriedigen. Bis in die erſten Dezennien unſeres Jahrhunderts jedoch erhob ſie ſich nicht über das Niveau des Handwerksmäßigen. Die Manipulationen des Pflügens, Säens, Düngens wurden, als nützlich, von Geſchlecht zu Geſchlecht vererbt, doch den innern Zuſammenhang derſelben mit dem Ernteertrage kannte man kaum. Es gab wohl ſchon tüchtige Männer, die über die wiſſenſchaftliche Grundlage des Ackerbaues nachdachten, doch die Theorien derſelben blieben ohne Nutzen, weil ſie weniger auf exakten Be⸗ obachtungen, als auf Spekulation beruhten. Auf der anderen Seite aber findet man ſchon Ende vorigen Jahrhunderts Beobachtungen und auf dieſe gegründete Lehrſätze, die erſt weit ſpäter Beachtung und Anerkennung fanden, die Liebigs Theorie des Landbaues teilweiſe vorwegnahmen. Erſt dieſem iſt es gelungen, und zwar zu einer Zeit, als die Not der Landwirte hochgeſtiegen war, geſtützt auf vereinzelte Vorgänger und auf eigene Forſchungen, den Ackerbau in ein wiſſen⸗ ſchaftliches Syſtem zu bringen und dieſes Syſtem fort und fort gegen den Schlendrian zu verteidigen, bis es allgemeine Anerkennung fand. Er ergründete die Geſetze der Pflanzenernährung und erhob ſo die Landwirtſchaft mit einem Schlage von dem Standpunkte des Handwerkes zu einer Fabrikinduſtrie, zu einem Gewerbe, welches mit Bewußtſein die Kräfte der Natur zu ſeinen Zwecken benutzt.

Erſt jetzt wußte der Landwirt, warum die Stallmiſtdüngung, die ſeinem Vater gute Ernten gegeben hatte, ihm nur dürftigen Er⸗ trag verſchaffte, und konnte jetzt auch an der Hand der Viſſenſchaft nach Erſatzmitteln für dieſelbe ſuchen; wie er Futter für ſein

Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 1