206 Löſen des Rohſalzes.
Aufkochelauge(I), enthält vorzugsweiſe Kochſalz, etwas Chlormagneſium und außerdem ſchwefelſaure Kal⸗Magneſia gelöſt. Ihr Kaligehalt be⸗ trägt zwiſchen 3 und 7 Proz., als Chlorkalium berechnet. Sie wird nur zum Löſen neuer Mengen Rohſalz verwendet. Man muß es ver⸗ meiden, in das fabrizierte Chlorkalium ſchwefelſaures Kali zu bringen; es könnte daher ſcheinen, als ob dieſes Aufkochen mit Waſſer, wegen der ſtattfindenden Bildung von ſchwefelſaurem Kali, ſchädlich auf die Qualität des Fabrikates wirken könnte. Es iſt aber nicht an dem: beim Zuſammentreffen dieſer Verbindung mit Chlormagneſium findet eine Rückbildung von Chlorkalium und ſchwefelſaurer Magneſia ſtatt. Ich halte jedoch das Aufkochen mit Waſſer aus anderen Gründen für unvorteilhaft, weil nämlich die Wirkung desſelben eine ſehr geringe iſt. Der Rückſtand verringert ſich wohl infolge der Auflöſung von Salzen, das im Keſſel Verbleibende enthält aber faſt noch ebenſoviel Kali als vorher. Viel beſſer iſt das Aufkochen mit Mutterlauge(II), weil hierbei infolge des Chlormagneſiumgehaltes der letzteren eine Bildung von ſchwefelſaurem Kali nicht oder nur in geringem Maße ſtattfindet, das leichtlösliche Chlorkalium(ſchwefelſaures Kali iſt ſchwer löslich), ſich aber ſehr gut in der kochenden Lauge auflöſt. Hat man zufällig, wie dies wohl vorkommt, ſchwefelſaures Kali in Form von Kainit oder Polyhalit im Rohſalze, ſo kann man auf dieſe Weiſe ſogar die Bildung von Chlorkalium aus dieſen Salzen erreichen, während dieſelben anderenfalls vollkommen verloren gehen.
Um beim Aufkochen möglichſt Dampf zu ſparen, benutzt man die Aufkochelauge ſo ſchnell als möglich, alſo ſo heiß als möglich, zum Löſen. Man ſtellt daher zwiſchen den verſchiedenen Löſekeſſeln, von denen man wenigſtens zwei beſitzen muß, eine Rohrverbindung her, die der bei der Ammoniakſalzbereitung beſprochenen und in Fig. 5, S. 108 abgebildeten gleich konſtruiert iſt. Sobald nämlich das Aufkochen be⸗ endet iſt, läßt man die noch kochend heiße Lauge durch dieſes Rohr in den Nebenkeſſel übertreten und verliert dadurch kaum etwas von der Wärme, die zum Erhitzen derſelben nötig war. Den nicht übertretenden Teil derſelben(etwa ein Viertel der ganzen Menge) läßt man durch
Kaſten mit Siebboden(Roſt) vermittelſt einer ſtarken Brauſe mit Waſſer aus⸗ gewaſchen. Das Kochſalz löſt ſich dabei auf, während der Kieſerit weggeſpült wird und ſich in einem eiſernen Kaſten als grauweißer Schlamm zu Boden ſetzt. Der Kieſeritſchlamm wird ſchließlich in Formen gefüllt, in denen er er⸗ ſtarrt. Dieſes Erſtarren des Kieſerits iſt ein ähnlicher Vorgang, wie wir ihn bei Gelegenheit des Trocknens von Superphosphat beſprochen haben. Kieſerit iſt ſchwefelſaure Magneſia mit einem Molekül Waſſer, er muß alſo noch Waſſer aufnehmen, um in Bitterſalz(MAg 80.+ 7 HZ 0) überzugehen.
Die Verarbeitung des Rückſtandes auf Glauberſalz beruht darauf, daß eine Löſung, die ſchwefelſaure Magneſia und Chlornatrium gleichzeitig enthält, in der Winterkälte ſchwefelſaures Natron, unter Bildung von(gelöſt bleibendem Chlormagneſium, ausſcheidet.


