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Die Atmoſphäre. 11
vielfach in der Landwirtſchaft praktiſch verwertet worden iſt, wird vor⸗ ausſichtlich in der Zukunft noch große Umwälzungen im Landwirtſchafts⸗ betriebe hervorrufen. Wir werden auf dieſen Punkt bei der Beſprechung der ſtickſtoffhaltigen Düngemittel zurückkommen.
Ein nie fehlender Beſtandteil der Luft iſt die Kohlenſäure, deren Menge durchſchnittlich 0,04 in 100 l Luft beträgt. Wenn man jedoch die Bildungsweiſe derſelben bedenkt, ſo iſt es klar, daß dieſe Menge nach lokalen Verhältniſſen wechſeln muß. In Fabrik⸗ ſtädten z. B., wo die Schornſteine fortwährend enorme Mengen Kohlenſäure ausſtrömen(1 kg Kohlenſtoff erzeugt 3 6 kg Kohlenſäure oder 1865 I; eine Fabrik, die täglich 400 Ztr. Braunkohle oder 200 Ztr.= 10 000 kg Kohlenſtoff verbrennt, würde daher pro Tag 18 650 000 l oder 18 650 cbm Kohlenſäure in die Luft ſenden), wird die Atmoſphäre ſtets einen etwas höheren Gehalt an dieſem Gaſe zeigen; ebenſo muß in geſchloſſenen Räumen, wo viele Menſchen atmen, z. B. in Schulzimmern, der Kohlenſäuregehalt ſtärker ſein, als der der äußeren Luft. Man könnte meinen, daß nach und nach die Atmoſphäre ſo kohlenſäurereich werden müßte, und daß der Sauerſtoff derſelben, der ja fortwährend verzehrt wird, ſo abnehmen müßte, daß ſie zum Atmen untauglich würde. Dem wirken aber andere Verhält⸗ niſſe entgegen. Vor allem ſind es die Pflanzen, die das Gleich⸗ gewicht ſtets wieder herſtellen. Sie entziehen, wie wir ſchon erwähnt haben, der Atmoſphäre die Kohlenſäure, verarbeiten den in der⸗ ſelben enthaltenen Kohlenſtoff zu organiſchen Subſtanzen und geben Sauerſtoff an die Atmoſphäre zurück. Auch wird die Kohlenſäure verhältnismäßig leicht vom Waſſer aufgenommen(gelöſt), ſie verſchwindet daher bei jedem Regen zum Teil aus der Luft und findet ſich dann in den Wäſſern der Flüſſe und Quellen oder im Boden wieder.
Eine zweite nie fehlende Beimengung der atmoſphäriſchen Luft iſt Waſſerdampf; Waſſer verdunſtet ja bei jeder Temperatur, und die Erde iſt zu drei Vierteln mit Waſſer bedeckt. Da das Waſſer, wie alle flüchtigen Stoffe, in höherer Temperatur leichter verdampft, als in niederer, ſo muß auch die Atmoſphäre in der warmen Jahreszeit feuchter ſein als in der kalten, wenn die Feuchtigkeit auch für das Gefühl weniger merkbar iſt.
Neben dem ſchon erwähnten ſalpeterſauren Ammoniak enthält die Atmoſphäre zuweilen auch noch andere Ammoniakverbindungen, allerdings in höchſt geringer Menge, nämlich kohlenſaures Am⸗ moniak und Schwefelammonium, Stoffe, welche ihren Urſprung in der Zerſetzung ſtickſtoffhaltiger organiſcher Körper, dem Verfaulen von Kadavern ꝛc., haben. Ihr Vorkommen iſt daher ſtets lokaler Natur und, da ſie im Waſſer leicht löslich ſind, können ſie ſich auch nie längere Zeit in der Luft halten, der erſte wäſſerige Niederſchlag wird ſie aus derſelben entfernen.


