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Die käuflichen Düngestoffe, ihre Zusammensetzung, Gewinnung und Anwendung / von A. Rümpler
Entstehung
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2 Beſtandteile und Nahrungsmittel der Pflanzen.

Vieh kauſte, konnte er bald auch ſolches für ſeine Pflanzen kaufen, er konnte ſein Geſchäft nach kaufmänniſchen Grundſätzen betreiben. Stoffe, die er bisher als wertlos oder geſundheitsgefährlich wegwarf oder verſcharrte, wie Tierkadaver oder Knochen, wurden jetzt Schätze für ihn, denn er konnte ſie zu Dünger verarbeiten und ſo ver⸗ werten.

Anfangs übernahm der Landwirt die Herſtellung ſolcher ſogenannten künſtlichen Düngeſtoffe ſtets ſelbſt, bald aber mußten ſich In⸗ duſtrielle finden, die dieſe Arbeit nicht nur billiger, ſondern auch ſorgfältiger, ausführen konnten, denn während dieſelbe für jenen Nebenbeſchäftigung im kleinſten Maßſtabe ſein mußte, ſtanden dieſen techniſche Apparate, geübte Arbeiter, wiſſenſchaftliche Forſchungen und, vor allem, die Hilfsquellen des Groß⸗ handels in jeder Weiſe zu Gebote. Es entwickelte ſich ſo in wenigen Jahren ein ganz neuer Induſtriezweig zu großer Blüte.

In dieſer Schrift ſoll nun der Leſer die Herſtellungsweiſe der künſtlichen Düngeſtoffe und damit ihr inneres Weſen kennen lernen; dazu gehört aber auch die Kenntnis des Verhaltens derſelben im Acker⸗ boden und gegen die Pflanzen; daher will ich zunächſt einige allgemeine Kapitel aus der Ackerbaulehre in Nachſtehendem kurz erörtern.

Beſtandteile und Nahrungsmittel der Pflanzen.

Der Pflanzenkörper beſteht, abgeſehen von ſeinem Waſſergehalte, in ſeiner größten Maſſe aus einer Reihe von Stoffen, die ſich ſelbſt für den Laien leicht von denen des Mineralreichs unterſcheiden, und die man als organiſche Stoffe bezeichnet. Dieſelben ſind in ihrem äußeren Verhalten und in der Art ihrer Zuſammenſetzung von großer Mannichfaltigkeit, ſo nahe ſie auch mit einander verwandt ſind, wenn wir ihre Elementarbeſtandteile ins Auge faſſen. Es gehören zu ihnen die verſchiedenen Zucker⸗ arten, Stärkemehl, Pflanzeneiweiß und Kleber, die große Reihe von Alkaloide, Harze, Farbeſtoffe ec., betreffs deren näherer Beſprechung wir auf die ſpezielle Chemie und auf die Pflanzen⸗ phyſiologie verweiſen müſſen. Wie verſchieden iſt unter dieſen z. B. der im Waſſer lösliche, ſüß ſchmeckende, kryſtallbildende Rohrzucker von dem gewöhnlichen Fichtenharze, welches im Waſſer vollkommen unlöslich iſt, nicht ſchmeckt und unkryſtalli⸗ ſiert erſcheint, und doch beſtehen dieſe beiden Körper aus denſelben Stoffen, nämlich aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauer⸗ ſtoff. Wie verſchieden ſelbſt ſind Holzfaſer und Stärkemehl, und doch beſtehen beide Körper nicht nur aus denſelben chemiſchen Elementen, ſie enthalten dieſelben ſogar in demſelben Gewichtsverhält⸗ niſſe; ſie beſtehen beide aus 44,444 Proz. Kohlenſtoff, 6,173 Proz.

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