I. Abſchnitt.
Die Phosphorſäuredünger.
Bei ſeinen Verſuchen aus menſchlichem Harne Gold her⸗ zuſtellen, entdeckte um das Jahr 1669 ein bankrotter Kaufmann Brandt in Hamburg einen für die damalige gelehrte Welt im höchſten Grade intereſſanten Körper, einen Phosphorus(Lichtträger), d. i. einen Stoff, der im Dunkeln ohne Verbrennung(nach damaliger Erkenntnis) leuchtet. Alle bis dahin bekannten Phosphore, und das war eine ganze Reihe, erhielten ihre Leuchtkraft erſt durch Beſtrahlung im Sonnenlichte, ver⸗ loren dieſelbe auch bald wieder“*); der neue entdeckte Körper dagegen leuchtete von ſelbſt und behielt auch ſeine Kraft, ſo daß er bald vor⸗ zugsweiſe Phosphor genannt wurde; es iſt derſelbe, den auch wir unter dieſem Namen kennen. Seit ſeiner Entdeckung war er der Gegen⸗ ſtand der eifrigſten Studien. Trotzdem Brandt ſein Verfahren geheim hielt, erfand doch bald darauf der Berliner Chemiker Kunckel dasſelbe zum zweitenmal. 1688 wurde derſelbe Körper von Albinus aus Senfſamen und aus Kreſſe dargeſtellt.
So fand man den Phosphor zuerſt in den beiden Reichen der organiſchen Welt, ohne den Zuſammenhang ſeines Vorkommens daſelbſt mit der anorganiſchen Natur auch nur zu ahnen; nach den damaligen kosmiſchen Anſchauungen mußte man ſogar annehmen, daß derſelbe durch den Einfluß geheimnisvoller Lebenskräfte aus anderen Stoffen oder aus nichts ſich erſt bilde. Der ſcharfe Unterſchied zwiſchen den chemiſchen Elementen, der uns zu einer klaren Vorſtellung, zu ſicherer
*) Einer der damaligen Phosphore, der ſog. bononiſche Leuchtſtein, beſteht aus Schwefelbarium, hat alſo mit dem, was wir jetzt Phosphor nennen, nichts zu thun. In neuerer Zeit hat man noch eine lange Reihe ſolcher Stoffe ge⸗ funden, die nach Belichtung von ſelbſt leuchten.


