10 Die Atmoſphäre.
ſtoff, ausſchließlich zum Atmen brauchbar ſei(Lebensluft); daß aber der andere Teil, der Stickſtoff, ſich in allen dieſen Prozeſſen negativ verhalte: das Feuer verlöſcht, das Tier erſtickt in demſelben. Dieſer Gegenſatz der beiden Stoffe findet ſich konſequent durchgeführt; überall in der Natur tritt der Sauerſtoff als thätiger Körper auf: er verbindet ſich mit Kohlenſtoff zu Kohlenſäure und entwickelt dabei eine ſtarke Wärme, mit der wir uns gegen den Froſt ſchützen, mit der wir unſere Maſchinen treiben; er erzeugt die Wärme unſeres Körpers, indem er in der Lunge gewiſſe Beſtandteile des Blutes zu Kohlen⸗ ſäure und Waſſer verbrennt; er zerſtört durch ſeine oxydierenden Eigenſchaften Eiſen und Geſteine, kurz, wir finden ihn, wohin wir blicken, in zerſtörender oder, was in der Natur dasſelbe iſt, er⸗ zeugender Thätigkeit. Anders der Stickſtoff. Er verbrennt nicht und iſt nicht im ſtande, die Verbrennung anderer Stoffe zu unterhalten; in derſelben Form, in der die Tiere ihn einatmen, atmen ſie ihn wieder aus; während Sauerſtoff von den Pflanzen auf⸗ genommen und verarbeitet wird, verhält ſich der Stickſtoff der Luft unthätig gegen dieſelben. Er dient überall nur als Verdünnungs⸗ mittel für den Sauerſtoff, und als ſolches thut er große Dienſte. In einer Atmoſphäre von reinem Sauerſtoffe würden Menſchen und Tiere bei der Organiſation, die ſie jetzt beſitzen, in ewiger Fieberhitze ſich befinden, weil die Verbrennung des Blutes in den Lungen zu heftig vor ſich ginge; das feſteſte Eiſengerüſte würde in wenig Tagen zerfallen, wenn wir es überhaupt herſtellen könnten, denn das glühende Eiſen in der Schmiede würde verbrennen, wie erhitzter Phosphor.
So inaktiv demnach der Stickſtoff der Luft iſt, ſo gehen doch fort⸗ während beſtimmte Mengen desſelben in die Pflanze über, vor allem dadurch, daß ſich derſelbe durch elektriſche Vorgänge in der Atmoſphäre in ſalpeterſaures und ſalpetrigſaures Ammoniak verwandelt, welches durch den Regen dem Boden zugeführt wird. Die in Prozenten der atmoſphäriſchen Luft ausgedrückten Mengen dieſer Stoffe ſind außer⸗ ordentlich gering, zieht man aber die unermeßliche Luftmenge in Be⸗ tracht, die den Erdball umgiebt, ſo kann man ſich vorſtellen, welche Quantitäten von Stickſtoff der Landwirtſchaft alljährlich aus der Luft zugeführt werden.
Noch einen anderen Weg des atmoſphäriſchen Stickſtoffs zu den Pflanzen hat in der Neuzeit Hellriegel entdeckt. Derſelbe fand, daß Schmetterlingsblüter in gewiſſen Fällen mehr Stickſtoff in ſich auf⸗
ſammelten, als der in der Düngung enthaltenen Menge entſprach.
Dieſes Plus konnte nirgends anders herſtammen, als aus der Atmo⸗ ſphäre und Hellriegel erkannte, daß die Aſſimilation des atmo⸗ ſphäriſchen Stickſtoffes durch gewiſſe kleinſte Lebeweſen vermittelt wurde, die an den Wurzeln der genannten Pflanzen Knötchen oder Knöllchen erzeugen(Knötchen⸗Bazillus). Dieſe Entdeckung, welche ſchon
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