Die Phosphorſäuredünger. 33
Gewißheit geworden iſt, exiſtierte für die Chemiker damaliger Zeit noch nicht.
Merkwürdig aber iſt es, daß man den freien Phosphor, während mehr als 70 Jahren darſtellte und ſtudierte, ohne ſeine Verbindung mit Sauerſtoff, die Phosphorſäure, zu kennen, aus der man ihn ge⸗ wann und in die er ſo leicht wieder übergeht.
Erſt im Jahre 1743 wurde dieſelbe von Marggraf entdeckt und als ſelbſtändige Säure erkannt, die beim Glühen mit verbrennlichen Subſtanzen wieder Phosphor giebt.
In den Knochen wurde dieſe Säure von dem ſchwediſchen Chemiker Gahn 1769 gefunden, und bald darauf lehrte auch ſein Landsmann Scheele ein Verfahren, den Phosphor aus Knochen zu gewinnen, welches im Weſentlichen noch jetzt im Gebrauch iſt.
Zu allerletzt, d. h. zehn Jahre nach der Entdeckung der Phosphor⸗ ſäure in den Knochen und mehr als hundert Jahre nach der erſten Darſtellung des Phosphors wurde endlich dieſer Stoff auch(von Gahn) im Mineralreiche aufgefunden und zwar im Buntbleierze(phosphor⸗ ſaures Bleioxyd). Bald darauf wurde der Phosphorſäuregehalt des Apatits, jenes ſchönen Minerals, welches in Maſſen in der anorganiſchen Natur vorkommt, und deſſen Zuſammenſetzung der des erdigen Beſtand⸗ teiles der Knochen gleich iſt, von Vauquelin und Klaproth er⸗ kannt. Das ſind in wenigen Worten die weſſentlichſten hiſtoriſchen Momenteo, die erſten Entdeckungen des Phosphors und ſeiner Säure in den drei Reichen der Natur betreffend. Seitdem haben die Chemiker fort und fort geforſcht, haben dieſen Körper überall geſucht und, je mehr ſich die analytiſchen Methoden verfeinerten, auch mehr und mehr gefunden. Das Vorkommen im Urin und in den Knochen ließ ihn n allen Säften und Organen des menſchlichen und tieriſchen Körpers ver⸗ muten und bald wurde er auch in allen denſelben nachgewieſen.
In jeder Pflanze und in jedem Teile derſelben fand man ihn, wie man aus der Aſchentabelle der Einleitung ſieht. Daß der tieriſche Phosphor aus dem Pflanzenreiche ſtammen müſſe, konnte daher nicht lange zweifelhaft bleiben. Doch, woher erhalten die Pflanzen ihren Gehalt an dieſem Stoffe? Die Antwort auf dieſe Frage wurde lange vergeblich geſucht. Selbſt in den erſten Dezennien unſeres Jahrhunders, als ſchon bedeutende Forſcher, wie Sauſſure, aus rein logiſchen Gründen den Urſprung der Phosphorſäure im Boden ſuchten, wurde noch die Lehre der Umbildung derſelben aus anderen Subſtanzen von den Koryphäen der Landwirtſchaft als unumſtößlich anerkannt, denn im Ackerboden fand man ſehr wenig davon, und was man fand, konnte man leicht aus der Menge, die im Dünger hinzugebracht wurde, her⸗ leiten. Erſt ſchärfere analytiſche Methoden gaben höhere Zahlen. Es würde ermüden, wollte ich hier alle die neueren Bodenanalyſen bezüg⸗
lich der Phosphorſäure citieren; ich erwähne nur, daß man in dem Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage. 3


