Verwertung der Auswurſſtoffe. 17
zur Zeit der letzten Choleraepidemie in Hamburg, in der Großſtadt ſelbſt, häufig aber im unteren Laufe des Fluſſes bethätigen. Neuerdings ſcheint allerdings eine Methode gefunden zu ſein, die die Vorteile der Kanaliſation, die ganz unleugbar ſind, mit den Forde⸗ rungen der Nationalökonomie vereinigt, nämlich das Rieſel⸗ feldſyſtem. In Berlin, wo dasſelbe ſeit längeren Jahren eingeführt iſt, werden die Kloakenflüſſigkeiten beſtimmt abgegrenzter Stadtteile in Röhren nach einem mehrere Kilometer von der Stadt belegenen Gute (Osdorf) geleitet und dort auf die Felder verteilt. Die Fruchtbarkeit dieſer Felder wird dadurch zu einer unglaublichen Höhe geſteigert und ſcheint es, wie geſagt, als ob der ſo lange und heftig geführte Streit, ob Kanaliſation oder Abfuhr, durch die Osdorfer Anlage beigelegt ſei. Viele deutſche Städte ſind dem Beiſpiele Berlins gefolgt und haben mit großen Koſten Rieſel⸗Anlagen ausgeführt und damit mindeſtens ihre geſundheitlichen Verhältniſſe außerordentlich gehoben, wenn auch die Gelderträge bedeutend hinter den Erwartungen zurückgeblieben ſind. Für die Rieſelfelder⸗Frage kommen beſonders zwei Geſichtspunkte in Betracht, der geſundheitliche und der landwirtſchaftliche. Was den erſteren betrifft, ſo will man mit Hilfe der Ackererde des Rieſelfeldes die Kloakenflüſſigkeiten desinfizieren; Acker⸗ erde abſorbiert, wie wir ſchon oben ſahen, den größten Teil der im Dünger enthaltenen Stoffe, beſonders auch die riechenden(Ammo⸗ niak, Schwefelammonium ꝛc.). Dies gilt allerdings für jeden Boden, es iſt jedoch klar, daß derſelbe, bei ſeiner ſo verſchiedenartigen Zuſammenſetzung, in ſeinen Abſortionswirkungen ſehr verſchieden ſein muß. So wirkt ein guter Lehmboden in dieſer Beziehung ganz außerordentlich viel kräftiger als ein Sandboden, d. h. von letzterem wird man zur Erreichung desſelben Re⸗ ſultates eine bei weitem größere Fläche nötig haben, als von erſterem. Dasſelbe gilt in landwirtſchaftlicher Hinſicht: Iſt ein beſtimmtes Feld nicht im Stande, die ihm gebotenen Düngeſtoffe ge⸗ genügend zu binden, wird es überſättigt, ſo werden die Pflanzen auf demſelben geil wachſen oder ganz zu Grunde gehen. Das beſte Reſultat würde noch dann erreicht werden, wenn der Überfluß in den Untergrund ginge, dann aber iſt man wieder auf dem Punkte angelangt, daß große Mengen von Stoffen, die, in ihrer Geſamtheit betrachtet, wertvoller ſind, als Gold und Edelſteine, dem National⸗Vermögen ver⸗ loren gehen. Mit dem Syſteme der Rieſelfelder wird man daher ſicher und überall gute Erfolge erzielen, wenn man, der Quantität der Kloakenflüſſigkeit und der Qualität des Ackerbodens entſprechend, genügend große Ländereien zur Verfügung hat. Je geringer die Abſorptionsfähigkeit des Bodens iſt, deſto größer muß die Fläche ſein. Es hat ſich bis jetzt überall gezeigt, daß die von vornherein in Ausſicht genommene Landmenge nicht ausreichte, und ſo Rümpler, Düngeſtoffe. 4. Auflage.. 2


